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Bulimie / Verhalten von Angehörigen (Mutter)

(Anonym fragte am 16.03.2012 um 15:58:57)

Meine Tochter (jetzt 16 Jahre) ist im Herbst 2010 an Magersucht erkrankt. Sie wurde im Frühjahr 2011 insgesamt 13 Wochen stationär (davon zuletzt 6 Wochen in Kärnten) behandelt und hat wieder ihr Normalgewicht erreicht. Sie ist in Wien in psychotherapeutischer Behandlung; ihr Gewicht und ihr Essverhalten wird seitens der Kärntner Klinik weiterhin kontrolliert.

Vor einiger Zeit habe ich entdeckt, dass sie jetzt offensichtlich Bulimie hat; sie isst Unmengen - ihre Gedanken kreisen fast permanent ums Essen, aber sie nimmt nicht zu bzw. in den letzten Wochen sogar wieder ab.

Ich weiß nicht, was ich machen soll - ich spreche sie darauf an und versuche, sie so zu überwachen (selbst oder durch meine andere Tochter), dass sie keine Gelegenheit zum Erbrechen hat, aber ich bin nicht sicher, ob das gut ist.

Können Sie uns beraten, wie wir und verhalten sollten? Danke!!

(INTAKT antwortet am 19.03.2012 um 18:38:09)

Es passiert leider immer wieder, daß nach Überwindung der Magersucht es zu Essanfällen kommt, so als wollte der Körper alles nachholen, was ihm lange verwehrt war. Ihre Sorge ist da sehr verständlich, doch es kann dann zu ähnlichem Abwehrverhalten kommen wie in der Magersucht. Es ist da die Ablenkung hilfreicher als die Überwachung, am besten ist, Sie beraten sich mit ihrer Tochter, was für sie am hilfreichsten ist. Am wichtigsten sind die regelmässigen Mahlzeiten, dann kann sich der Körper drauf einstellen und vor allem endlich drauf verlassen und pendelt sich bei einem sehr speziellen und persönlichen setpointgewicht ein. Es wäre am besten, wenn Sie und Ihre andere Tochter das vorleben, denn manchmal ist es für Betroffene sehr schwierig, selbst genug essen zu müssen, während andere Familienmitglieder zu sehr aufs Essen schauen und sich kasteien. Was das Ablenken anbelangt, erinnern Sie sich, was früher - vor der Erkrankung - an Gemeinsamkeiten und Ritualen möglich war, vielleicht kann man davon etwas altersgerecht adaptieren und regelmässig gemeinsam unternehmen. Bitte reduzieren Sie Ihre Tochter nicht nur aufs Essen, sondern seien Sie neugierig auf das, was Sie neu an Interessen entwickelt, an Fähigkeiten zutage tritt und fördern Sie ihre Neigungen und ermutigen Sie Ihre Tochter, auf die Fülle des Lebens neugierig zu werden. Und gönnen Sie sich selbst auch regelmässige Unterstützung, um besser mit der Situation umgehen zu können, schauen Sie auch auf sich, nicht nur auf Ihre Tochter, das entlastet eine Beziehung, die so sehr von Sorge um Gesundheit beherrscht ist. Schreiben Sie wieder, wenn Sie noch Fragen haben, oder kommen Sie zu unseren Elternabenden, die immer am 2. Mittwoch im Monat stattfinden von 19.00 bis 21.00 bei uns im intakt! Näheres finden Sie auf unserer homepage. Ihnen und Ihrer Tochter alles Gute!

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