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Grosse Sorgen

(Anonym fragte am 25.09.2011 um 21:14:32)

Meine Tochter ist Magersüchtig und ich weiß nicht wie ich ihr helfen kann. Sie isst kaum mehr (lediglich etwas Obst am Tag) was und treibt übermässig Sport. Dazu kommt noch, dass sie Abführtees trinkt und ihr ganzes Denken sich nur noch um Kalorien und Fettverbrennung dreht. Auch verschliesst sie sich komplett. Nicht nur mir als Mutter gegenüber sondern auch ihren Freunden gegenüber. Sie hat, so scheint es, jegliche Kontakte abgebrochen. Wie kann ich sie wieder erreichen und sie dazu bringen eine Therapie zu machen, ohne dass sie sich ganz von mir abewendet? Es kann doch nicht sein, dass ich zusehen muss wie mein Kind verhungert - oder? Welche Möglichkeiten habe ich als Angehöriger? Ich habe grosse Angst um mein Kind.

(INTAKT antwortet am 26.09.2011 um 14:47:06)

Liebe Mutter, Ihre großen Sorgen sind mehr als verständlich! Leider entspricht das Verhalten Ihrer Tochter dem Krankheitsbild der anorexia nervosa, Betroffene reagieren sehr oft so wie Ihre Tochter und es bedarf großer Geduld, aber auch ein Dranbleiben an Ihrer Sorge. Man darf nicht zu sehr insistieren, daß Ihre Tochter krank ist, sondern sollte über das Thema \"was hat sich verändert, was ist mir aufgefallen, was macht mich traurig oder was findet nicht mehr statt\" versuchen, wieder in Kontakt zu kommen und dabei vorerst den Fokus vom Essen wegzunehmen. Denn das Beharren auf mehr Essen verhärtet nur die Front. Die Frage ist, wer aus der Familie in all diesem Rückzug noch den unkompliziertesten Kontakt mit Ihrer Tochter hat oder wer von den Freunden trotzdem noch Kontakt mit Ihrer Tochter haben möchte und es auch aushält, weil er/ sie Ihre Tochter trotz Krankheit gern hat. Es ist wichtig, daß es vor allem um Ihre Tochter geht und nicht nur um ihre Krankheit geht. Gleichzeitig ist es wichtig, daß Sie auch Ihre Gefühle der Sorge zum Ausdruck bringen, jedoch ohne Vorwurf oder Massregelung oder zu sehr Eindringen, trotzdem haben Sie Mitverantwortung an der Gesundheit Ihrer Tochter (oder ist sie grossjährig? Dann braucht es umsomehr achtsameres Verhalten!) In solchen belastenden Situationen vergißt man oft, was früher gute und angenehme gemeinsame Themen oder Hobbys oder Rituale waren, die man wieder aufgreifen kann, um leichter in Kontakt zu kommen, um Ihrer Tochter zu vermitteln, daß man sie gern hat, auch wenn sie sich gerade in einer schwierigen Situation befindet. Wenn Sie sich sehr verzweifelt fühlen, kann es auch hilfreich sein, daß Sie selber unterstützende Gespräche mit Menschen führen, die Erfahrung mit dieser Krankheit haben, schön auch daß Sie sich an uns gewendet haben als ersten Schritt! Bei uns sind Elternabende möglich, aber auch persönliche Beratungsgespräche. Die Chance, die so eine Krankheit in sich birgt, ist, daß man einen hilfreichen Persönlichkeitsentwicklungsprozess durchgeht, wenn man sich professionelle Hilfe zugesteht und dieser nützt in vielen Lebensbereichen. Und je mehr Familienmitglieder bereit sind, auch von sich aus etwas zur Veränderung des Familienbeziehungsmuster z.B. beizutragen, umso eher wird es auch Ihrer Tochter möglich sein, ihre Krankheit wirklich als Krankheit zu akzeptieren und entsprechende mutige Schritte zu wagen. Schreiben Sie uns bitte wieder, sollten Sie weitere Fragen haben. Alles, alles Gute!

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