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Therapie fortsetzen?

(Leo fragte am 07.11.2014 um 10:40:22)

Hallo,

ich bin momentan bei euch in Behandlung \"traue\" mich aber nicht mehr zur Therapie zu kommen, weil ich die Befürchtung habe, dass ich bei eurer Ärztin \"den Kürzeren ziehe\" und dann im KH lande. Ich cancel momentan alle meine Termine, weil ich mich nicht dazu durchringen kann nochmal ins Therapiezentrum zu kommen...

Es funktioniert bei mir einfach nicht so, wie die Ärztin sich das vorstellt. Mir machen die Termine die ganze Woche über Stress und wahnsinnigen Druck. Ich habe noch abgenommen seit ich bei euch in Behandlung bin, fühle mich aber nicht schlecht dabei. Jeder Kilo weniger ist ein Erfolg und eine Erleichterung für mich und es fällt mir schwer, mir das von der Ärztin \"wegnehmen\" zu lassen. Ich brauche es um mich sicher zu fühlen. In meinem Kopf hat es sich festgesetzt dass ich noch einiges mehr abnehmen muss um \"OK\" zu sein und momentan geht es auch in diese Richtung!

Ich musste mir von der Seele schreiben und hoffe doch schon ein bisschen, dass ihr mich motivieren könnt die Therapie fortzusetzen!

Leo


(INTAKT antwortet am 10.11.2014 um 18:12:08)

Bitte lieber Leo, bitte setzen Sie Ihre Therapie fort! Am Beginn einer Therapie machen die Arzttermine immer wieder Stress, das wissen wir aus Erfahrung. Haben doch viele KlientInnen die ambivalente Haltung, dass sie zwar endlich die Essstörung überwinden wollen, weil sie nicht mehr länger unter ihrer Fuchtel stehen wollen und eben nicht mehr alle Gedanken nur ums Essen kreisen lassen wollen, aber andererseits reagieren sie panisch auf die Aussicht, sie könnten zunehmen müssen. Aber darum geht es eben doch! Und wenn Sie jedes Kilo weniger als Erfolg empfinden, so sind Sie leider noch sehr in der Essstörung gefangen. Umso wichtiger ist es dann, in der Einzeltherapie diese Ängste und diesen Druck anzusprechen, um letztlich auch herauszufinden, was Ihnen wieder Sicherheit geben könnte, ohne dass Sie ein Kilo nach dem anderen verlieren und dann eventuell wirklich ins KH müssen. Bitte sehen Sie unsere Ärztin nicht als Ihre Gegnerin, Sie darf nur nicht mit der Magersucht kooperieren, denn diese ist ein Terrorist - so hat das ein amerikanischer Arzt beschrieben, der vor zwei Jahren im AKH ein workshop über Magersucht gehalten hat. Unsere Ärztin ist verantwortlich dafür, Sie Schritt für Schritt zu unterstützen, dass Ihr Körper letztlich wieder ausreichend Nahrung bekommt, damit all Ihre Organe so funktionieren können, wie Sie es für ein gesundes, selbstbestimmtes Leben brauchen. Nicht SIE ziehen dabei den Kürzeren, sondern die MAGERSUCHT, denn diese ist eine schwere Krankheit. Es könnte Ihnen vielleicht helfen, diese Unterscheidung ganz klar ins Auge zu fassen!!!Und aus Erfahrung wissen wir, dass es deshalb so wichtig ist, dass neben der Einzeltherapie die Arztbesuche so notwendig sind, weil man ohne ausreichendes, abwechslungsreiches und regelmässiges Essen nicht gesund werden kann. Wir wissen aber auch, dass die Angst unserer Patienten enorm ist, dass sie dann wieder viel zu viel zunehmen könnten. Das wiederum stimmt nicht, denn der Körper pendelt sich bei einem sogenannten setpoint-Gewicht ein, das bei jedem Menschen individuell ist. Aber das ist jetzt die rein körperliche Seite, wenn Sie in Ihrer Einzeltherapie auf die Suche nach sich selbst gehen, auf all die Fähigkeiten, die in Ihnen schlummern oder auch von der Magersucht verdeckt worden sind und vielleicht Belastendes loswerden können, dann wird der Blick wieder frei werden für ein lustvolles und genussvolles Leben in all seiner Vielfalt. Seien Sie geduldig mit sich im therapeutischen Prozess und bleiben Sie mutig dran! Alles Gute dafür!

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