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wasesist

(sophielerlei fragte am 09.01.2012 um 03:29:15)

wasistes, fragst du ... wasesist? was es ist? w a s e s i s t ? ? ? ... scheisse! scheissfrage. und danke für die frage. vielleicht rettet sie mich ein stück weit. ich muss es beantworten. wohl zeit für eine wortlawine. zuallererst für mich. und dann vielleicht auch für dich. obwohl ich mir nicht sicher bin, ob du diese antwort haben wollen wirst. ... ich halt mein leben nicht aus, sag ich. was ist es, sagst du. ... und ich muss das suchen und finden und sagen und aufschreiben es allem voran mir sagen. das was ich weiss weil es mein in mir ist weil es ich bin weil ich es so und nicht anders vielleicht mehr kenne als weiss. es macht mir angst mir deine frage zu beantworten und mein atem geht schwer und tränen machen sich startbereit. aber ich weiss, dass es notwendig ist und ich erinnere mich dass ich zum jahreswechsel schon vorhatte mir so einen status quo zu erstellen und es dann doch nicht gemacht habe und dass das aber essentiell ist für den weg den ich heuer vor mir hab. einen entzug. und mein mich weiter und deutlich in ordnung bringen. scheisse. edward st. aubyn ist genial in seinen worten: „er musste damit aufhören. in seinem alter musste er sich entweder der widerstandsbewegung anschliessen oder ein kollaborateur des todes werden. sobald die juvenile illusion der unzerstörbarkeit verschwunden war, gab es keinen raum mehr für das spiel mit der selbstzerstörung.“ scheisse scheisse scheisse. ich will das alles nicht. ich will das alles nicht sein und nicht haben. ich will dass es mir jemand wegmacht. dass es mir endlich jemand wegmacht. abnimmt. mitträgt. vielleicht und zumindest mitträgt. scheisse. ich will mit dieser scheisswahrheit dass alles in mir liegt und dass nur ich mich in ordnung bringen kann nichts mehr zu tun haben. kullern. tränen kullern. komische formulierung, aber weil es gerade wirklich genau so ist, muss ich sie verwenden. einmal links, einmal rechts. komisch ist das. naja, egal. bitte! was es ist? was es ist ... angst ... schmerz ... und viel zu schwer. viel zu schwer für mich allein. ich trag das schon so lang. und mir tuts so weh. und ich will es bitte nicht mehr tragen müssen. bitte. vielleicht ... *lach ... muss ich’s ja einfach nur loslassen? ... nein, nein, so einfach wird mensch eine sucht nicht los. und vielleicht doch? nein. entzug. entziehen. mir gewohntes tun und gewohntes reaktionsverhalten entziehen. ist entwöhnung das bessere wort? nein, ich glaube nicht. ach ... *seufz ... wie müde ich bin. und wie sehr ohne vertrauen. und wie mir die kraft fehlt, lebenskraft. bitte, ich will meine arme weit öffnen und ganz viel kraft spüren, empfangen. bitte. was es ist? krank sein und soviel angst vor diesem krank sein haben und sich so allein fühlen in diesem krank sein und so schuldig so schuldig schuldig fühlen und zugleich wissen dass ichs nicht bin dass ichs nicht bin dass ichs nicht bin. wissen woher das alles kommt. und trotzdem an allem selbst schuld und alles selbst wieder in ordnung bringen müssen. selbst schuld an seinem verhalten, mit dem man die dinge der welt beantwortet. selbst schuld am dieses verhalten nicht beendet zu haben als man es erkannte. scheisse. und trotzdem so viel getan und soviel wichtiges in ordnung gebracht und soviel geworden und soviel geschafft und trotzdem schuldvoll versagt weil das verhalten ist immer noch da. essen.hungern.erbrechen. ist ein symptom wofür, dieses verhalten? ist ein symptom für was nicht aushalten oder bewältigen können? scheisse. gut, ich weiss viel drüber. weiss dass der hunger etwas ist zum festhalten und etwas das weh tut und damit etwas anderes überblenden kann. dich rein und klar macht und fragil bis es dir ins hirn steigt weil du dann alles spürst aber dem den hunger mit all seiner macht gegenüberstellen