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Wie soll es weiter gehen?

(Anonym fragte am 08.02.2013 um 22:32:19)

Hallo,

Ich habe mich vor Ewigkeiten mal mit einer Frage gemeldet. Das wird wohl 2011 gewesen sein, als bei mir ein humangenetischer Test auf eine Chorea Huntington gemacht wurde. Ich bin jetzt 34 Jahre und habe seit meinem 13.Lebensjahr Bulimie, seit 6Jahren (nach der Geburt meiner Tochter) zog auch noch die Anorexie in meinem Körper und meine Seele ein. Bei mir ist letztes Jahr sehr viel passiert. Ich hatte eine sehr lange und heftige Krise, sodass ich fast 12 Monate auf der geschlossenen Abteilung der Psychiatrie zugebracht habe. Mir ging es psychisch und physisch total schlecht, ich habe sogar 7 oder 8 Suizidversuche auf Stadion unternommen. Letztlich war ich wegen meiner Essstörung so ewig lange da. Ich habe kaum gegessen und wenn, dann habe ich es wieder erbrochen. Nichts konnte ich bei mir behalten, noch nicht mal was zu trinken. Das führte dazu, dass mein Kalium zum Teil lebensbedrohlich niedrig war (der niedrigste Wert war 1,7, was eine Freifahrt in die Ambulanz des Unikrankenhauses hiess). Und mir war das völlig egal, hauptsache der Wert war niedrig. Ich bin richtig oft umgekippt, einfach so, weil sich das eben schon aufs Herz ausgewirkt hatte.
Ich bin also Anfang Februar 2012 auf Stadion gekommen, direkt eingewiesen von der psychiatrischen Tagesklinik in der ich davor war. Ich konnte einfach nicht mehr, die Zeit davor hat an meinen Kräften gezerrt, war viel passiert, nicht nur dieser Test. Der humangenetische Test ist ja positiv für mich ausgegangen und jeder meinte ich solle nun fröhlich durch das Leben gehen. Aber letztlich ist ja genau das Gegenteil geschehen. Nun bin ich seit 2.1. direkt von der geschlossenen Psychiatrie nach Hause gekommen. Alles war super. Nur die beiden namens Bulimie und Anorexie sind geblieben. Meine Tochter wurde von ihren Großeltern, Eltern ihres Vaters, betreut. Nun ist ein Sorgerechtsstreit entstanden. Der Kindesvater will, dass die Kleine zu ihm zieht. Er hat sich 6 Jahre nicht um unsere Tochter gekümmert und nun kommt er an und meint, er kann alles besser. Die Kleine war ein Mal für4 Tage mit ihren Großeltern bei ihm zu Hause. Wir hatten heute beim Jugendamt ein Gespräch. Und zu meinem Entstetzen scheint das Jugendamt der Ansicht zu sein, dass die Kleine bei ihrem Vater besser aufgehoben ist. Wir haben am 27.2. die Gerichtsverhandlung. Alle heute anwesenden Parteien haben auf mich eingeredet, es wäre besser für die Kleine. Anwesend waren neben mir der Kindesvater, seine Eltern und zwei Frauen vom JA. Ich stand total alleine da. Die Kleine will doch wieder zu mir. Ich sehe nach dem Gespräch heute alles schwarz und meine Hoffnung ist verloren, mein Mutterherz gebrochen. Ganz abgesehen davon gehe ich regelmäßig in die psychiatrische Institutsambulanz zu meiner Psychiaterin aller 4 Wochen, dann seit letzter Woche nun auch wöchentlich zu einer Psychologin. Gestern war ich wieder bei der Ärztin, die mir mal wieder Blut abgenommen hat zur Kaliumkontrolle. Der Wert ist wieder gefallen, ist bei 2,79. Vor einer Woche war er noch bei 3,27. Ich habe heute Nachmittag nach dem Gesprächstermin im JA wegen der Blutergebnisse angerufen, wie es vereinbart wurde. Eigentlich sollte mich das Ergebnis aufschrecken. Das Schlimme ist, es ist mir wieder total egal. Seit 2 Wochen kann ich auch kaum noch essen und wenn, dann geht es wieder raus. Das Schlimme an der Sache ist, ich werde trotzdem immer fetter. Am Montag hab ich noch 52kg gewogen bei 1,73m, Dienstag früh waren es schon 55kg und heute sind es fast 57kg. Und dabei esse ich vielleicht ein Apfel und eine Orange am Tag. Dafür hab ich so einen richtigen Kugelbauch. Das ist furchtbar für mich. Meine Ärztin meint, dass käme von der Mangelernährung. Aber wenn ich von etwas Obst schon fett werde, was soll das erst werden wenn ich normal esse??? Da bin ich eine Tonne. Nein, das ist ausgeschlossen. Der fette Bauch und die fast 57kg sind schon reinster Horror für mich. Ich will wieder meinen flachen Bauch und maximal 52kg. Heute sag ich mir dazu, wozu anstrengen und gegen etwas ankämpfen, was ich in absehbarer Zukunft ja nur noch haben werde. Vielleicht ist das das Einzige was konstant ist und mich nicht verlässt. Ich soll ja auch auf mich schauen. Aber ich weiss gar nicht, wie es für mich zwecks Therapie weitergehen soll. Die Ärztin meinte, stationär wäre sinnvoll, wenn ich es ambulant versuche, dann muss ich mich beweisen. Ach man, ich weiss grad gar nichts mehr. Vielleicht ist es besser, wenn ich nicht mehr da bin. Ich finde alles nur noch furchtbar, halte mich für einen laufenden Versager, vielleicht bin ich ja wirklich so schlecht.

