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Fressanfälle nach Magersucht

(Anonym fragte am 20.02.2012 um 23:38:07)

Ich, 24 Jahre alt leide sehr unter meinem Essverhalten und weiss nicht mehr, was ich machen soll. Ich war während der Kindheit und im jugendlichen Alter immer an der oberen Gewichtsgrenze. Im Alter von 21 Jahren hatte ich dann bei einer Grösse von 1.75m mein Maximalgewicht von 80kg. Ich beschloss, abzunehmen und tat das auch anfangs auf vernünftige Weise. Als ich dann aber eigentlich wegen einer anderen Thematik eine sychotherapie begann, geriet mein Abnehmen ausser kontrolle und ich halbierte mein Gewicht in weniger als einem Jahr auf 41kg. Ich ging in Psychotherapie, war 5 Monate in stationärer und 4 Monate in teilstationärer Therapie, aber ich schaffte den Absprung aus der Magersucht trotzdem nicht. 2 Jahre kämpfte ich mit der Anorexie, bis es mir letzten Spätherbst in ambulanter Therapie gelang, von den 41kg zuzunehmen, weil ich nicht nochmals in stationäre Therapie eingewiesen werden wollte. Seit Weihnachten ist aber das Zunehmen ausser Kontrolle geraten und ich bekam immer stärkere Fressanfälle. Mitlerweile habe ich diese Anfälle täglich und ich könnte permanent nur noch essen. Wenn ich einmal angefangen habe kann ich nicht mehr aufhören und so esse ich fast den ganzen Tag. Es ist, als ob mein Hirn einfach ausklinken würde. Ich habe mich einfach nicht mehr unter Kontrolle und danach ist das schlechte Gewissen so gross, dass ich mich am liebsten Übergeben würde, was mir allerdings nicht gelingt. Ich schaffe es einfach nicht, diesen Teufelskreis von Fressen und nochmals Fressen zu durchbrechen und das macht mich so verzweifelt, dass ich fast täglich daran denke, mich umzubringen, weil ich das nicht mehr aushalte. Ich wiege nun ca. 65kg, wobei ich etwa 17kg in 2 Monaten zugenommen habe. Ich habe solche Angst, dass das trotz ambulanter Therapie nicht mehr aufhört. Ich ekle mich so vor mir selbst und je mehr ich mir vornehme, mich zusammenzureissen und es \"nur\" bei 3 Haupt- und 2 Zwischenmahlzeiten zu belassen, desto weniger gelingt es mir. Ich sehne mich so sehr nach dem Zustand mit 41 kg. Da hatte ich nicht mit einem solchem Gefühlschaos zu kämpfen und ich war einfach abgestumpft und wie betäubt. Jetzt hingegen habe ich das Gefühl, dass ich neben dem Essen auch meine Gefühle nicht mehr unter Kontrolle habe und ganz viele Ängste und Gefühle, die während der Magersucht weg waren, mit aller Wucht zurück kommen. Ich weiss wirklich nicht mehr, was ich am besten tun soll.

(INTAKT antwortet am 24.02.2012 um 10:58:40)

Auch aus Ihrem Brief ist nicht erkennbar, ob Sie noch in Therapie sind, was sehr wichtig wäre. Denn Ihnen ist schon viel gelungen, dann beendet man meist eine Therapie und traut sich nicht, weiter zu machen, weil man es als Niederlage empfindet, es schon wieder nicht alleine zu schaffen. Dabei beschreiben Sie es so stimmig, wie sehr jetzt Ihre Ängste und Gefühle spürbar werden, vielleicht auch in Bezug auf ein Thema, das Sie sich bis jetzt nie ansprechen trauten. Und genau dann braucht man umso mehr die professionelle Hilfe, die aus diesen belastenden Situationen herausbegleiten kann hin zu einem handlungsfreien Leben mit all den Ressourcen, die gerade Ihnen zur Verfügung stehen. Am besten wäre es, Sie wenden sich wieder an Ihre/n TherapeutIn, um weiterhin eine wichtige Unterstützung zu bekommen. Sonst bitte schreiben Sie noch einmal! Alles Gute!

