intakt Forum

zurück zur Übersicht

therapie

(hadassa fragte am 08.11.2013 um 14:08:59)

Liebes intakt Team :)

Ich schreibe weil ich mich zurzeit sehr hilflos und verzweifelt fühle.

Ich leide seit Jahren unter einer Essstörung, hatte zuerst knapp 3 Jahre lang Magersucht, die dann langsam in eine Bulimie übergegangen ist. Mittlerweile leide ich seit 9 Jahren an einer Essstörung. Auch hatte ich ständig starke Gewichtsschwankungen einmal zu wenig, dann wieder etwas zu viel, dann zwischendurch normal, mittlerweile habe ich es geschafft mir Hilfe zu suchen und mache eine Therapie.

Ich habe mittlerweile gar keine Essattacken mehr und habe es auch geschafft sogar längere Zeit mal ohne Erbrechen \"normal\" zu essen (einen Monat, kleine rückfälle, wieder 2-3 Wochen, 1-2 Tage Rückfall, wieder 2 Wochen usw.)..
Ich habe es also nun geschafft wieder einigermaßen normal zu essen und achte dabei jedoch sehr auf meine Ernährung. Ich treibe nun auch regelmäßig sport (1-3 mal/Woche), was ich bis vor 4 Monaten nie gemacht habe. Der Sport ist zurzeit mein fester Halt, da er mich beruhigt und mir das \"normale Essen\" ohne Erbrechen und schlechtem Gewissen ermöglicht. Ich bezweifle ich hätte die langen Phasen ohne Erbrechen geschafft, hätte ich nicht Sport getrieben. Natürlich habe ich auch öfter noch manchmal Rückfälle, die halten 2-3 Tage (manchmal länger) an, jedoch starte ich dann einfach wieder neu und halte es wieder für längere Zeit aus, ohne kompensatorischem Verhalten.

Leider habe ich das Gefühl, dass mich die Therapie nun nicht mehr weiterbringt, auch tragen diverse Umstände dazu bei.
Ich möchte keineswegs jemanden schlecht reden, sondern nur ein bisschen erläutern, wie ich mich fühle und die Lage schildern.

Ich habe oft das Gefühl, dass mir in der Therapie nicht geglaubt wird und manchmal schiebt Herr P. auch äußerst fragwürdige Komentare, die mich verletzen und wohl kaum gegenüber einer Essgestörten gemacht werden sollten, was mich auch an der angeblich darauf spezialisierten fachlichen Kompetenz etwas zweifeln lässt. (Ich möchte noch einmal betonen, dass ich niemanden schlecht reden möchte, aber ich fühle mich wirklich sehr einsam und allein in dieser schlimmen Lage und weiß nicht wem ich sonst davon erzählen kann)

Hier ein Beispiel: Ich habe zugenommen im Laufe der Essstörung und es stört mich enorm und ich denke leider immer noch ständig ans Abnehmen und kann das leider auch noch nicht abstellen. Viele sagen mir jedoch, dass ich nicht dick bin sondern völlig normal aussehe und es bei mir wirklich nicht schlimm ist. Bei einer üblichen Stunde erzählte ich dann von meiner Verzweiflung, dass ich nicht verstehe warum ich nicht abnehmen kann, da ich sehr auf meine Ernährung achte und mich gesund ernähre und auf nahezu wirlich alle Dickmacher verzichte. Therapeut P. meinte dann ob ich mich auch wirklich an alles halte oder es vielleicht doch sein kann, dass es eben nicht so ist und deshalb meine \"paar kilos\" daraus resultieren.
Herr P. sagte \"ich glaube nicht, dass das so ist, dass sie sich daran halten\"...
Herr P. bezweifle es und denke eher, dass wenn ich mich wirklich so ernähre, wie ich es sage, ich dann auch abnehmen müsste. Es würde also an mir liegen und ich würde etwas falsch machen. Das fand ich äußerst unangenehm und war für mich sehr traumatisierend. Ich war absolut schockiert. Es war also klar, dass mein Therapeut mir nicht glaubt. Und genau an einem der schlimmsten und wichtigsten Punkte für mich wird mir nicht geholfen, sondern noch schlimmer, nicht einmal geglaubt.

Ich meinte dann, dass ich dann versuche mich oft selbst zu beruhigen und mir sage \"mein Körper ist noch sehr kaputt und zerstört, von allem was ich ihm angetan habe, und es ist normal, dass das alles jetzt so komplex ist und das mit dem Abnehmen nicht so funktioniert wie ich will\".. Herr P. meinte dann darauf, dass es so nicht stimmt, dass mein Körper kaputt ist bzw. nicht richtig funktioniert. Das es sicherlich nicht daran liegt.

Das empfand ich erneut als regelrechten Angriff, da ich zumal wieder das Gefühl hatte, Herr P. sagt damit ja eigentlich, mein Körper ist völlig gesund und es würde absolut nur an mir und meiner Unfähigkeit Abzunehmen liegen und ich muss nur weniger essen und aufpassen was ich esse dann würde ich auch abnehmen.