kannst. unbewusst geschieht dies. du spürst nur – essen geht nicht. und grüsst müde oder dankbar deinen alten bekannten. und essen - um zu betäuben. ja, das funktioniert gut. essen um alles zu betäuben. essen um mich zu betäuben. essen um das in mir zu betäuben. erleichterung durch beschwerung und nicht zu vergessen: der kater danach. aber den kennt man schon oder man kennts kaum mehr anders, ist halt so und gehört zu einem dazu. und die gewohnheit. ganz normal wird das. und besteht auch auf sich wenn es grad mal gar nix zum betäuben gibt. also entzug. hierher gehört eindeutig der entzug. erbrechen? sich die seele aus dem leib kotzen? ach, ja, da gabs mal ein jahr, in der mitte meiner zwanzigjährigen suchtkrankheit. das war dann die steigerung ... essen als die erste rettung. wenn der rettungsbedarf zu gross dafür ist hungern. wenn hungern nicht mehr hilft essen und erbrechen und darin untergehen können. loslassen. alles was ich so verzweifelt festhalte. loslassen. mich dem fluss des lebens überlassen. halte ich etwas verzweifelt fest? ... wie kann es mir gelingen, da jetzt einen völlig unzensurierten und klaren und damit sinnvollen status quo zu deponieren, ohne einen roman zu schreiben, ohne mich zu verzetteln, ohne mich zu verirren??? als erstes muss ich damit aufhören, zur hälfte an den fragesteller zu denken und daran dass er diese antwort lesen wird. ich muss und soll und darf ihn ganz ausblenden. und muss es dann ja auch nicht an ihn senden. egal. scheissegal. scheissscheissscheissegal. alles. fast. nur viola nicht. mein kind mein kind mein kind. ja, ich weiss, was ich mir unterstützend für das hier vorstellen muss, weil es für mich zu schreiben reicht nicht, da dreh ich mich wohl nur in meinem mir bekannten kreis - ich muss mir vorstellen, dass ich mit einem mann in wahrhaftiger liebe verbunden bin, der mir sagt, er will alles wissen. alles. alles soll ich ihm sagen und nichts soll ich ihm verschweigen. er bittet mich darum. er will mich ganz sehen dürfen. weil es um den schatten ebenso geht wie um das licht. und weil man manchmal irrt in seiner inneren unterteilung in schatten und licht. und weil das, was wir vor anderen verstecken, nunmal das ist, was uns wirklich ausmacht. erlöse mich! will ich ihm sagen. und tu es doch nicht. weil ich weiss das die scheisswahrheit ist dass es so nicht funktioniert. dann trag mich wenigstens, will ich ihn anschnauzen. zornig. oder ist es in wahrheit ein leises hoffnungsloses darum flehen? wenigstens ein bißchen ein bißchen ein kleines bißchen oder nur ein stückchen dort wo ichs allein nicht mehr kann oder nur einmal einmal einmal ein kleines stück ein kleines stück. ja ... ein betteln ist es. leise. ganz leise. und heiser. aus einem rauhen hals. irgendwo aus einer ecke heraus wo ich mich versteckt halte in all meiner zitternden nackten schutzlosigkeit. oder es sind gar keine worten, ist nur etwas aus diesem kleinen leisen weinen übersetzbares. ... *kopfschüttel ... was es ist? ... ach, eh ein ganz normaler, durchschnittlicher mensch sein. blöd ist halt dass ich so viel seh und weiss und spür. aber damit bin ich ja auch nicht allein. vielleicht zu fragil für diese welt. oder noch zu wenig kaputt. ja. vielleicht sind die, die nicht mehr leiden, die ganz kaputten. ich muss mich retten. auch weil ich eine mama bin. aber wie soll mich jemand verstehen, der meinen weg nicht kennt, keinen ähnlichen weg hat, hatte? und diese sache mit dem selbstmitleid. mitleid. mitgefühl. was ist das eine und was ist das andere und was ist mit diesem selbst. soll man ja nicht haben, angeblich. selbstmitleid. und wenn ich selbstmitgefühl hätt, dann hätt ich ja auch selbstmitleid wenn da leid ist. scheisse. oder? und ich sage ja, absolut ja: ebenso wie eigenlob okay ist und man sich um gotteswillenandenichnichtglaube selbst lieben soll – ja, ebenso ist selbstmitgefühlmitleid