(INTAKT antwortet am 27.02.2012 um 18:04:37)

Danke für Ihre so ehrliche Rückmeldung! Es ist beruhigend zu lesen, daß Sie in guter Therapie sind. Haben Sie mit Ihrer THerapeutin auch schon einmal angedacht, eine skills Gruppe zu besuchen? Damit Sie noch mehr Werkzeug zur Verfügung bekommen, um mit Spannungen umzugehen.Sie sind schon einen weiten guten Weg gegangen und Sie haben alles Recht dazu, ein selbstbestimmtes, erfülltes Leben zu leben, auch wenn es Ihrer Mutter nicht gelungen ist. Systemisch gesehen ist es wichtig, sich das bewußt zu machen! Und seien Sie nachsichtig mit sich!Idiotisches Verhalten spricht zu sehr für große Abwertung Ihres Verhaltens, tun Sie das nicht, Sie können es manchmal eben noch nicht besser!Alles Gute Ihnen!

(Erweiterung der Fragestellung am 24.02.2012 um 22:30:03)

Danke viel Mal für Ihre Antwort. Ja, ich bin immer noch in ambulanter Psychotherapie. Die therapeutische Beziehung empfinde ich dabei als sehr gut und sehr wertvoll für mich. Aber dennoch schaffe ich es irgendwie nicht, von der Essstörung wegzukommen. Das macht mir schon irgendwie Angst, dass ich vielleicht mein Leben lang essgestört sein werde, zumal ich bisher schon mein Leben lang mit Essstörungen konfrontiert war. Meine Mutter leidet seit ich denken kann an Adipositas (sie hat jetzt diesen Sommer einen Magenbypass machen lassen und so hat sie jetzt abgenommen)und so habe ich nie ein normales Essverhalten vorgelebt bekommen. Ich kann mich noch sehr gut an die Berge von leeren Schokoladentafelnpapiere, Pommes Chips Packungen, Glacepapiere auf dem Stubentisch erinnern und meine Mutter, die daneben auf dem Sofa lag, als ich von der Schule nach Hause kam und so war es fast jeden Tag. Ich habe sie angefleht, damit aufzuhören, aber sie hat mir nur befohlen, ihr noch mehr Schokolade zu bringen, und wenn ich das nicht gemacht habe, wurde sie sehr wütend auf mich. Ich weiss nicht warum, vielleicht aus Solidarität zu meiner Mutter gegen meinen Vater, habe ich dann mit ihr gegessen und war somit vor meiner Anorexieerkrankung auch immer eher rundlich und habe sehr darunter gelitten. Ich habe mir eigentlich geschworen, nie so werden zu wollen, wie meine Mutter, was mir durch die Anorexie auch gelungen ist, aber wenn das jetzt mit diesen Fressanfällen so weiter geht, werde ich bald auch übergewichtig sein und das will ich eigentlich auf keinen Fall, aber dennoch schaffe ich es Momentan nicht mein idiotisches Verhalten zu durchbrechen. Was vielleicht noch erschwerend dazukommt, ist, dass ich auch an einer Persönlichkeitsstörung (Borderline) leide. Es macht mir schon recht zu schaffen, nicht zu wissen, wer ich bin und was ich will, und eine ständige Leere gepaart mit grosser Zukunfts- Verlusts- und Versagensangst zu spüren. Momentan bin ich auch gerade in einer ziemlich instabilen Phase mit grossen Stimmungsschwankungen und Meinungsänderungen und das macht mich fertig. Nicht zu wissen, was ich jetzt wirklich denke, fühle oder will. Da denke ich schon, dass früher die Anorexie und jetzt das übermässige Essen auch irgendwo ein verzweifelter Versuch sind, diese starken Schwankungen und Ängste nicht mehr so zu spüren und mich nicht mit meiner verkorksten Identität und der Zukunft, vor der ich so Angst habe, beschäftigen zu müssen. Da es momentan eben recht instabiel ist, haben meine Therapeutin und ich beschlossen, dass es wohl das beste ist, um wieder etwas Ruhe in das ganze zu bringen und diesen Teufelskreis zu durchbrechen, dass ich nochmals in eine stationäre Therapie gehe. Das Problem ist, dass bei der Klinik, für die ich angemeldet bin, eine Wartezeit von drei Monaten besteht. Jetzt bin ich nochmals auch für die gleiche Klinik angemeldet, in der ich bereits 2 Mal war und da habe ich nächsten Dienstag ein Vorgespräch. Ich hoffe sehr, dass sie möglichst bald einen Platz für mich haben, denn lange kann und möchte ich so nicht weitermachen, auch wenn ich sehr grosse Angst vor einem erneuten Klinikaufenthalt und einer erneuten Trennung von meiner Therapeutin habe. Aber ich denke doch, dass es wohl vorerst die beste Lösung ist. Freundliche Grüsse.

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