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Magersucht: Wie soll ich reagieren

(Freundin fragte am 03.07.2011 um 18:08:01)

Hallo!
Habe ein paar Fragen zur Mageruscht. Meine Freundin Sarah (20) ist davon betroffen. Sie ist ca. 1,70m groß und ich schätze sie hat nur mehr 47kg hat. Es ist schon so weit,dass sie ihre Familie und mich anlügt. Sie sagt zu ihrer Schwester sie isst dann gemeinsam mit mir, obwohl dass garnicht stimmt. Sie täuscht immer öfter vor, hier und dort etwas gegessen zu haben. Sie weiß, dass wir schon besonders darauf achten. Sie redet meistens vom Essen und weiß bei jedem einzelnen, mit welcher Masche sie denjenigen beruhigen kann. Sie ist sehr klug und ist bei jeder Person einen Schritt voraus um sie zu beruhigen. Sie tut ja eh was dagegen. Sie nimmt ja eh die Tabletten. Sie hat schon sämtliche ärztliche Untersuchungen gehabt bei der sehr schlechte Blutwerte herausgekommen sind. Die Ärzte wolle sie auch regelmäßig wieder sehen. Man merkt, dass sie nicht mehr hin will. \"Die kosten ja soviel Geld. Ich will nicht, dass ihr soviel für mich ausgebt.\"Sie weiß selbst, dass sie sehr dünn ist und gibt auch vor dass sie etwas dagegen tut.. Ca. 3 mal war sie auch schon bei einer Kinesologin. In den letzten Wochen hat sich die Situation sehr verschlechtert.
Ihre Mutter hat sie dieses Wochenende offen darauf aufmerksam gemacht, dass sie sich um sie sorgen macht und sie sollte in Therapie gehen. Darauf hat sie geantwortet: \"Ich wüsste nicht, ob ich bei meinem Kind solange zugesehen hätte\" So versuchte ihre Mutter wieder ruhig zu stellen. Man merkt sie meidet das Gewichtsthema..
Ich weiß jetzt nicht wie ich reagieren soll. Bis jetzt wollte ich keinen zusätzlichen Druck machen, und hab ihr gezeigt, dass ich immer für sie da bin. Dementsprechend hat sie bei mir nicht zornig geantwortet. Bei ihrer Familie ist sie immer zornig wenn es darum geht.
Das Problem wird dadurch verstärkt, dass sie Student ist und deshalb alleine eine Wohnung hat und sich jederzeit problemlos abkappseln kann. Natürlich hat jeder Angst davor, dass dies passiert und der Kontakt verloren geht. Es is auch schon soweit, dass sie bei Telefongesprächen einfach auflegt. Zudem ist sie eine starke Frau und lässt sich nichts gefallen.
Ich weiß jetzt nicht wie ich reagieren soll. Soll so wie jetzt ihne Druck weiter machen? Oder soll ich sie auch zur Therapie zwingen. Ich weiß, dass ihre Familie jetzt schon sehr dazu drängt und Druck machen. Sie möchten noch die letzten Prüfungen (bis 22. Juli) abwarten und dann etwas machen, weil sie schon 1 Jahr verloren hat und die Prüfungen für die Sarah wichtig sind (sie studiert Biologie). Demenntsprechend weiß sie ja, was sie essen muss, um zuzunehmen und was gesund ist!
Bitte um Hilfe!

Schon probiert:
Bin bis jetzt die Person geblieben, die keinen Druck macht und sie nicht auf das Essen angesprochen. Habe daraufgeachtet, dass wir oft gemeinsam essen gegangen sind. Da hat sie auch immer alles aufgegessen. Aber mittlerweile weiß nicht mehr, ob sie es nacher ausgebrochen hat Die Familie hat jetzt mit mir Kontakt aufgenommen. Seit dem ist mir erst richtig bewusst, wie ernst die Lage ist. Sie verwendet mich auch als Vorwand der Familie gegenüber.

