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odi et amo

(Anonym fragte am 07.02.2011 um 16:58:11)

....ich bin hübsch, intelligent, verdiene gut, habe mehr Freunde als ich zurückrufen kann bin wahnsinnig glücklich verheiratet....und plane seit einer Woche meinen nächsten Fressanfall! Ich denke quasi ständig daran, ich habe mir einen Essens- Vorrat angelegt und er wächst täglich! Bis zu dem Zeitpunkt, den ich selbst gar nicht genau kenne, ich spüre ihn nur nahen, an dem ich das alles, was ich so wahnsinnig gern ständig essen würde in Rekordzeit in mich hineinschaufle. Bis zur absoluten Bewegungsunfähigkeit. Wie jeder klassische Binge-Eater hasse ich mich danach ca. 2 Tage und faste natürlich ganz brav mit Sporteinlagen. In dieser Zeit jetzt bin ich eigentlich außerordentlich gut gelaunt (weil in Vorbereitung auf das große Ereignis) und esse wenig, damit ich für die Kalorien ein bißchen \"vorgefastet\" habe. Ich verstehe das nicht - ich bin ein rationaler Mensch! Ich hätte soviel anderes was mich glücklich machen könnte (unter anderem nette \"normale\" Abendessen mit Freunden, die ich mir aber in Vorbereitung auf das große Fressen nicht gönne).
Es wäre so schön einen Tipp zu bekommen woher sowas kommt bzw. ob es noch jemanden gibt der das in der Form hat. Sowas wie den \"lucky looser\" unter den Essgestörten.
Freue mich auf Antwort.

(INTAKT antwortet am 07.02.2011 um 20:57:24)

Sie schreiben mit \"köstlicher\" Ehrlichkeit, wie sehr Sie in Ihrem Essenskreislauf gefangen sind. Gleichzeitig bleibt einem beim Lesen fast die Luft weg und es drängen sich die Fragen in den Vordergrund: \"Wie geht diese Frau mit sich um? Was braucht sie wirklich? Wofür sind diese Essrituale gut, woran muß sie dann in der langen Vorbereitungszeit nicht denken, womit braucht sie sich nicht auseinandersetzen, weil das Essen eben so viel Raum einnimmt?\"
Essrituale, wie Sie sie beschreiben, sind sehr sehr autoaggressiv - vordergründig wollen Sie sich was Gutes gönnen, die Vorfreude darauf scheint Sie zu beglücken - aber es ist sehr grausam, was Sie sich und Ihrem Körper da antun.
Hat ODI was mit Hass zu tun, als Gegenpart zu AMO? Kann es sein, daß Sie sehr damit ringen, sich zu mögen, obwohl vielleicht alle glauben, daß Sie es eh tun, erfolgreich, hübsch, begehrt wie Sie sich darstellen.
Ihr Essensrhythmus scheint ganz aus den Fugen geraten zu sein, das ist sehr belastend für Ihren Körper, aber auch für Ihre Seele, denn sie scheint nicht das zu bekommen, was sie braucht, wenn es um Genuß und vielleicht Lebensfreude geht (Abendessen mit Freunden).
Dieses Essen und Nichtessen sind Lebensbewältigungsstrategien, aber ehrlicher wären die Fragen: \"Was brauch ich wirklich? Was traue ich mich nicht zu artikulieren? Warum mute ich mich nicht zu mit meinen Bedürfnissen? Wie kann ich anders mit meiner Aggression umgehen als sie nur gegen mich zu richten?\" Antworten auf solche Fragen kann man im geschützten Rahmen einer Therapie leichter entwickeln und es wäre wichtig, wenn Sie das annehmen können! Sie können sicher sein, daß es viele gibt, denen es ähnlich ergeht wie Ihnen, die wahrscheinlich auch ähnlich verzweifelt sind, und sich auch nicht vorstellen können, daß andere ebenso gnadenlos zu sich sind wie man selber. Letztlich wollen Sie sicher kein \"lucky looser\" bleiben, sondern Ihr Leben mit all den Ihnen zur Verfügung stehenden Möglichkeiten auch geniessen, Verantwortung für Ihr Gesundwerden übernehmen (Binge Eating Disorder ist eine Krankheit, die ernst genommen werden muß und einer Behandlung bedarf)und Ihre Strategien GEGEN sich in Schauen AUF sich umwandeln. Denn sonst hätten Sie uns nicht geschrieben!Bitte bleiben Sie dran und gehen Sie mutig weitere Schritte, bis Sie entsprehende Hilfe gefunden haben! Alles Gute!

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