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Wie geht es weiter? Nachtrag

(Anonym fragte am 12.07.2011 um 12:28:36)

Liebes INTAKT-Team,

Ich muss jetzt leider eine neue Fragestellung aufmachen und kann es nicht unter meinen Beitrag vom 8.7. schreiben.

Ich danke Ihnen sehr für die lieben, motivierenden Worte. Sie wecken und stärken wieder Vertrauen. Und das fühlt sich total gut an. Es stimmt, mein Vertrauen ist auch in den kritischsten Zeiten nicht gänzlich verschwunden. Es ist für mich sehr hilfreich, wenn es eine Stelle gibt, an denen ich meine Befindlichkeiten zusammenhängend los werden kann. Ich habe zwar wieder Freunde, aber so im Zusammenhang was von der Seele zu schreiben, kann ich irgendwie nicht, weil die Freunde das nicht verstehen oder nachvollziehen können oder ich ihnen das unterstelle. Schreiben fällt mir deutlich leichter als das gesprochene Wort von Angesicht zu Angesicht. Da neige ich dazu meine Befindlichkeiten zu relativieren, so dass ich erscheine als hätte ich alles im Griff, keine wirklichen Sorgen und Ängste. Da habe ich zusätzliche Angst vor der Reaktion, wenn ich Mimik und Gestik sehe, Tonfall höre und das, was hier hinten runter fallen darf.

Ich würde Ihnen gern noch etwas anvertrauen. Das ist mir recht unangenehm, weil ich mich wie ein Lügner fühle. Meine Gedanken um meine Essstörung gehen sehr, sehr seltsame Wege. Ich sehne mich in verflucht kritischen, zermürbenden Zeiten dazu, mich wieder treiben zu lassen, mich in die Arme der Bulimie zu flüchten. Das hatte ich ja schon ausgeführt. Und ich male mir sehr genau aus, wie ich mich hingebe, was ich tue, was ich esse, welche Lust ich verspüren könnte und wie ich es in Erwartung von Erleichterung der Toilette herunterspüle, damit der Abwasserkanal sehen kann, was er damit macht. Und ich schäme und verurteile mich für diese bildhaften Gedanken, weiß aber nie, welche Strafe ich mir für diese rein gedanklichen Rückfälle mir aufbürden sollte. Und da mich der Gedanke an Bestrafung nicht los gelassen hat, habe ich in meiner Beschreibung meiner aktuellen Befindlichkeit und Situation am 8.7. einfach behauptet, es seien tatsächlich 5 geschehene Rückfälle, damit Sie ein Urteil über mich fällen können und ich endlich meine Strafe erhalte. Es war für mich sehr befremdlich, erstaunlich und ernüchternd zu sehen, dass ich für Rückfälle nicht verurteilt werden würde, sondern sogar auf Verständnis stosse. Es ist verrückt, aber dadurch, dass ich Verständnis erhalten habe, habe ich kein Bedürfnis mehr mich für Rückfall-Gedanken, so plastisch sie sind, zu bestrafen. Ich kann meine Angst und der Zwang mich zu bestrafen ein Stück weit loslassen. Aber ich find es immernoch schizophren, so was zu behaupten, obwohl sie tatsächlich nicht stattgefunden haben. Ich hoffe, ich werde nicht auch noch verrückt und sehe mich bald als Kunde in der geschlossenen Abteilung der Psychiatrie. Aber die Motovation weiterhin nicht wirklich wieder in die Sucht zu fallen ist noch ungehindert da. Wie sehen Sie denn solche plastischen Gedanken über Rückfälle? So rein plastisch und bildhaft habe ich sie eben nur selten, also wirklich seit Mitte Juni 5 mal, wenn ich mich rein steigere in Angst, aber im Hintergrund neuerdings die Hemmung es wirklich zu tun. Soll ich mich trotzdem gut fühlen oder ist das befremdlich und besorgniserregend? Da kann ich für mich noch keine Stellung zu nehmen.



Ich zehre von Ihren sehr lieben und verständnisvollen Worten und bin sehr dankbar dafür.

