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Hilfe bei Magersucht

(Anonym fragte am 15.12.2014 um 18:18:26)

Liebes intakt-Team!

Ich schreibe Ihnen, weil ich einfach nicht mehr weiter weiß, was ich machen soll und mir alles irgendwie zu viel wird.
Ich leide an Magersucht seit mittlerweile 2,5 Jahren und habe auch schon einige stationäre Aufenthalte hinter mir. Nun bin ich aber seit drei Monaten zu Hause. Am Anfang habe ich mich noch sehr bemüht ausreichend, wie im Krankenhaus zu essen, nur jetzt fällt es mir schon wieder immer schwieriger und ich beginne, immer weniger zu essen und habe öfter so ein schreckliches Gewissen beim Essen. Das ist so unerträglich auszuhalten, vor Allem weil ich doch genau weiß, dass ich zu wenig gegessen habe. Aber die Angst, dass ich zunehme, wenn ich einmal wieder normale Portionen esse, ist einfach zu groß. Ich will aber auch nicht wieder ins Krankenhaus, aber es fällt mir so extrem schwer, mehr zu essen und dem entgegenzuwirken. Ab und zu hatte ich schon Essanfälle am Abend, wenn ich extrem wenig gegessen habe und esse dann alles, was ich über den ganzen Tag verteilt essen sollte auf einmal, aber da plagt mich das schlechte Gewissen wieder so extrem und ich esse dann meistens die nächsten Tage nicht mehr so viel und beherrsche mich. Aber das ist schrecklich auszuhalten –und ich will wieder ein halbwegs normales Essverhalten bekommen.
Momentan wiege ich 33 kg bei einer Größe von 1,61 m. Ich will auch nicht wieder ins Krankenhaus, weil ich dieses Jahr Matura habe und mir die Schule sehr wichtig ist und ich diese unbedingt dieses Schuljahr abschließen möchte.
Vielleicht können Sie mir helfen, wie ich es schaffen kann, dass dieses blöde, quälende schlechte Gewissen wieder weniger wird.

Aber das ist nicht mein einziges Problem. Ich war eigentlich bei Sowhat in ambulanter Therapie, aber zurzeit ist mein Gewicht zu niedrig, sodass sie mich nicht nehmen und ich erst ca. 37 kg haben muss bevor ich mit der Therapie weiter machen kann. Ich habe auch ein paar private Psychologinnen in der Nähe meines zu Hauses kontaktiert, aber diese hatten entweder keinen Platz frei oder haben mir gesagt, dass sie nicht auf Essstörungen spezialisiert sind (obwohl das auf ihrer Website steht) und dass ich schauen sollte, dass ich zunehme um bei Sowhat weiter machen zu können. Aber wie soll ich das schaffen ohne Psychotherapie??? Das erscheint mir noch schwieriger und es hat mir eigentlich immer ein bisschen geholfen, vor Allem weil ich auch große Probleme und immer viel Streit mit meinen Eltern, vor Allem meiner Mutter wegen des Essens habe – und da hat es mir schon immer geholfen mit jemandem zu reden, weil die Diskussionen und Streitereien mit meiner Mutter sehr belastend für mich sind.

Da kommt jetzt noch ein Problem dazu: Meine Mutter macht immer blöde Bemerkungen über das was ich esse und sagt immer, dass ich viel zu wenig esse und droht mir immer wieder mit dem Krankenhaus, stattdessen sie mich unterstützt, dass sie mir zum Beispiel etwas kocht oder mit mir Zeit verbringt, damit es mir leichter fällt mit dem Essen. Aber sie redet hauptsächlich immer nur übers Essen mit mir und mischt sich dauernd ein und kontrolliert mich auch immer mehr. Das ist so schrecklich für mich und da ist es für mich noch schwieriger etwas zu essen.
Dazu kommt noch, dass das für mich so belastend ist, dass ich in der Nacht oft Albträume von meiner Mutter habe und von unseren Streitereien und wie gemein sie mit mir umgeht.
Außerdem fällt es mir so schwer neben meiner Schwester zu essen, weil diese oft in der Früh gar nichts isst (und ich esse in der Früh eigentlich ziemlich normal, weil mir diese Mahlzeit noch am Einfachsten fällt) – ich weiß ihr schadet das nicht, weil sie das doppelte von mir wiegt aber genau so groß wie ich ist. Haben Sie vielleicht einen Tipp, wie ich es trotzdem schaffen kann, weiter zu essen und mich nicht von meiner Schwester beeinflussen zu lassen????

Ich habe auch so große Angst, wenn ich abends (so ab 19 Uhr) noch etwas esse, weil ich dann glaube, dass ich in der Früh noch so voll bin und nichts essen kann und es mir am leichtesten fällt etwas zu essen, wenn ich schon lange nichts mehr gegessen habe, mein Magen voll laut knurrt und ich mich schon so schwach fühle, dass ich keine Energie mehr habe nur ein paar Stiegen zu steigen. Aber das ist doch auch nicht normal nur in diesem Zustand zu essen – vor allem komme ich dann niemals auf die benötigten Kalorien. In der Nacht wache ich dann sogar oft auf, weil ich schon so hungrig bin.