(INTAKT antwortet am 04.07.2011 um 19:53:25)

Liebe Freundin! Ihr letzter Satz ist nicht ganz verständlich, aber der restliche Brief macht sehr den Erkrankungszustand Ihrer Freundin sichtbar. Mit all den Symptomen der Magersucht und den dazugehörigen Strategien und auch der begleitenden Ohnmacht der Familie. Als Freundin haben Sie bis jetzt eine klare Haltung als Freundin eingenommen, die ihre Augen offen hat, Veränderungen bemerkt und Strategien durchschaut. Das heißt, Sie sind wirklich eine verständnisvolle Freundin, doch jetzt ist ein Punkt gekommen, wo Sie daran zweifeln, ob Ihre Haltung noch weiter tragbar ist, noch dazu, wo die Familie sich auch an Sie wendet.
In Ihrem Brief kommt oft das Wort \"Druck\" vor. Vielleicht ist es in der momentan schon zugespitzten Situation wichtig, diesen Druck durch KLARHEIT zu ersetzen. Wie kann es Ihnen gelingen, klar zusein, daß Ihre Freundin sich in einem sehr, sehr belasteten gesundheitlichen Zustand befindet und diese Klarheit in aller Freundschaft, die Sie in all der Zeit davor ja auch zum Ausdruck gebracht haben, Ihrer Freundin zu vermitteln. Freilich ist das immer wieder eine Gratwanderung und es kann passieren, daß Sie durch Abwehrsätze oder Vorwürfe genauso verletzt werden, so wie es der Mutter Ihrer Freundin passiert ist. Da ist es dann besonders wichtig, klar zu sein, ihre große, berechtigte Sorge zum Ausdruck zu bringen, kundzutun, daß Sie nicht als Spielball zur Verfügung stehen wollen und gleichzeitig Ihre Freundschaft betonen, die Ihnen wichtig ist und sicherlich auch Ihrer Freundin. Dieses Dranbleiben am zum Ausdruckbringen der Fakten kann Ihnen als Freundin vielleicht leichter gelingen als der Familie selber und das gleichzeitige Beteuern, wie wichtig Ihnen Ihre Freundschaft ist. Bis jetzt haben Sie ihr sicher einen großen Dienst erwiesen, daß Sie einfach drauf geschaut haben, daß sie regelmässig ißt und Sie dabei waren, vielleicht können Sie das bis zur Prüfung beibehalten. Und sollten Sie bemerken, daß Ihre Freundin erbricht, auch das anzusprechen. Eben auch mit der Klarheit, daß ihr Hirn Nahrung braucht, wenn Ihre Freundin die Prüfung bestehen will. Tief drinnen weiß Ihre Freundin, daß sie Hilfe braucht und es tut ihr sicher gut, wenn eine Freundin wie Sie es sind, ihre Sorge in aller Klarheit darlegt und auch zugibt, daß sie an Grenzen stößt und sich überfordert fühlt. Vielleicht fragen Sie Ihre Freundin einmal, wie sie sich verhalten würde, wenn die Rollen vertauscht wären, und vielleicht erklären Sie ihr auch, welche Gedanken Sie sich machen, um eine unterstützende Freundin zu sein. Aber bitte behalten Sie bei all dem im Sinn, daß Ihre Freundin an einer schweren Krankheit leidet, die professionelle Unterstützung braucht. So wie die Ärzte ja auch schon ein belastendes Blutbild erkannt haben und deshalb Handlungsbedarf besteht, so braucht Ihre Freundin auch psychotherapeutische Unterstützung. Wichtig wäre auch, daß sich die Familie Ihrer Freundin Unterstützung von kompetenter Seite holt, um zu erkennen, was hilfreich sein kann, damit Ihrer Freundin der Weg zur Hilfe leichter wird. Auch da ist es wichtig, daß Sie sich klar abgrenzen, was für Sie zu überfordernd ist! Eltern sind oft aus einer Verstrickung und der ewig belastenden Schuldfrage heraus sehr lang unfähig, klar zu sein. Dabei wäre es hilfreicher, zu fragen, \"Wie können wir - jeder von uns in der Familie - was verändern, um unseren Teil des Veränderungsprozesses beizutragen, damit unsere Tochter all die Energie und Stärke, die sie für diese Krankheit einsetzt, auch für ihren Gesundungsprozess verwenden kann!\" Liebe Freundin, achten Sie weiter auf das, was Ihre Freundschaft nährt, achten Sie auf Ihre eigenen Grenzen und beachten Sie bitte, daß man niemandem die Verantwortung fürs Gesundwerden abnehmen kann. Passen Sie vor allem auch gut auf sich auf, es darf Ihnen gut gehen, auch wenn es Ihrer Freundin schlecht geht, geniessen Sie trotzdem die Fülle, die das Leben für Sie bereithält und machen sie Ihrer Freundin dadurch Mut, auch wieder dorthinkommen zu wollen. Bitte melden Sie sich wieder, wenn Sie weitere Fragen haben! Und...schön, daß Sie sich an uns gewendet haben!

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