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Fressanfälle nach Magersucht

(Anonym fragte am 16.04.2012 um 11:01:51)

Hallo, ich bin 17 Jahre alt, bin 162 cm groß und wiege im Moment 42 kg. Letzten Sommer habe ich 53 kg (mein Normalgewicht) gewogen. Ich habe mich nicht wohlgefühlt, ich fühlte mich viel viel viel zu dick und habe mich dann entschlossen abzunehmen. Ich habe mit einer Diät begonnen und habe anfangs nie mehr als 1200 Kalorien zu mir genommen. Das hat sich dann mit der Zeit immer mehr reduziert bis mir sogar 400 Kalorien pro Tag zu viel waren und ich mich 2 ganze Wochen nur mehr von 100 Kalorien täglich ernährt habe. Manchmal habe ich sogar gar nichts mehr gegessen. Ich habe das Gefühl geliebt, wenn mein Bauch ganz leer war und ich habe das Gefühl gehasst nachdem ich etwas gegessen habe. Ich habe mich auf 37 kg hinunter gemagert. Ich hätte auch weiter gemacht, aber meine Eltern haben es dann bemerkt und haben mein Essverhalten genau beaobachtet und haben mir gesagt, dass ich mindestens 10 kg zunehmen muss. Mit 47 kg wäre ich eigentlich immer noch ziemlich dünn (zumindestens behaupten das meine Freunde und meine Eltern), aber es kommt mir sehr viel vor. Alle haben stundenlang auf mich eingeredet und mir eingetrichtert, dass es okay ist, wenn ich esse und dass ich zunehmen muss. Die nächsten Tage habe ich mir dann auch wieder erlaubt etwas zu essen, aber nach zwei Tagen habe ich mich wieder zu dick gefühlt, obwohl ich gerade mal 37,5 kg hatte. Seitdem führe ich jeden Tag erneut den Kampf mit mir ob ich nun essen soll oder nicht und mich wieder abmagern soll. Mein Gewicht ging dauernd hinauf und anschließend wieder hinunter. Vor 10 Tagen haben es meine Freunde geschafft mich davon zu überzeugen, dass ich zunehmen musss und ich habe begonnen wieder zu essen. Seitdem habe ich täglich MINDESTENS einen Fressanfall und ich nehme täglich 6000-7000 Kalorien zu mir. Ich bin in den letzten 2 Wochen insgesamt 8 Mal zu McDonalds gegangen. Um kurz einmal einen Beispielstag zu schildern: In der Früh bin ich in die Bäckerei gegangen und habe mir dort einen Brownie, eine Riesen-Butter-Nussschnecke und 5 Topfenbällchen gekauft. Zu Mittag gabs dann 5 volle Teller mit Käsenuddeln und extra Käsesoße und 2 volle Teller mit Fleischlaibchen und Salat. Als Jause habe ich dann noch einen Muffin gegessen. Am Abend habe ich eine ganze Cornflakes-Packung aufgegessen (1600 Kalorien), einen Käsekrainer-Hotdog, einen Cheeseburger, Pommes, einen Wrap von McDonalds und ein Eis mit Schokoladensauce. Zuhause habe ich dann noch eine Laugensemmel mit Nutella gegessen. Das ist doch nicht normal oder?!?! Werde ich jetzt fresssüchtig? Bin ich jetzt in eine neue Essstörung hineingeruscht? Habe ich jetzt eine Binge Eating Disorder? Meine Ärztin meint mein Körper holt sich einfach alles zurück, was ihm fehlt und das legt sich wieder. Aber das geht jetzt schon seit 10 Tagen sooo und es wird nicht weniger. Mein ganzer Körper ist mit diesen feinen Härchen bedeckt, meine Nägel brechen dauernd, meine Haare beginnen auszufallen und meine Haut reißt an manchen Stellen sogar auf, weil sie sooo trocken ist. Ich weiß ich muss zunehmen, aber ich kann nicht normal essen oder einfach etwas mehr sondern eben nur viel viel viel viel viel zu viel. Ich nehme natürlich zu (schon 5 kg). Soll ich weiter zunehmen? Soll ich weiter essen, was ich will auch wenn ich dann Fressanfälle bekomme? Oder soll ich lieber wieder weniger essen und versuchen es zu kontrollieren? Oder braucht der Körper das jetzt wirklich und soll ich ihm geben auf was er Lust hat? Bitte helft mir, weil ich nicht mehr weiß, was ich tun soll. Dieser tägliche Kampf in mir macht mich noch kaputt und ich zerbreche immer mehr daran. Darf ich diese Fressanfälle jetzt haben oder muss ich mich wieder kontrollieren lernen? Wird das wieder aufhören? Ist das normal? Eine ärztliche Meinung oder ein Rat wären wirklich toll und nett, weil ich nicht mehr weiß, was ich tun soll und ob ich essen darf. Ich weiß es klingt komisch, aber bei mir gibts Nicht-Essen oder Viel-zu-viel-Essen. Also entweder ich habe Fressanfälle oder ich esse nicht mehr als einen halben Apfel am Tag, wenn überhaupt. Was ist nur los mit mir?! Hilfe!

(INTAKT antwortet am 17.04.2012 um 15:39:16)

So wie Sie sich schildern, ist es leider ein klassischer Verlauf. Über zu lange Zeit haben Sie dem Körper viel zu viel vorenthalten, was er eigentlich braucht. Und so wie es Ihre Ärztin beschreibt, holt er es sich zurück. Nur was Ihr Körper vor allem braucht, sind regelmässige, ausgewogene Mahlzeiten, die ein ausreichendes Sättigungsgefühl vermitteln. Dann kann sich Ihr Körper wieder darauf verlassen und pendelt sich letztlich bei Ihrem ganz speziellen Wohlfühlgewicht ein. Dieses regelmässige Essen mag anfangs für Sie schwierig sein, weil sehr ungewohnt, doch Sie scheinen gut eingebettet zu sein in einen Freundeskreis und in Ihrer Familie, die Sie unterstützt hat, wieder zum Essen und Zunehmen zu gelangen, finden Sie auch wieder Unterstützung in regelmässigem Essen!! Wer auch immer mit Ihnen frühstückt, Mittag ißt und Abend ißt, bitten Sie, daß Sie jemanden zur Seite haben. Dann braucht Ihr Körper diese Anfälle nicht mehr und Sie brauchen auch keine Panik mehr vor dem Essen zu haben. Das ist ein Prozeß, der Ihnen vielleicht nicht gleich gelingt, da gibt es sicher noch die krankmachende Stimme in Ihnen, die in die Schranken gewiesen werden muß, denn zum Gesundwerden braucht es regelmässiges Essen und eben Unterstützung dafür! Die Frage ist auch, ob Sie schon in Erwägung gezogen haben, psychotherapeutische Hilfe in Anspruch zu nehmen, was in Ihrem Stadium der Krankheit sehr wichtig wäre, um konstruktiv mit Ihren Ängsten umgehen zu lernen und ihre Ressourcen zu aktivieren, wieder in Ihre volle Handlungsfreiheit und in ein selbstbestimmtes und lustvolles Leben zu finden. Mit Ihrem Schreiben haben Sie einen wichtigen ersten Schritt gemacht, um einen Weg aus Ihrem extremen Essverhalten herauszufinden, nehmen Sie auch alle weitere Unterstützung an, um wieder ganz gesund zu werden!Alles Gute!!!

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