intakt Forum

zurück zur Übersicht

Wie soll es weiter gehen? - Fortsetzung

(Anonym fragte am 25.02.2013 um 12:13:54)

Hallo,

Danke für die schöne Antwort vier Fragen zuvor. Ich muss leider eine neue Fragestellung aufmachen und kann nicht unter der letzten Frage weiter stellen. Eine Frage/Anliegen hab ich noch. Sie schreiben,ich soll mir so viel Hilfe wie es geht holen. Das hab ich prinzipiell ja schon. Jeddenfalls läuft das an. Nur ist mir aufgefallen, dass je mehr Hilfe und Kontrolle ich habe, umso mehr verfalle ich in Zwänge, unter Druck. Ich muss mittlerweile wöchentlich in die Institutsambulanz zur Gewichts- und Kaliumkontrollen, sprich Montag Morgens. Mein Gewicht ist Gott sei wieder gesunken, von 57,6 bei 173cm auf 50,8kg innerhalb 2 Wochen. Und da beginnt mein erstes Problem. Ich gerate bei den Gewichtskontrollen wieder sehr stark in das Bedürfnis, immer dünner zu sein. Es zieht mich stark zu meinen 48kg hin, wenn ich die dann erreicht habe, 45kg usw. Also, je mehr kontrolliert wird, umso zwanghafter wird mein Verhalten. Es reizt mich grad überhaupt nicht zuzunehmen. Und die ewig leidigen Kaliumkontrollen. Da war gar nicht darauf vorbereitet. Der Wert wird wieder grottenschlecht sein, jedenfalls wenn ich meinem Kreislauf glauben kann. Aber Kalinor bekomme ich absolut nicht runter. Ich hab es probiert, aber der Zwang und der Impuls es wieder zu erbrechen ist stärker. Ich habe mir überlegt, eigentlich müsste ich doch alle Hilfen absagen, vielleicht beruhigt sich dann alles wieder. Oder habe ich einen Denkfehler. Wie soll ich denn da jemals wieder rauskommen? Letzte Woche zum Beispiel hatte ich nach der Kaliumkontrolle einen Anruf der Ärztin, der Wert ist 2,2. Entweder sollte ich innerhalb 1h selbstständig und freiwillig in die Notaufnahme oder sie hätte den Rettungsdienst verständigt. Hab mir dort widerwillig eine Kaliuminfusion geben lassen. Nach der Kontrolle danach lag der Wert bei 2,8. Eine weitere Infusion hatte ich abgelehnt und mich entlassen. Meine Ärztin hatte noch mit meinem Hausarzt telefoniert und sie wollte ihn überreden den Sozialpsychiatrischen Dienst bei mir vorbei zu schicken, weil es mir neben den Laborwerten auch psychisch sehr schlecht ging. Eine Zwangseinweisung stand wieder im Raum. Statt mich so eine latente Bedrohung wie eine Zwangseinweisung motiviert, bewirkt das eigentlich eher das Gegenteil. Ich will noch dünner sein, mein Kalium soll so schlecht wie möglich sein. Das ist so undurchbrechbar für mich, so absolut zwanghaft. Ist es denn ratsam alle Hilfen abzubrechen? Oder wo soll ich denn anfangen irgendwas zu ändern? Ich weiss theoretisch alles was ich brauche um gesund zu sein. ABer je mehr ich mir vornehme, umso schlimmer wird es. Chaos im Kopf, Chaos im Verhalten. Überall nur Destruktivität.
Verstehen Sie ungefähr worauf ich hinaus will?

(INTAKT antwortet am 25.02.2013 um 16:03:30)

Es ist absolut NICHT ratsam, alle Hilfen abzubrechen. Daß Ärtze aber um Sie ein Kontrollnetz aufbauen müssen, ist ihre Aufgabe bei den bedrohlichen Werten, die Sie haben. Das ist ihre Verantwortung! Denn Sie scheinen mit Ihrem Beitrag der Verantwortung grad nicht klarzukommen und erlauben sich nicht, etwas zu Ihrem Besseren zu verändern. Stimmen Sie doch einem stationären Aufenthalt zu und geben Sie sich die Zeit, die Sie brauchen, um den Klauen Ihrer Essstörung zu entkommen. Chaos braucht geschützte Umgebung, um wieder zur Ordnung zu kommen!!!!Alles Gute, wirklich!