Liebe Grüße

(INTAKT antwortet am 12.07.2011 um 16:07:07)

Liebe Forumsschreiberin!

Gut, dass Sie einen Ort gefunden haben, an dem Sie Ihre Gedanken und Gefühle deponieren können. Es ist schön zu beobachten, dass Sie die positiven Worte auch annehmen können. Außerdem ist es auch verständlich, dass gewisse sehr persönliche Details nicht oder noch nicht mit dem Freundeskreis geteilt werden. Bitte schämen Sie sich auch nicht dafür, dass Sie es nicht Ihren Freunden anvertrauen. Solche Dinge brauchen Zeit und Vertrauen, auf beiden Seiten!
Dass Sie sich das Erbrechen nur vorgestellt haben und es nicht wirklich passiert ist, dürfen Sie als noch größeren Erfolg sehen. Freuen Sie sich darüber, dass Ihr Fluchtweg nur mehr aus Gedanken besteht und Sie damit neuerlich zeigen, wie sehr Sie sich selbst und Ihr Leben wahr und ernst nehmen. Es ist durchaus verständlich, wissen zu wollen, was andere über diese oder jene Verhaltensweisen oder Gedanken meinen. Es ist spannend, wie leicht Sie auch von diesen Bildern wegkommen, wenn anerkannt wird, was Sie schon geschafft haben. Verschwenden Sie bitte keine Gedanken an „schizophren oder Psychiatrie“, sondern bestärken Sie sich in Ihrem Wunsch nach einem gesunden, ressourcenreichen Leben. Und wenn Angst kommt, darf Sie auch wieder gehen! Wichtig ist es, sich selbst eine liebevolle Stütze zu sein, auch dahingehend eigene Haltungen und Meinungen Wert zu schätzen. Bejahen Sie jeden Schritt, den Sie in eine positive Zukunft tun, freuen Sie sich und ja, bitte fühlen Sie sich gut!!!

(Erweiterung der Fragestellung am 14.07.2011 um 11:36:27)

