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Wie verhält man sich als Angehöriger bei Esssucht?

(Anonym fragte am 27.06.2014 um 21:17:57)

Meine 16jährige Tochter hat in den letzten 2 Jahren ca. 20 kg zugenommen, dazwischen nie wieder ab. Mittlerweile ist sie übergewichtig, was zu Beginn ja noch nicht so war, dennoch war sie von Anfang an unzufrieden, auch da wo es überhaupt noch kein Problem war. Ich habe auch Fehler gemacht, muss ich mir leider eingestehen, ich hab sie auf gesunde Ernährung aufmerksam gemacht, weil sie vor der Pubertät essen konnte was sie wollte ohne zuzunehmen und sie hatte schon immer einen gesunden aber normalen Appetit. Dann hat sie eben heimlich genascht (ich habe das nicht gemerkt und sie sogar zu Ärzten geschleppt wegen der Abklärung der Zunahme), bis sie mir selber gestanden hat, das da etwas mit ihr nicht stimmt. Ihr ganzes Denken dreht sich um Essen, während des Essens denkt sie schon wieder was sie als Nächstes essen könnte, und sie spürt auch kein Sättigungsgefühl. Sie ist nun seit ca. 6 Wochen in psychotherapeutischer Behandlung. Meine Frage nun, da sie immer noch am Zunehmen ist, und immer unglücklicher wird, wie verhält man sich als Angehöriger? Soll man sie aufmerksam machen, bzw. sie liebevoll abhalten vom \"zuviel\" Essen? Darf man zu Sport animieren? Sie fühlt sich immer angegriffen, wenn wir diesbezüglich Bemerkungen machen, dabei wollen wir doch nichts anderes als sie endlich wieder glücklich sehen.

(INTAKT antwortet am 30.06.2014 um 15:25:42)

Liebe besorgte Mutter!Für Ihre Tochter ist es sicher sehr hilfreich, dass Sie ihr psychotherapeutische Hilfe ermöglichen! Dort ist und soll das Essen auch Thema sein, damit Ihre Tochter lernt, Strategien zu entwickeln, sodass das Essen nicht für etwas herhalten muß, was anders in den letzten zwei Jahre vielleicht nicht bewältigbar war. Dass sich Ihre Tochter angegriffen fühlt, mag daran liegen, dass sie nicht permanent mit dem problematischen Essverhalten konfrontiert werden möchte. Versuchen Sie mit Ihrer Tochter möglichst über andere Themen zu sprechen als über Essen, Sport oder Gewicht und seien Sie für sie da, wenn Ihre Tochter Sie braucht und überlassen Sie es Ihrer Tochter, zu entscheiden, wann sie Sie involvieren möchte. Das ist nicht immer leicht, aber Sie helfen Ihrer Tochter am meisten, wenn Sie ihr über Ihr Verhalten vermitteln können, dass sie zwar momentan dieses Gewicht HAT, aber nicht dieses Gewicht IST, sondern viel mehr, nämlich ein Wesen voller kostbarer, sie ausmachender Eigenschaften! Und haben Sie auch Geduld mit Ihrer Tochter, so ein Prozess kann dauern, aber sie ist sicher auf einem guten Weg! Schön, dass Sie uns geschrieben haben, damit zeigen Sie auch, dass Sie Ihre Tochter in diesem Prozess bestmöglich unterstützen wollen! Alles Gute Ihnen und Ihrer Tochter!

(INTAKT antwortet am 08.07.2014 um 11:39:15)

Liebe besorgte Mutter, entschuldigen Sie unsere späte Antwort, wir haben Ihre 2. Anfrage leider übersehen.
Dadurch, dass Ihre Tochter erkannt hat, dass sie Hilfe braucht und diese auch in Anspruch nimmt, ist ein großer und wichtiger Schritt getan, denn eine Therapie kann nur dann wirken, wenn die Betroffene bereit ist, sich darauf einzulassen.
Da stets mehrere Faktoren zusammenwirken, wenn es zu einer Essstörung kommt, gilt es in der Psychotherapie diesen Ursachen/Faktoren auf den Grund zu gehen, das ist allerdings ein Prozess der Zeit und Geduld bedarf.
Sollten Sie bzw Ihre Tochter das Bedürfnis haben eine fundierte Ernährungsberatung zusätzlich zur Psychotherapie in Anspruch nehmen zu wollen, so können wir sehr Mag. Karin Lobner empfehlen (www.gefühlsküche.at bzw info@gefuehlskueche.at bzw 0676/5501828).
Indem Sie Ihre Tochter nur ungern allein lassen, könnte sie das als eine Art Kontrolle wahrnehmen. Versuchen Sie Ihrer Tochter Vertrauen zu schenken und lassen Sie sie das auch spüren. Geben Sie Ihr das Gefühl, dass Sie sie in jeglicher Hinsicht unterstützen, aber verlieren Sie dabei nicht auch den Blick auf Ihre eigenen Bedürfnisse!
INTAKT bietet Eltern und Angehörigen -jeden Monat immer am 2. Mittwoch -Abende an, die Unterstützung, näheren Information, aber auch Austausch untereinander ermöglichen. Diese Abende sind offen für Jeden. Nähere Infos dazu gibt es auf unserer homepage.
Das Wissen, auf Ihre Wertschätzung und Unterstützung zählen und bauen zu können, wird Ihrer Tochter Kraft geben. Wichtig ist aber auch, dass Sie für sich gut sorgen!
Alles Gute Ihnen und Ihrer Tochter

(Erweiterung der Fragestellung am 01.07.2014 um 15:22:15)

Vielen, vielen Dank für Ihre Antwort! Meine Tochter hat selber erkannt, dass sie es ohne Psychotherapie wohl nicht schaffen kann. In den Therapiestunden wird das Thema Essen derzeit nur am Rande behandelt. Ist das zu wenig? Wäre eine Ernährungsberatung spezialisiert auf Essstörung noch sinnvoll?Aus den Erzählungen meiner Tochter geht es in der Therapie viel eher im Moment um das Thema Selbstliebe und welche Sorgen sie gerade aktuell bedrücken.
Sie haben recht, wir versuchen bereits alle uns etwas zurückzunehmen, damit das Thema Essen, Sport und wie kann man Gewicht verlieren, in unserer Familie nicht zum Hauptthema wird. Es ist halt so schwierig, wenn man sieht,wie der Leidensdruck wegen des Gewichtes immer größer wird, sie jetzt in den Ferien nicht Schwimmen gehen möchte (obwohl sie das so gerne getan hat) und generell nicht mehr gern ausser Haus geht und sich mittlerweile auch die Freunde schon von ihr zurückziehen, da sie eben nicht mehr so kontaktfreudig, ernster und auch neidisch auf die anderen Mädchen geworden ist. Hinzu kommt das ich sie selber nur ungern alleine lasse, weil ich weiß, dass sie gerade da zu Fressattacken neigt und ich sie eben davor schützen möchte. Auch das wird wohl nicht der richtige Weg sein. Wie oder was könnte ihr eventuell noch gut tun oder helfen? Gibt es tatsächlich nichts um eine Besserung zu beschleunigen?

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