intakt Forum

zurück zur Übersicht

Nur noch essen...

(Amelie fragte am 08.08.2011 um 18:07:47)

Hallo!
Ich weiß mir nicht mehr zu helfen-seit Tagen bin ich nur noch am essen, vor allem Gebäck und irgendwelche Schokoladen in Mengen, bis mir schlecht wird oder ich Durchfall bekomme. Vor genau einem Jahr war es ähnlich, nur damals hatte ich ein Jahr Magersucht mit kaum Nahrungsaufnahme hinter mir. Ich wog nur 46 Kilo bei 1,69 Größe- jetzt habe ich auf 52,5 Kilo zugenommen und bin doch eigentlich wieder im Normalbereich damit!
Warum also dieses Fressen? Ich ertrage mich nicht mehr und kann mit niemandem darüber sprechen. Ich würde so gerne 2 Kilo abnehmen und mich damit wieder wohler in meiner Haut fühlen.
Durch diese ganze Thematik schaffe ich es auch kaum noch mich mit meiner Diplomarbeit zu beschäftigen und ich würde da doch so gerne weiter vorankommen...
Ich bin seit langem in therapeutischer Behandlung (im Moment jedoch einige Wochen Pause wegen Urlaub des T.) und mir geht es dadurch schon viel besser was andere Probleme angeht.
Aber was soll ich tun wegen dieser Fressanfälle?
Ich wäre sehr dankbar für jegliche Antwort!
Herzliche Grüße

(INTAKT antwortet am 08.08.2011 um 20:30:51)

Liebe Amelie, schön, daß Sie sich mutig an uns gewendet haben. Sicher wird Ihnen das Schreiben auch schon ein bißl Entlastung ermöglicht haben. Die Diplomarbeit, an der Sie schreiben, erzeugt sicher immer wieder Spannungen, mit denen Sie nicht immer gleich gelassen umgehen können. Die Unterbrechung einer Therapie wegen Sommerpause kann man auch nicht immer gleich gut wegstecken. Dann kann es schon dazu kommen, daß Essanfälle für entsprechende Entlastung herhalten müssen. Die Frage ist, ob Sie sich nicht ein paar Tage Auszeit gönnen können - andere machen ja auch Ferien - wo Sie einmal nur dem nachgehen, wonach Ihnen ist und wo Sie allerdings auf geregelte Mahlzeiten achten, ohne den Hintergedanken des Abnehmenmüssens. Denn solche Gedanken des \"Müssens\" resultieren oft aus einer Überforderung heraus. Das regelmässige Einhalten von Mahlzeiten ist ein ganz wichtiger \"Gegner\" von Essanfällen. Auch wenn Sie sich momentan nicht ertragen, ist es umso wichtiger, vor allem liebevoll und nachsichtig mit sich zu sein und sich zuzugestehen, daß es grad schwierig ist und man deshalb umso einfühlsamer - wie man selbst mit einer besten Freundin umgehen würde - mit sich umzugehen, und sich vor allem dafür die Erlaubnis zu geben. Probieren Sie es doch einmal drei Tage aus und holen Sie sich alle Unterstützung, die Sie in Ihrem Umfeld haben und erinnern Sie sich an alles, was Sie schon als hilfreich in Ihrer Therapie erarbeitet haben. Erfahren und erleben Sie den Unterschied und arbeiten Sie dann wieder in Ruhe und Gelassenheit an Ihrer Diplomarbeit, oder aber Sie gönnen sich noch mehr Auszeit, je nachdem, was Sie wirklich brauchen. Bitte schreiben Sie wieder, wenn Sie noch Fragen haben! Herzliche Grüße!