Ich fühlte mich aufeinmal wieder bei Punkt 0 und für mich war klar, dass Herr P. sich denkt: ja diese fette stopft sicher lauter ungesundes zeug in sich hinein kein wunder also dass sie nicht abnehmen kann.

Wenn ich im Nachhinein nun darüber nachdenke, so ist diese Situation für mich absolut nicht hinnehmbar.

Ein anderes Mal erzählte ich davon, dass es mir sehr unangenehm ist manchmal, in der Öffentlichkeit zu essen, selbst wenn ich den ganzen Tag nicht gegessen habe. Daraufhin meinte Herr P. dann: Warum denn? Auch Dicke haben Hunger.


Für mich ein ABSOLUTES NO-GO, dass ein Therapeut so etwas zu einer Essgestörten sagt, wo man über dieses Thema bescheid weiß, wie empfindlich man auf sowas reagiert, wenn man eine Essstörung hat.
Vor allem wenn er selbst öfter sagte, dass er mich nicht dick findet, mich dann als solches zu bezeichnen. Ich kann es nun im Nachhinein absolut nicht fassen, was da manchmal gesagt wurde.

Es waren noch viele solche Situationen, an die ich mich nun nicht mal mehr genau erinnern kann, da ich es versucht habe zu verdrängen, da es für mich immer sehr schlimm war. Ich dachte mir, ach ich soll mich nicht so anstellen und das wird bestimmt besser.

Seit einiger Zeit ist es jedoch so, dass Herr P. mir nun auch dauernd eine \"Gruppentherapie\" andrehen möchte.

Ich meinte schon einige Male, dass ich das nicht möchte. Letztes Mal hatte ich das Gefühl, dass Herr P. mich regelrecht dazu zwingt und ich fühlte mich sehr bedrängt. Ich traue mich jedoch nicht Nein zu sagen. Da ich auch das Gefühl habe, Herr P. will das unbedingt, egal ob ich will oder nicht.
Ich meinte, dass ich mich unwohl dabei fühle und das unangenehm für mich ist und ich das so nicht will.
Allerdings meinte Herr P. dann, ich habe es ja noch nicht einmal probiert und solle es probieren und versuchte mich ständig umzustimmen und mich für einen Gruppentherapie-Termin einzuplanen.

Therapeut P. schlug dann einen Termin vor, den einzigen Termin, wo diese Gruppentherapie wöchentlich wohl statt findet. Herr P. nannte dann genau den Tag, an dem ich zurzeit Sport mache. Es ist zurzeit sehr stressig für mich an der Uni, aufgrund meiner Vorlesungen, meiner Diplomarbeit und meinem Nebenjob, daher kann ich seit etwa 3 Wochen nur an einem bestimmten Tag in der Woche ins Fitnessstudio - an diesem tag finden 3 Kurse statt, die ich besuche, darunter ist auch mein Lieblingskurs, der nur 1 mal in der Woche ist und der Einzige ist der mir auch wirklich Spaß macht.

Therapeut P. nannte dann den Gruppentherapie-Termin genau an dem Tag und um diese Uhrzeit, wo meine Kurse stattfinden. Und da sagte ich dann sofort \"ohhh nein, das geht nicht da habe ich doch meinen einzigen Kurstag Sport zu machen\" -
Ich merkte dann, dass Herr P. wirklich sehr genervt war und dann einfach nur noch wollte, dass ich verschwinde. (Er versuchte sich nichts anmerken zu lassen, in dem er lächelte aber ich spürte es einfach wie genervt er nun von mir war)
Dann beharrte Herr P. darauf, dass ich doch zur Gruppentherapie komme und schweigte einige Minuten lang mit offenem Terminkalender. Ich vermute er wartete darauf, dass ich sage okay ich gehe nicht zu meinen Kursen und komme zur Gruppentherapie. Aber ich schwieg ebenso. Es war schreklich und äußerst unangenehm.

Die Stunde war längst aus und Therapeut P. meinte dann er hat nun keine Zeit mehr und kann jetzt nicht mehr darüber diskutieren und wir machen jetzt noch einen Einzeltermin, wo wir darüber reden.

Am Ende beim Rausgehen sagte ich noch: ja das tut mir jetzt leid, dass das mit dem Termin nicht so geklappt hat.
Und Herr P. meinte dann:
\"Also wenn nun wirklich der Sport wichtiger ist als das!! Es muss Ihnen nicht für mich leid tun, sondern nur für Sie selbst, da der Sport ja anscheinend wichtiger für Sie ist als Sie es sich selbst sind.\"

Herr P. meinte ich wäre mir selbst wohl nicht wichtig und das deshalb der Sport wichtiger als ein Therapietermin wäre.
Ich dachte nur, ja ein Therapietermin den ich auch eigentlich überhaupt nicht möchte!
Ich entgegnete: Ja aber das ist der einzige Tag, wo meine Kurse sind. Herr P. nickte dann, setzte ein falsches Lächeln auf und hielt mir die Tür auf. Dann wünschte ich einen schönen Tag und ging.

Das war für mich wohl das Schlimmste, was in der Therapie passiert ist. Ich bin immer noch sehr traumatisiert und kann das alles noch nicht richtig realisieren.