(Erweiterung der Fragestellung am 25.02.2013 um 18:24:35)

Hallo,

Ich KANN keinem stationären Aufenthalt zustimmen. Ich kann einfach nicht. Stationärer Aufenthalt hieße momentan entweder nochmal eine Weile auf die Geschlossene oder die Kriseninterventionsstation der Psychiatrie. Letztere wäre zwar eine offene Station, bringt vom therapeutischen Prozess aber gar nichts. Es gibt bei uns eine psychosomatische Station, mit deren Oberärztin ich auch schon in Kontakt war als ich letztes Jahr auf der Geschlossenen war. Aber die haben mich nicht genommen und nehmen mich aktuell auch nicht, weil ich noch zu schwer in der Essstörung stecke. Ich bin froh wieder zu Hause zu sein. Ich gehe nicht nochmal auf die Geschlossene und lasse mich wochenlang entweder durchgängig oder nach Plan fixieren. Nein, lieber verrecke ich irgendwo. Ich weiß, es klingt hart. Außerdem lasse ich meine Haustiere nicht nochmal alleine. Und das Wichtigste, das Allerwichtigste, weshalb ich definitiv keinem stationären Aufenthalt zustimme ist, dass ich meine Tochter dann gleich abschreiben kann. Ihr Vater wohnt 350km von unserer Wohnung weg. Sie war kein einziges Mal bei ihm zu Hause, obwohl das seit einem viertel Jahr geplant ist, er hat sie nur bei seinen Eltern besucht. Sie will zu uns in die Wohnung zurück. Und ich kann sie betreuen, wie die Besuche bei mir zeigen, wir sind ein harmonisches und super Team. Ich weiß nicht was wird, wenn sie doch zu ihm ziehen wird. Das wird sie enttäuschen, beängstigen und verunsichern. Und davor möchte ich sie beschützen. Nicht, dass sie ihren Papa nicht mag, aber er hat einen fanatisch-religiösen Lebensstil, den die Kleine besuchsweise mitmachen will, aber nicht dauerhaft. Klar, normalerweise ist es so, wenn ein Elternteil ausfällt, übernimmt der andere die Aufgaben, aber in unserem Fall gibt es einige \"Komplikationen\" und Rahmenbedingungen mit denen ich nicht einverstanden bin. Und, dass sich unser Kind so dermaßen und grundlegend umstellen muss, dass muss nun auch wieder nicht sein.
Es wird wieder so vieles kompliziert und ich muss wieder um Hilfe bitten, wenn ich auf Station müsste. Und ich liege niemanden mehr auf der Tasche. Ich würde Menschen enttäuschen. Wie stehe ich denn da. Und ich lasse anderen nicht den Triumpf, die meinen das kommen gesehen zu haben. Nein, dazu hab ich auch ein bisschen Stolz. Außerdem ändert sich doch eh nichts, wie ein Jahr Geschlossene gezeigt hat. Naja, wenn mal kurz, aber schwups, schon bin ich wieder drin. Ich weiss mittlerweile auch schon gar nicht, was ich wäre, wenn ich keine Essstörung hätte. Mein Hausarzt hatte mich gefragt, wann es zuletzt mal einen Tag gab, an dem ich nicht erbrochen habe. Ich konnte ihm keinen nennen. Das muss schon Jahre her sein. Oder auf der Geschlossenen als man mich mit Medikamenten total ruhig gestellt hatte. Aber das zählt ja nicht. Von daher ... Vielleicht gehts ja ambulant doch noch vorwärts. Ich weiß, es liegt alles in meiner Verantwortung. Scheinbar kann ich für alle möglichen Menschen Verantwortung zu Hauf übernehmen, nur für mich nicht. Pläne, Methoden, Skills schwirren mir dauernd durch den Kopf, ermahnen mich, kommentieren, schimpfen und geben altkluge Ratschläge. Aber die kollidieren mit Angst vorm Fettwerden, mit Zahlen auf der Waage, dem Reiz des destruktiven Verhaltens, der Angst, was dann kommt, Angst zu Versagen, Angst doch ein absuluter Niemand zu sein ........

