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Essanfälle

(Anonym fragte am 10.12.2014 um 21:38:38)

Liebes Intakt-Team,
ich schreibe, weil ich einfach nicht mehr weiter weiß. Ich bin eigentlich bei einem sehr netten und guten Therapeuten, das Problem liegt an mir. Mittlerweile kann und will ich auch schon nicht mehr kämpfen, aber ich kann mir auch nichts antun, weil ich nicht möchte, dass meine Familie und Bekannte mit so einem Ereignis leben müssen. Ich weiß nur einfach nicht mehr weiter. Ich nehme mir jeden Tag vor es besser zu machen, bzw. mittlerweile glaube ich mir das selber kaum noch, weil ich irgendwann doch wieder diese rießen Essanfälle habe, bei denen ich echt Unmengen esse, das ist echt nicht normal!=( Ich weiß auch nicht, ob ich nicht vielleicht doch selbst Schuld bin, weil ich vielleicht doch hätte \"Nein\" sagen können, aber mal wieder zu schwach bin. Ich weiß auch eigentlich, woran es liegt und dass ich regelmäßig essen müsste etc. Ich fühle mich nur so unwohl, dass ich mich manchmal selbst kaum aushalte, mich eklig fühle und mich wie gefangen in einem unausstehlichen Käfig fühle. Ich möchte unbedingt abnehmen und denke dann auch, dass wenn ich abnehmen würde alles auch etwas einfach und besser wäre, weil ich mich dann nicht so unwohl fühlen würde. Aber so nehme ich gerade nur die ganze Zeit zu, werde immer dicker und fühle mich immer minderwertiger und würde mich am liebsten nur verstecken und schäme mich. Ich hatte mit 12 Jahren Magersucht, war ein paar Mal in einer Klinik mit Sondenernährung etc. und dann kamen irgendwann zum ersten Mal die Essanfälle und ich nahm rasant zu, was natürlich schlimm für mich war, ich habe mich sehr geschämt. Irgendwie schaffte ich es wieder abzunehmen und habe mich auch wieder etwas wohler gefühlt. Nur jetzt kamen wieder die Essanfälle und ich habe wieder zugenommen und fühle mich schrecklich. Selten versuche ich zu erbrechen, aber ich habe doch sehr Angst, weil meine Zähne schon so darunter gelitten haben und ich mich mit ungepflegten Zähnen noch schlimmer finde. Oft habe ich auch sehr viel Sport gemacht um wenigstens etwas die Mengen, die ich bei einem Essanfall zu mir nehme, zu kompensieren, weil ich mich auch einfach so unwohl fühle und nicht weiß, wie ich mich noch ertragen kann, wenn ich noch dicker werde. Hinzu kommt noch, dass ich manchmal einfach nicht mehr kann. Ich fühle mich dann einfach nur noch sehr einsam und hilflos. Ich bekomme auch mein Leben nicht mehr auf die Reihe. Ich schwänze immer öfter die Uni und die Anforderungen schaffe ich auch kaum noch. In der Uni selbst bin ich dann meistens die \"Normale\". Ich habe zusätzlich noch eine Zwangserkrankung mit zurzeit einem sehr schlimmen Inhalt für mich. Die Krankheit führt dazu, dass ich mich als ganze Person in Frage stelle und ich nicht mehr weiß wer ich eigentlich bin und wie ich bin?! Leider kann ich es nicht immer als eine Erkrankung ansehen und habe dann Angst bzw. empfinde mich so, dass ich wirklich dieser Mensch bin, wovor ich Angst habe, so zu sein. Also wie gesagt, ich bin eigentlich in einer Therapie, aber ich kann es zuhause einfach nicht umsetzen. Ich ärgere mich selber so, dass ich nur jammere und zu schwach bin, mal dagegen anzugehen. Aber dieser Inhalt des Zwangsgedanken und die andauernden Rückfälle durch die Essanfälle machen es mir auch so schwer immer wieder von vorne anzufangen. Ich kann einfach nicht mehr. Gleichzeitig habe ich ein sehr schlechtes Gewissen, weil ich so viele schon so lange damit belaste, gerade meine Mutter und weil ich ja eigentlich weiß, dass es wichtigeres gibt und Menschen, denen es schlechter geht und ich ja eigentlich alles habe, dass es einem gut geht, Essen, eine liebe Familie, ein warmes Zuhause, Freunde etc. Warum kann ich nicht damit aufhören?! Und ich sehe manchmal auch keinen Sinn mehr in meinem Leben, wenn der Zwangsgedanke wirklich Realität ist, es ist schwer zu erklären. Ich weiß einfach nicht mehr weiter. Ich möchte nicht noch einmal in eine Klinik. Ich war, wie bereits gesagt schon einmal als Kind und letztes Jahr war ich auch nochmal in einer wegen Panikattacken und Depression bzw. eigentlich wegen einer Diagnoseabklärung. Aber dort war ich sehr viel alleine und hatte sehr viel Zeit, was auch dazu geführt hat, dass die Zwangssymptomatik sich verschlimmert hat, weil ich so viel Zeit zum Denken hatte, in der ich leider nichts Sinnvolles gedacht habe, sondern sich der bestimmte Zwangsgedanke festgesetzt hat. Ich hätte zwar immer zu den Pflegern kommen können, aber ich kann irgendwie von mir aus nicht zu jemanden kommen und reden, zumal ich oft auch nicht weiß, wie und wo ich anfangen soll und was eigentlich überhaupt genau los ist. Auch möchte ich nicht nochmal in eine Klinik, weil ich gerade meinem jetzigen Therapeuten erst alles anvertrauen konnte, da ich mich sehr für das Thema, mit dem der Zwang zu tun hat, schäme und ich es nicht nochmal schaffen würde es jemand anderes zu sagen. Ich kann nicht nochmal ganz von vorne anfangen mit dem ganzen Vertrauen und alles. Ich weiß einfach nicht mehr weiter. Ich denke auch Sie können mir keine Tipps geben, weil ich es ja bin, die etwas machen müsste. Ich weiß nur nicht mehr was und ich habe irgendwie auch das Gefühl es gibt keine Hilfe für mich, keinen Ausweg...Aber das Schreiben tut gut, danke, dass Sie sich alles durchgelesen haben.
Liebe Grüße