(INTAKT antwortet am 11.08.2011 um 14:28:50)

Leider hat diesmal die Antwort leider länger gedauert. Natürlich ist Ihr Brief überhaupt nicht zu belächeln, denn er zeigt sehr Ihre traurigen inneren Dialoge der Selbstverurteilung. Und es ist eine große Sehnsucht nach Kontakt mit anderen herauszulesen, den Sie sich aus bestimmten Gründen momentan nicht zugestehen. Doch wir alle Menschen sind Beziehungswesen und gerade in dunklen Stunden ist es wichtig, sich Unterstützung von vertrauten Menschen zu gönnen. Welchen Inhalt auch immer Ihre schweren Steine haben, sie dürfen es sich erlauben, sie auch einmal beiseite zu legen, um zu spüren, wie es sich anfühlt, etwa bloßfüssig über eine Sommerwiese zu gehen. Lassen Sie sich einladen, die momentanen Sonnenstrahlen zu nutzen und wirklich rauszugehen und ganz bewußt einen Schritt nach dem anderen setzen, vielleicht haben Sie einen Park in der Nähe, wo sie Kindern beim Spielen zuschauen können. Auch wenn Ihr Selbsthass Sie gerade so gefangen hält, so sind Sie mehr als er. Dieses Mehr kennen Sie auch schon aus Ihrer Therapie und dies gilt es immer wieder zu nähren und umsorgen. Auch wenn das Wetter grad nicht sehr erbauend ist, so ist trotzdem Sommer und das Licht hat mehr Kraft als die Dunkelheit, das möge Ihnen helfen, aus der Starre der Selbstverurteilung rauszukommen und wieder \"unter d\'Leut\" zu kommen!!!!Viel Sonne!

(Erweiterung der Fragestellung am 08.08.2011 um 22:26:04)

Vielen Dank für ihre lieben Worte. Es tat mir gut so schnell eine Rückmeldung zu bekommen.
Mir ist bewusst, wie schwierig die Situation im Moment ist, allerdings habe ich das Gefühl, dass gerade diese momentane \"Leere\" - also der fehlende feste, geregelte Studienalltag, als ich wenigstens etwas zu tun hatte (wenn mir auch das nicht wirklich gut tat)- mir sehr zu schaffen macht. Ich versuche mir daher eben selbst durch die Diplomarbeit eine Struktur zu schaffen, aber das gelingt mir zur Zeit überhaupt nicht.
Hinzukommt, dass ich seit Tagen mit keinem Menschen wirklich ernsthaft gesprochen habe, also persönliche ehrliche Gespräche meine ich - umso mehr tat mir ihre Antwort gut.
Ich habe keine Menschen, zu denen ich Vertrauen habe und es fällt mir noch immens schwer soziale Kontakte zu knüpfen. Ich schaffe das im Moment einfach nicht, ich will mich nur verkriechen.
Andererseits zehrt auch gerade diese Einsamkeit, dieses ewige Mit-sich-alleine-sein, sehr an meinen inneren Kräften. Ich weiß- das klingt sehr paradox - ist es ja auch- und das ist mein momentanes Dilemma.
So versuche ich, nicht nur schwarz zu sehen, denn gerade das werfe ich mir auch so vor: Dass ich es nicht auf die Reihe kriege, einfach zu leben- ohne mich durch irgendwelche Gedankengänge wieder in eine altbekannte Richtung runterziehen zu lassen.
Verstehen sie, was ich meine?
Ich würde ja so gerne unbeschwert laufen, aber so viele Steine hängen noch an meinen Fesseln. Zur Zeit habe ich das Gefühl, ich knote sie fester und fester anstatt sie endlich fallen zu lassen...
Wie soll ich diesen Selbsthass, der mich gerade wieder so beherrscht, beiseite schieben und mich mehr um mich selbst kümmern? Manchmal frage ich mich, welchen Sinn das überhaupt noch hat, wozu ich das denn tun sollte.
Im Moment will ich einfach nicht mehr, mich übermannt alles so enorm.
Ich hoffe, sie belächeln das nicht.

weitere Fragestellung hinzuf�gen

Anmerkung: Aus Gründen der Sicherheit und um den Missbrauch des "intakt-Forums" zu verhindern, kann nur der- bzw. diejenige die Fragestellung erweitern, der/die auch die ursprüngliche Frage gestellt hat. Jedes Anliegen muss also mit einer neuen Fragestellung begonnen werden. Um die persönliche Fragestellung zu konkretisieren ist der zugewiesene Authentifizierungscode notwendig. Diesen erhalten Sie bei der erstmaligen Fragestellung. Jede Eintragung in das Forum bleibt anonym.