Irgendwie will mich niemand haben, der so richtig therapeutisch arbeitet. Das ist schon bitter.

(INTAKT antwortet am 26.02.2013 um 15:48:11)

Bitter ist leider, wie schlecht Ihre körperliche Verfassung ist. Momentan muß das Lebenserhaltende im Vordergrund stehen, Sie müssen organisch stabilisiert werden, bevor Therapie wirklich greifen kann. Sie bringen viel Energie für Ihren Widerstand gegen Massnahmen auf, die vom medizinischen her lebensnotwendig sind. Andererseits sind Ihre Briefe sehr klar und verständlich, deshalb appeliere ich an diejenige, die letztlich wieder gut für ihre Tochter sorgen will. Es geht nicht darum, daß Sie andere nicht enttäuschen wollen, sondern darum, daß Sie all Ihre Energie momentan fürs Zunehmen und fürs Gesundwerden aufwenden, für alles andere wären Sie momentan überfordert. Sie haben ein medizinisches Netz, bitte nutzen Sie es, machen Sie immer nur einen Schritt nach dem anderen. Ihre Ängste sind Symptome der schweren Essstörung! Wenn man Blinddarmschmerzen hat, muß man auch ins Spital, um nicht an einem Durchbruch zu sterben. Da hat man auch keine Wahl! Statt der Angst des Versagens nähren Sie Ihren Willen und Ihren Wunsch, wieder anders und besser für Ihre Tochter dasein zu können. Sonst überfordern Sie auch Ihre Tochter. Das klingt jetzt sehr streng, aber Ihre Briefe klingen sehr besorgniserregend und Ihr körperlicher Zustand braucht adäquate medizinische Behandlung!!!Alles Gute für die nächsten notwendigen Schritte!

(Erweiterung der Fragestellung am 01.03.2013 um 22:37:08)

Hallo,

Ihre Antwort hatte mich sehr traurig gemacht. Die Gerichtsverhandlung zum Sorgerecht ist vorbei und es ist trotzdem alles anders gekommen als geplant. Eigentlich sollte unsere Tochter am Wochenende wieder zu mir zurückkehren und von ihrem vertrauten Zuhause langsam zu ihrem Papa gehen. Der Richter war der Ansicht dass wir jetzt 3 Monate Probezeit haben, in denen Gutachten erstellt werden sowohl von mir als auch vom Kindesvater. Die Welt war Mittwoch noch in Ordnung. Donnerstag dafür nicht mehr. Ich war regulär in der Institutsambulanz bei meiner Psychologin. Man hat mir mal wieder EKG geschrieben, nachdem der Blutdruck im Keller und der Puls jenseits gut und böse hoch und unregelmäßig war. Kaliumkontrolle war auch. Immerhin schon wieder bei 2,5. EKG stark auffällig. Man hat auf mich eingeredet, dass man mich ambulant nicht mehr verantworten kann. Ich habe mich widerwillig breit schlagen lassen, tagesklinisch auf die Kriseninterventionsstation zu gehen. Da war ich heute und da ist gar nichts gewesen außer warten. Bringt mir persönlich also nichts. Ich habe dann geäußert, dass ich hier nicht bleiben werde und eine (teil)stationäre Behandlung ablehne. Zum Schluss brachte man mich auf die Geschlossene und rief den Sozialpsychiatrischen Dienst. Ich bin sehr knapp an einer Unterbringung vorbei geschlittert. Ich wollte nicht da bleiben, weil am Wochenende meine Tochter vorbei kommt, damit wir voneinander Abschied nehmen und ich ihr die Sache nochmal erklären kann, weil sie ja nun zu ihrem Papa 350km entfernt von mir geht. Wann wir uns wieder sehen ist noch nicht ganz raus. Das wird sehr sehr schmerzlich und ich habe damit meiner Tochter seelischen Schmerz zugefügt. Sie hatte sich so darauf gefreut zu mir zu kommen. Und nun habe ich sie enttäuscht. Sie hat sogar Angst um mich, dass ich wieder so ewig lange ins Krankenhaus muss. Ich fühle mich sehr schlecht bei dem Gedanken, wie es der Kleinen geht. Ist schließlich alles meine Schuld.
Gegen die Essstörung zu kämpfen habe ich im Moment keine Kraft. Ich glaube ich will auch nicht mehr kämpfen, weil es eh sinnlos ist. Die ist seit über 20Jahren da und ist anhänglicher als ein Kaugummi unterm Schuh. Ich weiss nicht was passieren würde, wenn ich sie nicht mehr hätte. Ich befürchte schlimmeres.
Wenn sich meine Tochter von mir verabschiedet hat und im Auto sitzt, soll ich nochmal beim Diestarzt auf Station vorbei schauen. Ich möchte da nicht hin. Ich möchte eigentlich keinen Arzt mehr in meinem Leben rumrühren lassen. Da kommt immer nichts Gutes bei raus, wie man die letzten beiden Tage gesehen hat. Das Problem ist nur wie ich sie davon überzeugen kann sich weder um mich zu sorgen noch mich weiter zu behandeln. Ich möchte auch kein Kalium zu mir nehmen. Heute hat man mich gezwungen 2 Brausetabletten zu trinken. Ich bin der Meinung entweder reguliert sich das von alleine durch meine Intervention oder gar nicht. Ich bin aber der Ansicht, dass, wenn man mich in Ruhe lässt und weniger Kontrolle ausübt, sich der Kreislauf vielleicht wieder beruhigt.
Ich habe richtig Angst vor dieser Fremdkontrolle. Das ist die reinste Qual für mich.

