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Magersüchtig mit 62?

(Anonym fragte am 30.08.2007 um 13:29:35)

Kann es sein, daß meine Freundin magersüchtig ist? Die Vorgeschichte ist, daß ich ein Jahr mit ihr befreundet war und sie mich vor einer Woche plötzlich verlassen hat, was mich sehr vor den Kopf gestossen hat. Da Essen für sie immer wieder ein ganz eigenes Thema war, bin ich beim Internetsurfen zufällig auf "Magersucht" gestossen, und was ich dort gelesen hab, kam mir alles sehr bekannt vor. Ich muß sagen, daß meine Freundin 62 Jahre ist, kommt diese Krankheit auch noch in diesem Alter vor?
Wahrscheinlich hat ihre plötzliche Trennung mehr mit ihrer Krankheit zu tun als mit mir, deshalb brauch ich Rat, wie ich mich verhalten soll, mir liegt viel an ihr!

(INTAKT antwortet am 31.08.2007 um 17:26:46)

Sie scheinen Ihre Freundin sehr gerne zu haben, wenn Sie so dranbleiben und mit Ihrer Aufmerksamkeit Gründe für ihr Verhalten suchen und finden.
Ja natürlich gibt es diese Krankheit auch in fortgeschrittenem Alter, wenn auch 40% der Erkrankten vorwiegend 14-18 Jahre alt sind.Aber meist hatten älter Erkrankte schon in diesem Alter große Probleme mit dem Essen gehabt, nur war ihnen damals noch nicht bewußt, daß sie an dieser Krankheit leiden, weil sie zuwenig bekannt war.
Oft gesunden diese Menschen dann und doch kommt es immer wieder vor, daß diese Krankheit später wieder ausbricht, in schwierigen Lebensübergangsphasen oder nach schicksalhaften Ereignissen, wo man auf "alte" Lebensbewältigungsstrategien zurückgreift.
Und es gibt Menschen, die ein ganzes Leben lang untergewichtig sind, wo oft "Magenprobleme" Anlaß bzw. Ausrede für extrem einseitiges und kontrolliertes Essen sind.
Wichtig ist, daß Sie Ihre Beobachtung achtsam mitteilen, daß Sie bei Ihren eigenen Wahrnehmungen bleiben, Ihre Sorge und Gefühle ausdrücken und so Ihrer Freundin vermitteln, wie wichtig sie Ihnen ist. Denn sozialer Rückzug bis hin zur völligen Isolation ist ein Merkmal der Krankheit.
Am hilfreichsten wäre eine Unterstützung durch Menschen, die Erfahrung in diesem Bereich haben, von wo auch immer Sie uns schreiben, über unsere links müßten Sie geeignete Institutionen finden.
Aus unserer Erfahrung wissen wir, daß man für Therapie nie zu alt ist.
Aber wichtig ist, zu wissen, daß Sie Ihre Freundin zu nichts überreden können, nur sie allein kann so eine Entscheidung treffen - und oft sind solche Menschen sehr verengt in ihrer Wahrnehmung und können sich gar nicht vorstellen, wie hilfreich es sein kann, mit einem Therapeuten belastende Themen in einem geschütztem Rahmen auszusprechen und gemeinsam nach Lösungsmöglichkeiten zu suchen, hilfreiche Ressourcen wieder zu mobilisieren und dadurch wieder neue Lebensfreude zu finden.
Hilfreich kann auch sein, daß Sie sich selbst Unterstützung für diese Zeit suchen, denn man ist als Freund auch schnell überfordert in so einer Situation.
Melden Sie sich wieder, wenn Sie weitere Fragen haben, sollten Sie von Wien aus geschrieben haben, können Sie sich jederzeit bei uns ein Beratungsgespräch ausmachen.
Alles Gute Ihnen und Ihrer Freundin!

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