gut und richtig. und nun kommen wir zur frage der dosis. ... *lach ... die ja in allem der springende punkt ist. zwanzig jahre lang suchtkrank sein und zehn jahre davon zu wissen und dann sich eine therapie erkämpfen und das damit alles endlich wirklich und richtig ans tageslicht zu zerren (und danach irgendwann auch beginnen es dort und da nahen menschen zu sagen und endlich beginnen wirklich ganz zu werden) – ja, wenn man mit soetwas immer ganz allein war ganz allein war ganz allein war ganz allein war ganz allein war ganz allein war ganz allein war ganz allein war und es auch noch sein wird auf dem weg von morgen, auf dem weg zum ende, zum suchtende, zum ende der gelebten sucht, ja, dann darf man selbstmitgefühlmitleid haben. JA! irgendjemand muss mit einem mitfühlen. das muss jemand tun. irgendjemand muss sehen was mit dir ist und dir die hand darin halten. nun – und das war nun mal nur ich. nur ich. nur ich selbst. selbstmitgefühlmitleid ja. aber wann nicht mehr oder nicht mehr so wie bisher oder einfach irgendwie ganz anders? wo und wie und wie viel davon soll und kann und muss ich abstreifen, jetzt, wo tageslichtstreifen auf mein leid zu fallen beginnen? kann mir das jemand sagen? oder muss ich das verdammte scheisse schon wieder ganz allein suchenfindenentscheiden? sich noch einen schluck selbstmitleid einschenken? oder gleich ein bad einlassen? um in seinem leid schneller versinken zu können? was sollen diese scheissgenialen irgendwie wahren und doch nicht wahren worte? was? ja? ich höre? okay ... da ist also zorn. na gut. also mal zeit für eine runde entspannung. ... *seufz ... ja. ja, ich weiss. ist schon gut. wirklich gesagt hab ichs nur den zwei männern, mit denen ich jeweils gelebt habe – damals, bevor dieses thema aus der therapie heraus in meinen alltag hinein langsam aufzubrechen begann. und beide konnten und wollten nicht damit umgehen. also war das thema ganz rasch wieder verschwunden. und eine erfahrung dazu da, die sich tief eingeprägt hat. scham ist da ja auch. komisch. ja. wie bei den kindern, die geschlagen werden, und die sich dafür irgendwie schämen. krank ist das. *lach, ja, genau! und arm. und ich brauch es, dass mir endlich jemand sagt, dass es wirklich schlimm ist, soetwas zu haben und zu durchleiden. und dass es wirklich grossartig war, dass ich es geschafft hab, mir da irgendwann professionelle hilfe dazu zu holen. und dass man mit meinem schweigen etwas tun muss. mit meinem über meine schwierigen dinge nicht reden können. meinem verstummen und meinem rückzug. und dass das auch alles ganz normal ist, also wenn man die masse der menschen hernimmt – ist es ein geschehen im rahmen des grossen, grossen normbereichs. dass das also bedeutet, dass ich nicht extrem seltsam bin, aber es auch nichts besonderes ist. nicht besonders. hm. ich erinnere mich noch – als ich ganz ganz allein damit war – nun, da war vor allem das leid, und dieses so in einer art parallelwelt süchtig sein aber auch dieser glanz, den dieses schreckliche sache hatte. wie ein grausamer schatz. ich erinnere mich, dass ich nicht wollte, dass den jemand berührt, der nur das grausame schreckliche hässliche darin sieht, der das mit diesem glanz und dem was er ist nicht weiss und versteht. und ich kann es auch nicht erklären, nein. ja, ja, ich weiss das eh alles, was die sucht macht und kann und wozu sie dient und was ich ihr verdanke verdanke verdanke und so weiter und so fort, ja, ich weiss es, und ich nehme es auch. damals vor jahren schon in meiner selbstanalyse und heute in meiner psychotherapie. psychotherapie. schwerstarbeit. schmerzarbeit. schwerstarbeit. die ich allein mach allein allein allein allein allein allein allein allein allein mach, fast im verborgenen mach, und jede woche mach und allein mach, und ich will verdammt noch mal hören, dass das eine grosse leistung ist! ja, auch wenn das