(INTAKT antwortet am 11.12.2014 um 10:56:20)

Bitte seien Sie geduldig mit sich! Sie haben Vertrauen zu Ihrem Therapeuten gefunden, das ist wichtig!!! Sie stecken mitten in einem Prozess und legen sich die Latte vielleicht zu hoch, was Sie alles schaffen müssen. Ihr Brief vermittelt soviel Scham, Selbstvorwürfe und eigene Abwertung, sodass man eine Ahnung bekommt, wie traurig und belastend Ihre Geschichte sein dürfte. Da wäre es dann besonders wichtig, einmal innezuhalten und wahrzunehmen, was man wirklich braucht, weg vom gegen sich Kämpfen und hin zum Lernen, liebevoller und achtsamer mit sich zu sein. Auch die kleinen Begebenheiten erkennen, die vielleicht schon gelingen und sich das auch anerkennen. Die kleinen Freuden des Alltags wahrnehmen, wie die Wintersonne, das Kerzenlicht, ein freundlicher Blick auf der Strasse, ein flotter Spaziergang in der Natur.... Bitte gehen Sie auf die Suche nach täglich neuen Freuden und gönnen sie sich diese auch, denn Sie haben alles Recht dazu! Der Fokus auf die eigene Abwertung nützt niemandem und den Blick auf Positives zu lenken, erfordert auch ein bißl Übung, ähnlich wie bei einem Muskeltraining, aber mithilfe Ihres Therapeuten - dem Sie bitte alles zumuten, was Sie belastet - wird Ihnen das zusehends gelingen. Alles Gute für Ihren Weg, nehmen Sie alle Unterstützung an, die Sie brauchen und seien Sie liebevoll mit sich, täglich ein bißl mehr ;-)! Und schreiben Sie wieder, wenn Ihnen das gut tut!

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