Ich finde es sehr unfair, dass Therapeut P. sich das Recht nimmt, mir ein schlechtes Gewissen einzuflößen und so dermaßen in meine Privatsphäre einzugreifen. Ich finde es unglaublich gemein, dass ich mich dafür rechtfertigen muss, dass ich lieber meinen Sport mache, da ich sonst unter der Woche nur an diesem Tag dazu komme. Ich sehe es nicht ein, warum ich auf diesen Termin verzichten soll und 2 von den Kursen gibt es nur an diesem einen Tag, ich kann ja wohl schwer den gesamten Kursplan des Studios ändern.
Vor allem finde ich es schlimm, dass Herr P. so dermaßen genervt und verständnislos reagiert hatte, wo ich auch öfter in letzter Zeit erklärt habe, dass es mir nur gut geht und ich deshalb so lange jetzt nicht mehr erbrochen habe, weil ich den Sport habe und er mir Ausgleich schafft und ich dadurch das Gefühl habe ich \"könne\" wieder normal essen.
Es fühlte sich so an als würde mir sogar das genommen werden wollen.

Ich bin wirklich jetzt am Boden zerstört und so verzweifelt, dass ich nun wirklich nicht mehr weiter weiss. Ich fühle mich absolut unwohl, und eigentlich sollte es mir doch gut gehn, da ich nun schon so viel erreicht habe auf meinem Weg zur Heilung.


Diese Zustände sind doch nicht normal oder?
Ich habe geschrieben, weil ich schon einmal Hilfe bei einer Frage bei Ihnen bekommen habe und wollte einfach nur Ihre Meinung und Rat dazu hören.


Ich entschuldige mich, dass ich Ihnen so viel zum Lesen gegeben hab aber ich möchte mich auch bedanken für alles was sie tun und alle Mädchen/Frauen, denen sie bereits geholfen haben!!

Vielen Dank
lg
hadassa

(INTAKT antwortet am 12.11.2013 um 09:46:40)

Liebe Hadassa, Ihr Brief hat Ihnen sicher sehr geholfen, sich einmal alles Kränkende von der Seele zu reden bzw. zu schreiben. und vielleicht hat das auch viel geklärt in Ihnen und Sie brauchen unsere Antwort gar nicht mehr.
Ihnen ist wirklich schon viel gelungen in all dieser Zeit, das gilt es anzuerkennen und das tun Sie ja auch. Gut da? der Sport für Sie eine so wichtige Unterstützung ist, vielleicht geht es aber momentan nicht ums Abnehmen - Ihre Wahrnehmung darüber mag wohl stimmen -, sondern ums Stabilisieren! Ihr Körper braucht es, sich darauf verlassen zu können, dass er regelmässiges und ausreichendes Essen bekommt, dann pendelt sich Ihr Gewicht auch ein. Aus Ihrem Brief ist nicht ersichtlich, wie lange Sie schon in Therapie sind, nach einer Einzeltherapie ist Gruppentherapie oft ein wichtiger, hilfreicher nächster Schritt. Die Gruppe ermöglicht, in einem geschützten Rahmen auch eigene Beziehungsmuster zu erkennen und über die anderen auch mehr vom Eigenen zu durchschauen. Viele erleben das sehr unterstützend, auch wenn sie voher große Scheu davor hatten. Dass die Gruppe mit Ihrem Sport kollidiert, ist schade, aber manchmal ergeben sich dann doch noch andere Möglichkeiten.
Was Ihren Therapeuten anbelangt, so hat Ihnen Ihr Brief an uns sicher MUT gemacht, Ihren UNMUT auch ihm gegenüber auszudrücken, denn auch das gehört zur Therapie, diesen im geschützten Rahmen der Therapie auch artikulieren zu lernen. Auch das ist ein wichtiger Schritt in einer Therapie! Sie waren MUTIG uns zu schreiben, und Sie haben alles Recht dazu, sich in Ihrem UNMUT auch Ihrem Therapeuten ZUZUMUTEN, Therapeuten halten das aus und freuen sich darüber, weil das eben wichtige Schritte sind! Dabei können auch etwaige Missverständnisse aus dem Weg geräumt werden. Denn oft erinnern Reaktionen der Therapeuten an Reaktionen anderer früherer Erlebnisse und die gilt es dann zu durchleuchten!Wir wünschen Ihnen ganz viel MUT, an Ihrem Prozess dranzubleiben!Alles Gute!

weitere Fragestellung hinzuf�gen

Anmerkung: Aus Gründen der Sicherheit und um den Missbrauch des "intakt-Forums" zu verhindern, kann nur der- bzw. diejenige die Fragestellung erweitern, der/die auch die ursprüngliche Frage gestellt hat. Jedes Anliegen muss also mit einer neuen Fragestellung begonnen werden. Um die persönliche Fragestellung zu konkretisieren ist der zugewiesene Authentifizierungscode notwendig. Diesen erhalten Sie bei der erstmaligen Fragestellung. Jede Eintragung in das Forum bleibt anonym.