(INTAKT antwortet am 11.02.2013 um 14:18:38)

Nein, nein, nein, Sie sind sicher NICHT schlecht!Aber Sie haben die letzten Jahre und speziell das letzte Jahr mehr durchgemacht als sich manch anderer vorstellen kann. Und Sie sind noch nicht wirklich gesund, so wie Sie Ihr Essverhalten schildern. Für diesen Gesundungsprozess braucht es Geduld und Zeit und vor allem die bestmögliche Unterstützung. Und wenn Ihre Ärztin meint, daß ein stationärer Aufenthalt sinnvoll wäre, dann weiß sie sicher, wovon sie spricht. Und ein stationärer Aufenthalt mit einem therapeutischen Prozeß hilft anders als auf der geschlossenen Abteilung der Psychiatrie. Es könnte sein, daß Sie sich mit ambulanter Betreuung überfordern, wenn Sie glauben, sich beweisen zu müssen. Daß Sie der Sorgerechtsstreit momentan sehr, sehr bekümmert ist mehr als verständlich. Die Großeltern haben sicher wichtige und hilfreiche Dienste für ihr Enkelkind geleistet und vielleicht weiß der Vater, daß auch er jetzt einmal mitgefordert ist, wenn Sie noch nicht gesund sind. Bitte sehen sie die anderen nicht als Gegner, sondern als Unterstützer in einem noch recht unsicheren System. Mit intensiver Therapie wird es Ihnen gelingen - noch dazu mit der Motivation wieder gesund für Ihre Tochter zu werden - daß sich die Magersucht und Bulimie auch wieder verabschieden wird und Sie werden Mut, Energie und Kraft für ein eigenverantwortliches Leben finden. Dann können Sie Ihrer Tochter wieder eine Mutter sein, die sie braucht und die Sie sein wollen!!!
Sie haben momentan am meisten Verantwortung für IHR Gesundwerden, bitte nehmen Sie alle Unterstützung an, die Sie zum Aufarbeiten Ihrer schwierigen Lebensphasen brauchen und vertrauen Sie darauf, daß Sie in diesem Prozeß Ressourcen entwickeln werden, mit denen Sie diese schwere Krankheit überwinden lernen. Sie hatten zwar lange Zeit Angst vor einer anderen schweren Krankheit, von dieser Angst konnten Sie sich durch einen entsprechenden Test befreien. Die Magersucht und Bulimie jedoch sind Hilfeschreie der Seele und brauchen daher intensive, kompetente Unterstützung und vor allem Ihr eigenes OK, diese eigenen Hilfeschreie zu akzeptieren und daher auch eine Behandlung aktiv mitzumachen. Momentan müssen Sie sich gar nichts beweisen, sondern alle Unterstützung, die Sie brauchen, annehmen! Alles, alles Gute, viel Mut, viel sich selber Liebhaben Lernen und viel Vrtrauen, daß sich alles zum Guten wenden wird!!!

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