Danke, dass Sie Ihre Zeit geopfert haben, meine vielen Probleme durchzulesen. Ich hoffe sehr, Sie können mir helfen, was ich machen soll, damit es mir leichter fällt wieder mehr zu essen und nicht ins Krankenhaus zu müssen und wie ich die Situation zu Hause besser bewältigen kann und was ich machen soll wegen einer Psychotherapie?

Liebe Grüße

(INTAKT antwortet am 17.12.2014 um 15:44:11)

Danke für Ihren ausführlichen ehrlichen Brief! Leider geht es Ihnen wie vielen Betroffenen, dass Sie ohne professionelle Unterstützung wieder in alte ungesunde Verhaltensmuster beim Essen rutschen. Was aus Ihrem Brief deutlich sichtbar wird ist, dass Sie es momentan nicht schaffen, regelmässig (Haupt-und Zwischenmahlzeiten), abwechslungsreich und vor allem ausreichend zu essen. Freilich sind dabei die Angst und das schlechte Gewissen ständige Begleiter, aber Ihr Körper braucht sich endlich darauf verlassen zu können, daß er genug bekommt. Zwischendurch viel und dann wieder gar nichts zu essen, bringt den ganzen Stoffwechsel durcheinander. Leider verliert man ja leicht das Gefühl dafür, wieviel man eigentlich essen kann bzw sollte, da braucht man wirklich Unterstützung. Vielleicht gelingt es Ihnen mit Ihrer Mutter abzusprechen, was Sie als Unterstützung von ihr brauchen und was Sie immer wieder an Bemerkungen verletzt. Bitte verzichten Sie auch auf Vergleiche mit anderen Personen in Ihrem Umfeld, jeder hat andere Gewohnheiten, Sie allerdings brauchen ein klares Einhalten von Essensmengen, um wieder aus dem ungesunden Gewichtsbereich herauszukommen. Dass dabei die Stimme der Magersucht immer wieder die Oberhand gewinnen will, ist auch verständlich, jedoch Ihr Wunsch, nicht mehr ins Krankenhaus zu müssen, soll viel stärker sein. Einen höheren BMI kann man nur übers Essen erreichen, deshalb suchen und nehmen Sie all die Unterstützung dafür in Ihrem Umfeld an. Und sprechen Sie ganz klar an, was hilfreich ist und was nicht. Dann werden Sie bald den BMI, der Psychotherapie wieder möglich macht, erreichen. Seien Sie achtsam und geduldig mit sich, aber seien Sie auch ganz klar, dass Sie aus diesem Teufelskreis der Krankheit auch wieder heraus wollen. Alles Gute für Ihren Gesundungsprozeß!!!

(INTAKT antwortet am 19.12.2014 um 11:58:43)

Aus Ihrem Brief ist eine große Ambivalenz herauslesbar, was das Krankenhaus betrifft. Wenn Ihr Hausarzt meint, es wäre angebracht, dann wäre es doch ratsam, Sie gehen möglichst schnell ins Spital, um ein weiteres Abnehmen zu vermeiden, zu Weihnachten dürfen Sie dann sicher nach Hause. Allerdings brauchen Sie da die klare Absicht, dass Sie Unterstützung beim Zunehmen wollen, damit Sie danach besser an Ihrem Gesundungsprozess dranbleiben können. Momentan über Weihnachten wird Sie niemand neu betreuen, noch dazu bei Ihrem kritischen Gewicht, da müssen Sie vor allem Ihrem Hausarzt vertrauen und auch der weihnachtlichen Zeitqualität, denn diesen \"heiligen Nächten\" entspringt auch neues Leben, das kann auch bedeuten, dass es Ihnen gelingen darf, neu Ihr Leben wieder in die Hand zu nehmen!!! Das ist Ihnen von Herzen zu wünschen!!!

(Erweiterung der Fragestellung am 17.12.2014 um 21:59:39)

Danke für Ihre schnelle Antwort!! Schon alleine Ihre Worte haben mir wieder mehr Mut gemacht. :)
Jedoch stellt sich für mich noch die Frage, ob ich bis ich mein Gewicht erreicht habe um bei sowhat die ambulante Therapie wieder in Anspruch nehmen zu können, eine andere Psychologin kontaktieren um so vielleicht alles leichter zu schaffen mit dem zunehmen??

Ich gehe jede Woche zu meinem Hausarzt zur Grwichtskontrolle und jetzt müsste ich mit meinem niedrigen Gewicht eigentlich wieder ins Krankenhaus - aber das will ich auf keinen Fall, vor allem nicht über Weihnachten und auch nicht wegen der Schule. Mein Hausarzt gibt mir noch eine Woche zeit um ein bisschen zuzunehmen. Ich weiß dass ich das schaffen kann aber ich bekomme immer Zweifel ob es nicht einfacher wäre wenn ich ein bisschen Gewicht im Krankenhaus mit magensonde zunehme, wenn ich zu Hause oft mit meiner Mutter über das essen streite und es mir oft schwer fällt. Auch eine Freundin hat gemeint, dass ich wieder ins Krankenhaus gehen sollte. Ich will aber nicht, aber ihre Meinung dazu hat mich verunsichert. Was würden Sie mir raten???

Danke für Ihre Hilfe!!!

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