Hallo Liebes INTAKT-Team,

Schon wieder so eine liebe Antwort. Danke schön. Es ist bei mir leider momentan so, dass ich genauso wie ich leicht von den Bildern und Gedanken weg komme, genauso leicht auch wieder dran komme. Es ist ein ewiges Auf und Ab in mir. Das schlaucht ganz schön. Ich habe noch 18 Tage bis die Gespräche in der Humangenetik weiter gehen und wir haben uns darauf verständigt, bis zum Geburtstag meiner Tochter in der vorletzten Augustwoche ich das Ergebnis habe.
Mein Körper ist gestresst und erzählt mit mir. Ich kann aber nicht eindeutig deuten was er mir mitteilen will und schon gar nicht adäquat und langanhaltend was daran ändern. Mein Rücken tut weh, an der Stelle, an der in Brustwirbelbereich meine Skoliose sitzt, das zieht sich über den Nacken bis zum Hals. Es ist verspannt und versteift sich zunehmend. Jede Form von Übung, die ich zur Entspannung und Lockerung angehe führt dazu, dass der latente Kopfschmerz, der sich zu der Verspannung bildet, stärker wird. Der wiederum führt dann dazu, dass, wenn es heftig wird, mein Körper sich in einem sich windenden Krampf und Kampf am Ende des Tages alles verdauliche entledigt, was sich in ihm befindet und er wringt sich weiter aus, auch wenn schon alles draußen ist. Ich tu nichts dazu, kann es auch nicht verhindern. Ich lass es nur über mich ergehen und schaue, wie es am besten für mich ist. Ich liege dann eine Zeit lang und sobald ich mich aufrichte, fängt das Spiel von vorne an. Irgendwann, wenn ich einige Male zwischen liegen und dösen, aufstehen und dem Hängen über dem Eimer gewechselt hat, ist der Spuk vorbei. Das ist nur das Extrem, was seit Samstag mir zwei mal geschehen ist.
Mittlerweile bekomme ich Durchfall vom Dauerstress. Ich nehme schon angstlösende Antidepressiva, die aber scheinbar keine Wirkung mehr haben.
Ablenken von meinen Gedanken und Bildern kann ich recht gut. Nur sobald ich alleine mit mir bin und mich entspannen und ausruhen will, weil mir danach ist, bin ich wieder voll drin in dem innerlichen Angstkarusell. Das ist das Verrückte. Ich brauche Ruhe, körperliche Ruhe und auch seelische, aber das schließt sich gegenseitig aus. Ich kann mich körperlich nicht ausruhen, weil meine Gedanken dann Amok laufen, mich in Angst- und Panikzustände werfen, mal übertrieben ausgedrückt. Und gedankliche mehr oder weniger Ruhe finde ich nur in körperlichen Aktivitäten, in Beschäftigungen und Treffen mit Freunden. Ich bin sehr dankbar dafür, wenn das klappt mit dem Ablenken, aber ich brauche körperliche Ruhe. Es ist ein fast unerträglicher Zustand und ich sehne mich nach emotionaler Unterstützung. Mittlerweile wäre ich in der akuten Zeit sogar freiwillig bereit in der Not bei unserer psychiatrischen Ambulanz vorbei zu schauen, in der Hoffnung, die können mir helfen. Aber ich will auf keinen Fall dort bleiben, ich bin ja nicht verrückt und was mir noch wichtiger ist, ich bin alleinerziehend und will mein Kind nicht abschieben. Dazu bin ich nicht bereit diese Konsequenz für eigenes Wohlergehen zu ziehen. Behalten die einen immer gleich stationär da? Oder darf ich da wieder gehen? Oder ist es wirklich so, einmal hin und erst Wochen später wieder raus. Wissen sie das zufällig? Dewegen werd ich nicht da hin gehen. Ich verspüre mehr und mehr den Wunsch wieder zu meiner Therapeutin zu gehen. Aber ich weiß nicht, ob ich berechtigt dazu bin oder ob ich das alleine bewältigen muss. Ich kann nicht unterscheiden, was ich alleine oder im Freundeskreis regulieren muss und für was ich therapeutische Hilfe in Anspruch nehmen darf.
Ich habe den Hang, bevor ich mich persönlich an irgend eine Stelle wende, alle Eventualitäten abzuklären und SIcherheiten zu haben, dass ich die Berechtigung habe. Wie gesagt, langsam mag ich meine inneren Zustände immer weniger aushalten, weil sie einfach viel zu schnell wieder kommen und lästig und belastend sind.

Ich danke Ihnen schon mal und denke, dass ich Sie dann erst mal wieder eine Zeit lang in Ruhe lasse.

(INTAKT antwortet am 18.07.2011 um 13:29:12)

Leider kann Ihr Brief erst heute beantwortet werden! Bitte wenden Sie sich an Ihre Therapeutin, so wie Sie sich schildern, haben Sie alles Recht dazu, sich Unterstützung zu holen!!! Ihre Therapeutin kennt Sie gut und weiß auch um Ihre Ressourcen, an die Sie wieder andocken können! Die Frage um diese Zeit ist nur, ob sie nicht auf Urlaub ist, aber das können Sie telefonisch abklären. Auch ist die Frage, ob Sie das geeignete Antidepressiva bekommen haben, oder ob Sie eben nicht adäquat darauf ansprechen und es eventuell für Ihre Bedürfnisse ein anderes besseres Medikament geben könnte. Das wiederum kann nur Ihr/e PsychiaterIn entscheiden. Bitte kontaktieren Sie auch sie bzw.ihn!!! Sonst wenden Sie sich an das Kriseninterventionszentrum ( 01/406 95 95 0; Mo-Fr 10.00-17.00; 1090 Wien, Lazarettgasse 14A ), dort ist man spezialisiert auf akute Krisen! Haben Sie keine Scheu, sich jedwede Hilfe zu holen, Ihre Angst und Sorgen sind nachvollziehbar, Ihre innere Not darf nicht unterschätzt werden, aber gleichzeitig wissen Sie auch, was Ihnen auch gelungen ist und welche Ressourcen in Ihnen stecken, diese dürfen a la long wieder vorrangig sein! Alles, alles Gute!

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