(INTAKT antwortet am 05.03.2013 um 11:33:06)

Ihre Qual ist mehr als verständlich und der vorläufige Abschied von Ihrer Tochter sicher ein sehr trauriger, das muß wirklich gesagt werden. Freilich ist die Trennung auch für Ihre Tochter schmerzhaft, aber man weiß ja auch nicht, was an neuen Eindrücken und Positivem ihr in ihrer neuen Umgebung auch passieren darf, was sie stärken wird in ihrer Entwicklung. Bitte verstricken Sie sich nicht in der Schuldfrage und eigenen Abwertung, das hilft niemandem, weder Ihrer Tochter und schon gar nicht Ihnen. Es ist leider auch sehr kontraproduktiv, wenn Sie sich immer wieder gegen alle Massnahmen, die Ihr Unterstützersystem anordnet, wehren. Ihr Körper braucht Kalium, Ihre Seele braucht Zuspruch, wahrscheinlich Medikamente und ein ZurRuheKommen. Bitte sehen Sie das nicht als Fremdkontrolle, sondern als VERANTWORTUNG, die Ihr Unterstützersystem übernehmen muß, weil Ihr eigenes Resilienzsystem aufgrund der schwerwiegenden Symptome momentan dazu NICHT imstande ist. Sie brauchen ein Akzeptieren, daß es eben so ist, denn mit diesem Akzeptieren dürfen Sie auch hoffen, daß es Ihnen mit vielen kleinen Schritten auch wieder möglich sein wird, Eigenverantwortung in einem gesunden Maß übernehmen zu lernen, so wie Sie es so gerne wünschen, jedoch braucht dies Zeit und Geduld. Bitte geben Sie sich diese Zeit und vor allem die Geduld mit sich! Alles, alles Gute!!!

weitere Fragestellung hinzuf�gen

Anmerkung: Aus Gründen der Sicherheit und um den Missbrauch des "intakt-Forums" zu verhindern, kann nur der- bzw. diejenige die Fragestellung erweitern, der/die auch die ursprüngliche Frage gestellt hat. Jedes Anliegen muss also mit einer neuen Fragestellung begonnen werden. Um die persönliche Fragestellung zu konkretisieren ist der zugewiesene Authentifizierungscode notwendig. Diesen erhalten Sie bei der erstmaligen Fragestellung. Jede Eintragung in das Forum bleibt anonym.