viele machen, ja auch wenn das viele allein machen, verdammt noch mal! das ist doch egal! ich erhebe hier doch keinen anspruch auf exklusivität! aber es geht hier und jetzt gerade um mich. und um niemand anders. und realitvieren kann man immer in zumindest zwei richtungen. ja, eh, hab eh ein gutes leben. vor allem im vergleich zu anderen. gesundheitlich? du meine güte! schau, dass du gewicht verlierst, dann kriegt das dein körper schon noch hin, diese jahrzehntelange überbelastung auszubalancieren auf deine lebenszeit bezogen. thrombose? soetwas wie beginnende krampfadern? bandscheibenvorfall? angst vor diabetes? völlig überforderte brechende füsse? naja, einiges davon haben auch andere, nicht suchtkranke und nicht übergewichtige menschen. und das meiste davon wird sich drastisch verbessern, wenn du punkt eins befolgst. also! denk dran! andern gehts noch viel schlechter als dir! nicht wahr? ... scheiss drauf! und wieder anderen gehts viel besser! und vor allem: das interessiert mich nicht! ich leide, und ich leide jetzt, und wenn dir eben dein schädel zerspringt vor kopfschmerz dann hilft es dir gar nichts, dass fünf strassen weiter gerade jemand an dickdarmkrebs krepiert! alles klar? ... außerdem – machts mir angst. fühl mich so sehr bedroht. und ich hab genug davon. ich hab genug davon, seit fünf jahren wie ein von der schlange hypnotisiertes kaninchen auf meine gesundheit und deren entgleisungen zu starren! ... was mit meinem alltag ist? ach, was soll damit sein? ... *seufz ... *mitdenachselnzuck ... ist das jetzt hier wichtig? ... quasi wie ich denke und lebe und funktioniere? ... hab schon so viel geschrieben. und weiss gar nicht, ob es so richtig war. ob das alles ist, oder ob es zumindest das wesentliche ist, und ob es alles wirklich so dasteht wie es wirklich ist. oder ob ich noch viel mehr schreiben muss, darüber, wie ich denke und fühle und funktioniere. ... ach so, nein, die frage war ja: was ist es? was ist es, das du nicht aushältst? ... also dann hab ichs wohl beantwortet. ...

(INTAKT antwortet am 12.01.2012 um 12:48:00)

Sehr, sehr berührend Ihr Brief!!! Mutig stellen Sie sich Ihren Fragen und denen der anderen! Zeigen sich auf so ehrliche, schonungslose Weise, zerbrechlich und trotzdem so stark!!! Ja, es ist Ihnen schon so viel gelungen, Sie bleiben dran an Ihrem Prozess, sie wissen um die Scham, spüren aber auch, daß das Mitgefühl mit Ihrem großen Schmerz viel wichtiger ist. Denn niemals sind Sie allein schuld an etwas gewesen, was Ihnen widerfahren ist, Gott sei Dank haben Sie beschlossen, professionelle Unterstützung in Anspruch zu nehmen, so daß Sie nicht mehr alles alleine tragen mußten und somit wieder anders Verantwortung für Ihr Leben übernehmen konnten! Bitte blicken Sie weiter auf das, was Ihnen schon gelungen, mit Wohlwollen und Anerkennung und seien Sie nachsichtig mit sich, wenn Ihnen das nicht immer gelingen kann. Und seien Sie sich gewiß, daß Sie ein ganz besonders kostbarer Mensch sind, der zwar viel Unerträgliches erlebt hat, dem aber daraus vielleicht eine starke Kraft auch erwachsen darf. Erlauben Sie sich immer mehr, den Fokus auf das Geleistete zu legen, dann darf das Belastende immer mehr in den Hintergrund treten. Das Schreiben scheint eine sehr wichtige Ressource für Sie zu sein, machen Sie immer wieder Gebrauch davon, um sich alles von der Seele zu schreiben, um dann auch wieder Ihre Lebenskraft spüren zu können und vertrauensvoll das Hier und Jetzt zu leben, mit der Unterstützung von Menschen, die Sie lieben. Und Sie haben vollkommen recht, \"was ist es?\" ist wirklich eine Frage, die man sich selbst oft kaum beantworten kann und daher schon gar nicht jemandem anderen beantworten muß!!! Fragen Sie sich lieber immer wieder \"was brauch ich?\" und muten Sie sich damit zu! Alles alles Liebe und Gute!

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