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Verzweiflung

(Anonym fragte am 20.09.2013 um 19:16:18)

Hallo,
ich bin am verzweifeln :(
Also kurz zu mir, ich bin seit wenigen Tagen 18 Jahre alt, 163cm groß und wiege zur Zeit 69kg.
Im Alter von 13 Jahren rutschte ich ganz ganz tief in die Magersucht und landete binnen kurzer Zeit von knapp 70kg auf 44kg. Von da an war ich in der MS gefangen und schlug mich mehrere Jahre damit durch.
Aber seit knapp 2 Jahren hat sich alles verändert, ich bekam auf einmal Fressanfälle und ich nahm (wie man oben sieht) extrem viel wieder zu :\'(
Ich habe natürlich noch immer die selben Gedanken, wie zu meiner MS Zeit, jedoch komme ich durch die regelmäßigen (mittlerweile bis zu 4x pro Woche) Fressanfällen an den Rande meiner Nerven.
Nach einem Fressanfall fühle ich mich so widerlich und ekelhaft, dass ich mich am liebsten ins nächst beste Loch verkriechen und nie wieder hinaus kommen würde.
Nun ist es so, dass ich, wenn ich mit anderen Leuten zusammen bin, sehr kontrolliert bin. Ich achte sehr wohl darauf, dass ich ja nicht zu viel esse und bin sehr darauf bedacht, dass ich rechtzeitig aufhöre, wenn ich (meines Erachtens) zu viel esse.
Aber sobald ich alleine bin, beginnt sich in mir dieser Drang aufzubauen, etwas zu essen. Wenn ich den Drang versuche zu unterdrücken, dann wird er nur umso stärker, bis ich irgendwann nicht mehr kann und mich quasi voll stopfe.
Hinterher plagt mich mein schlechtes Gewissen und ich versuche alles mögliche, um das Essen wieder los zu werden, da ich panische Angst habe (noch mehr) zuzunehmen. Da ich, so oft und sehr ich es auch probiert habe, nicht kotzen kann, versuche ich es mit anderen Mitteln, sei es strenges Fasten/Hungern, viel Sport oder wie in letzter Zeit wieder immer öfters durch Abführmittel.
Manchmal ist es sooo schlimm, dass ich regelrecht für meine Fressattacken in den nächst besten Supermarkt gehe und alles mögliche kaufe, natürlich ist dass auf lange Sicht alles andere als gut, sowohl für mich, als auch für mein Portemonnaie :(

Ich weiß einfach nicht mehr weiter und ich weiß nicht, wie lang ich dass noch schaffe :(.
Ich will es aber auch nicht meiner Familie gestehen, da ich mich einfach zu sehr für diese Fressanfälle schäme, schließlich kennt mich meine Familie nur, als die disziplinierte, beim-Essen-zurückhaltende-Tochter und nicht als dieses unkontrollierbares Mädchen.
Es ist mir einfach unheimlich peinlich und ich habe Angst vor der Reaktion meiner Familie, zu dem habe ich sowieso nicht ein so gutes Verhältnis zu meiner Mutter (zum Vater noch weniger), weswegen ich es einfach nicht kann...aber ich weiß auch, dass ich so einfach nicht weiter machen kann...dass würde ich nervlich einfach nicht mehr schaffen :(

Ich bin schlichtweg einfach nur am Ende :(
Wissen sie vll etwas, was ich machen könnte?

freundliche Grüße

(INTAKT antwortet am 23.09.2013 um 13:11:37)

Gut, dass Sie uns geschrieben haben!!!Sie haben damit einen wichtigen ersten Schritt gemacht, mit Ihrer Verzweiflung nicht mehr allein zu bleiben. Sie brauchen Unterstützung, sowohl medizinische (die Einnahme von Abführmitteln ist sehr belastend für den Körper, das sollte keinesfalls über längere Zeit als Gegenmassnahme dienen!!!!) als auch psychotherapeutische! Sie haben scheinbar irgendwann entschieden, alles allein mit sich auszumachen und überfordern sich damit sehr. Noch dazu, wo Sie sich für Ihre verzweifelte Seite, die nicht anders kann, als sich durch Essanfälle Entspannung zu schaffen, auch noch so abwerten. Das ist immer das Traurige an den Essanfällen, dienen sie doch einerseits als eine mögliche Strategie, wie man mit Spannungen umgeht und gleichzeitig werden sie so erniedrigend und beschämend erlebt. Auch sind Ihre Massnahmen, wie Sie das zuviele Essen ausgleichen wollen, mehr als bedenklich, da es so wichtig ist, regelmässig und ausreichend zu essen, damit sich Ihr Körper darauf verlassen lernen kann. Ausserdem baut sich großer Druck auf, wenn man einen Essanfall unbedingt verhindern will. Hilfreicher ist es, nachsichtiger mit sich zu sein und nachzuspüren, was man wirklich braucht - das ist dann ein Teil der Arbeit in der Psychotherapie -. Wichtig wäre es, Sie könnten sich Ihren Eltern anvertrauen, sich und ihnen auch zumuten, dass Sie so verzweifelt sind und sich in dieser Verzweiflung auch zeigen. Oder vielleicht gibt es in Ihrer Familie oder in Ihrem Freundeskreis eine Person, der Sie sich am ehesten anvertrauen können und diese könnte dann vermitteln! Sollten Sie in Wien oder Umgebung wohnen, kommen Sie doch zu uns zu einem persönlichen Erstgespräch, damit wir einen hilfreichen weiteren Weg absprechen können. Sie waren sehr mutig mit Ihrem Brief, das zeigt auch, dass Sie aus dieser Krankheit herausfinden wollen, bitte bleiben Sie dran und nehmen Sie alle Hilfe in Anspruch, die Sie brauchen! Und schreiben Sie wieder, wenn Sie noch Näheres wissen wollen! Alles, alles Gute!

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