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Ist das \"normal\"?

(Anonym fragte am 08.04.2014 um 20:45:40)

Seitdem ich 15 Jahre alt bin, beschäftige ich mich mit dem Thema Essen bzw. Essen vermeiden. Damals habe ich mir vorgenommen einige Kilos loszuwerden, da ich in die Oberstufe kam und es satt hatte, immer nur das Beiwagerl anderer attraktiver Mädchen zu sein. Ich nahm auch relativ rasch fast 10 Kilo ab und wurde von Lehrern und Klassenkameraden auf mein Essverhalten angesprochen. \"Isst du überhaupt etwas?\" und \"Du bist aber dünn geworden!\" hörte ich sehr oft und es machte mich glücklich. Bei einer Größe von 1,60 m wog ich damals 44 Kilo. Langsam nahm ich dann aber wieder ein wenig zu und mein Gewicht pendelte sich bei 50-52 Kilo wieder ein. In den Sommerferien daraufhin nahm ich weiter zu und in der 7. und 8. Klasse des Gymnasiums hatte ich argen Lernstress, schlechte Noten und ein schlechtes Verhältnis zu meinen Eltern. Daraufhin stopfte ich mich oftmals voll und brachte irgendwann 65 Kilo auf die Waage und war kreuzunglücklich.
Während der Maturazeit ging mein Gewicht auf ca. 56 Kilo runter und nach der Matura begann ich bald zu arbeiten. Da beschloss ich, mein Leben von Grund auf zu ändern und erwachsen zu sein. Zum Erwachsensein gehört in meinen Augen auch das Schlank-sein und das Sich-kontrollieren-können. Ich nahm also ab und wog nach einer Weile 51-53 Kilo. Um das Gewicht zu halten, bzw. weiter abzunehmen, esse ich sehr wenig. Manchmal esse ich auch einen Tag lang nichts. Generell versuche ich nur Frühstück und Mittagessen zu essen und sonst nichts. Einige Lebensmittel verbiete ich mir generell. Da ich ja nicht dünn bin, denkt niemand daran, dass ich mich so kontrolliere. Meine Arbeitskollegen sehen in mir eine 20-jährige, aufgeschlossene und lebenslustige Person. Da ich ja auch meistens in der Arbeit mein Mittagessen esse, denkt sich niemand etwas falsches.
Da ich nicht dünn bin und ja auch Essen zu mir nehme, weiss ich eigentlich nicht, wie ich mein Verhalten nennen soll. Ist das eine Essstörung? Oder verhalten sich alle Menschen so?
Meine Mutter nennt mich manchmal Pummelchen und erwähnt auch, dass ich mehr Sport machen sollte. In meiner Ballettklasse bin ich mit Abstand die kräftigste, was mir sehr zu schaffen macht. Ich denke auch, dass ich aufgrund meiner Statur für Männer nicht attraktiv bin.
Ich versuche täglich normal zu essen, aber eine Stimme in mir, sagt mir, dass es besser ist das und jenes nicht zu essen oder zu verzichten. Ich liebe es, wenn die Waage weniger Gewicht anzeigt und ich wiege mich auch täglich ab. Wenn die Waage mehr Gewicht anzeigt, bin ich frustriert und will gar nicht essen.
Was kann ich tun? Kann ich jemals \"normal\" werden? Wird sich das jemals ändern?

(INTAKT antwortet am 15.04.2014 um 13:18:51)

Sie beschreiben Ihr Essverhalten und Ihre Gewichtsschwankungen über die Jahre sehr genau, und aus Ihren Worten lässt sich auch erkennen, dass Sie damit nicht glücklich sind.
Die großen Gewichtsab- und –zunahmen innerhalb sehr kurzer Zeit zeigen deutlich, dass Ihr Essverhalten aus dem Lot ist.
Sie haben leider den Glaubenssatz, dass „schlank sein und sich kontrollieren können“ zum Erwachsensein gehört, aber wo bleibt da der Genuss? Darf man als Erwachsene nicht mehr genießen?
Dass die Bemerkungen Ihrer Mutter Sie verletzen, ist gut vorstellbar. Was löst das bei Ihnen aus und wie reagieren Sie darauf?
Sie scheinen von Ihrer Statur her wahrscheinlich zu den Menschen zu gehören, die einen festeren Körperbau und auch schwerere Knochen haben. Da ist es besonders wichtig, sich nicht mit den überschlanken und ungesunden Schönheitsidealen zu vergleichen.
Ein regelmäßiges, ausreichendes und selbstverständliches Essen ist für den Körper und die Seele enorm wichtig. Der Stimme, die Sie immer wieder daran hindert, muss Einhalt geboten werden. Es ist wichtig, dass Sie sich gönnen, worauf Sie Gusto haben, ohne sich immer wieder einzuschränken. Denn damit geraten Sie immer mehr in die ungesunde Spirale eines unregelmäßigen Essverhaltens.
Da es Ihnen momentan nicht möglich scheint, dieses regelmäßige und ausgewogene Essverhalten zu zeigen, kann es hilfreich sein, professionelle Unterstützung in Anspruch zu nehmen. Schreiben Sie uns wieder oder kommen Sie zu einem persönlichen Beratungsgespräch.
Wir wünschen Ihnen alles Gute!

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