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Was tun?

(S. fragte am 27.08.2012 um 19:38:04)

Liebes intakt-Team,

ich finde das wirklich gut, dass man mit euch Kontakt über das Internet aufnehmen kann, denn ich denke viele junge Menschen (wie ich zB) haben etwas Scheu vor einem persönlichen Gespräch.

Ich frage hier um Rat, weil ich, wie viele hier, einfach nicht mehr weiter weiß.
Ich habe seit ca. 6 Jahren eine Essstörung, war auch schon in Therapie und habe Antidepressiva genommen. Nur irgendwie half nichts so wirklich. Als ich die AD nahm ging es mir zwar für einige Zeit besser, nur habe ich dann gedacht \"es passt eh wieder alles\" und hab sie dummerweise abgesetzt.
Meine Therapeutin meinte ich leide unter Binge-Eating-Disorder, ich denke aber dass es das nicht alleine ist. In letzter Zeit übergebe ich mich sehr häufig, weil ich vor einiger Zeit ca. 6kg abgenommen habe (worüber ich mich sehr gefreut habe) und Angst habe diese jetzt wieder zuzunehmen.
Meine Frage ist nun, ob es sinnvoll wäre in stationäre Behandlung zu gehen? Denn irgendwie geht es mir nach den Sitzungen zwar immer ein wenig besser, aber so wirklich helfen (auf langfristige Sicht) tut es nicht. Ich denke reden ist für mich einfach zu wenig.

Ich hoffe auf eine Antwort und bedanke mich schonmal im Vorraus!

Lieben Gruß,
S.

(INTAKT antwortet am 29.08.2012 um 11:26:24)

Liebe S., Sie sprechen uns aus der Seele, wie Sie die Möglichkeit beschreiben, sich an uns wenden zu können. Denn genau das ist uns wichtig, daß man seinen Gedanken freien Lauf lassen kann, ganz anonym und zu jeder Zeit, um letztlich auch wirklich ehrlich mit sich zu sein und sich auch so zu zeigen - oft bewirkt so ein Schreiben sicher auch, daß man einen klitzekleinen neuen Schritt hin zu mehr Verständnis für sich selbst machen kann. Uns ist wichtig, dann klar zu antworten, wo wir Handlungsbedarf sehen, Mut zu machen, Hilfe in Anspruch zu nehmen, wo vielleicht manche glauben, daß ihnen diese Hilfe noch nicht zusteht, weil sie anderen, noch Belasteteren einen Platz wegnehmen könnten, aber vor allem ist uns wichtig, einen Impuls zu geben, daß man sich und sein Leiden unter einem mit sich liebevollerem und verständnisvolleren Blickwinkel wahrnehmen lernt und so eine eine neue Möglichkeit findet, aus dem Teufelskreis der Selbstabwertung herauszukommen.
Doch jetzt zu Ihnen und Ihrer Frage. Sie spüren, daß Sie mehr Unterstützung brauchen, als Sie grad bekommen, weil Sie merken, daß Ihre Symptome Sie mehr belasten als Ihnen lieb ist. Ein stationärer Aufenthalt kann da sicher sehr hiflreich sein, weil man über einen längeren Zeitraum erstens raus aus dem eigenen System ist und sich nur auf sich konzentrieren kann und zweitens mithilfe der anderen, des geschulten Personals und gezielter Gruppenarbeit umfassender seine wirklichen Bedürfnisse erkennen und realisieren lernt. Allerdings ist es wichtig, im Anschluß an einen stationären Aufenthalt noch weiter Einzeltherapie in Anspruch zu nehmen, um das Erlebte, Erfahrene und Erlernte gut im Alltag zu integrieren zu können. Wie Sie richtig beschreiben, daß Sie wahrscheinlich die AD zu früh abgesetzt haben, so gilt es auch in der Therapie, sich genügend Zeit zu nehmen, um möglichst viel Werkzeug für ein selbstbestimmtes, sinnvolles und erfülltes Leben in sich finden zu können. Wenn Sie ansprechen, daß reden für Sie zu wenig ist, ist die Frage, ob eine andere Therapieform für Sie vielleicht hilfreicher wäre oder es einfach nur wichtig ist, daß Sie sich trauen, das anzusprechen, was für Sie wirklich Sache ist. Der geschützte Raum der Therapie ist vor allem dazu da, daß man sich traut, auch in der Beziehung mit der/m TherapeutIn an- und auszusprechen, was am meisten belastet, daß man sich zumutet mit dem, was man vielleicht glaubt, niemandem zumuten zu können. So gilt es immer wieder, mutig zu sein, sich zuzumuten und dem anderen zumuten, daß er/sie damit umgehen kann. TherapeutInnen haben dafür eine Ausbildung und werden dafür bezahlt! Sie waren mutig, uns zu schreiben, tun Sie es wieder, wenn Sie wollen und bleiben Sie mutig für all die weiteren Schritte in Ihrem Gesundungsprozess!

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