Viele Menschen mit Bulimie leben lange mit einem Geheimnis. Nach außen wirkt vieles normal, innerlich drehen sich die Gedanken um Essen, Gewicht und den nächsten Essanfall, oft begleitet von Scham, Erschöpfung und dem Gefühl, allein damit zu sein.
Bulimie ist eine Erkrankung, über die man sprechen kann. Unterstützung zu suchen ist kein Zeichen von Schwäche, sondern ein wichtiger Schritt.
Was bedeutet Bulimie?
Bei einer Bulimie (Bulimia nervosa) kommt es wiederholt zu Essanfällen, bei denen Betroffene das Gefühl haben, die Kontrolle über das Essen zu verlieren. Darauf folgen Versuche, die Folgen des Essens wieder rückgängig zu machen, zum Beispiel durch Erbrechen, Fasten, sehr viel Sport oder Medikamente. Fachlich spricht man von kompensatorischen Verhaltensweisen.
Häufig hängt der Selbstwert stark von Figur und Gewicht ab. Das Gewicht liegt bei vielen Betroffenen im unauffälligen Bereich, weshalb eine Bulimie von außen oft lange nicht bemerkt wird.
Ein Kreislauf, der schwer zu durchbrechen ist
Oft beginnt der Kreislauf mit strengen Essensregeln oder Diäten. Hunger, Anspannung, Stress oder belastende Gefühle können dann einen Essanfall auslösen. Danach folgen Scham, Schuldgefühle und der Wunsch, das Gegessene auszugleichen. Das führt wieder zu neuen Regeln, und der Kreislauf beginnt von vorne.
Dieser Kreislauf hat nichts mit fehlender Disziplin zu tun. Er lässt sich mit fachlicher Unterstützung Schritt für Schritt verstehen und verändern.
Scham und Heimlichkeit
Viele Betroffene verbergen Essanfälle und das, was danach geschieht, auch vor nahestehenden Menschen. Das kostet viel Kraft: Pläne werden um das Essen herum gemacht, Ausreden gefunden, Situationen vermieden. Bei intakt! können Sie offen sprechen, in Ihrem Tempo und ohne bewertet zu werden.
Körperliche und psychische Auswirkungen
Wiederholtes Erbrechen oder der Gebrauch von Abführ- oder Entwässerungsmitteln kann den Körper stark belasten, etwa durch Störungen im Salzhaushalt (Elektrolyte), die Herz und Muskeln beeinträchtigen können, sowie durch Schäden an Zähnen, Speiseröhre und Magen. Erschöpfung, Konzentrationsprobleme, Niedergeschlagenheit und Ängste sind häufige Begleiter. Eine ärztliche Abklärung ist deshalb ein wichtiger Teil der Unterstützung.
Wann kann Unterstützung sinnvoll sein?
Wenn Essanfälle und das, was danach kommt, Ihren Alltag bestimmen, wenn Sie sich davor fürchten oder sich danach sehr schlecht fühlen, ist ein Gespräch sinnvoll, auch wenn die Beschwerden seltener auftreten oder Sie unsicher sind, ob „es schlimm genug“ ist. Bei Herzklopfen, Schwindel, Muskelkrämpfen oder starker Schwäche wenden Sie sich bitte zeitnah an eine Ärztin oder einen Arzt.
Einbindung von Angehörigen
Wenn Sie es möchten, können Angehörige in die Behandlung einbezogen werden. Familie, Partner:innen und Freund:innen können sich auch selbst Unterstützung holen, etwa bei den Eltern- und Angehörigenabenden.
Wie kann intakt! unterstützen?
Bei intakt! beginnt die Unterstützung mit einem vertraulichen Erst- und Anamnesegespräch. Danach können Psychotherapie, eine allgemeinmedizinische und psychiatrische Abklärung sowie diätologische Begleitung kombiniert werden, um den Kreislauf aus Essanfällen und Gegensteuern zu verstehen und wieder mehr Regelmäßigkeit und Sicherheit im Essalltag zu finden. Gruppenangebote und das Skillstraining können helfen, mit Anspannung und belastenden Gefühlen anders umzugehen.
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