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Wo stehe ich??? Was ist der nächste Schritt?

(Eddy fragte am 20.06.2010 um 22:18:31)

Ich bin männlich und 41 Jahre alt.Vor ca.22 Jahren begann meine Essstörung mit Magersucht und Bulämie. Was ich bis vor ca. 1/2 jahr nicht wusste ist das ich auch depressiv bin, eine Angststörung hat sich entwickelt. Deswegen war ich im Frühjahr 2010 8 Wochen in einer klinik. Ich habe die letzen 10 Jahre nicht mehr erbrochen aber nach der Entlassung aus der Klinik, der Trennung von meiner Frau und Kindern, Umzug in eine Neue Wohnung, ein Wiederseinstieg in meinen Beruf (Krankenpfleger),alles im März bis Mai diesen Jahres habe ich wieder angefangen zu erbrechen. Es ist zwar nicht so häufig wie früher, (ca. alle 14 Tage) aber ich frage mich ob ich das alles mit meiner Ambulanten Therapie zu schaffen ist. Mal geht es mir richtig gut und dann mache ich es mir mit meinen Essverhalten(Nahrungskarenz über 20 Stunden und folgenden Heisshunger) wieder selbst kaputt. Mir fehlt ganz sicher der Therapeutische Tisch, den es in der klinik gab.Nach der Trennung von meiner Frau bin ich viel abends alleine und das sind die schwersten Stunden. Ich erlebe wieder öfter, wie ich die Kontrolle verliere. Ich esse wenn ich alleine bin nurnoch abends.Dann meist alles was ich den Tag hätte essen müßen. Meistens ohne zu erbrechen, aber.....(siehe oben).Ich merke wie sich alles wieder beginnt um das Essen zu drehen. Ich habe einen normalen BMI. Was auch wieder häufiger wird sind die Hyperventilationsanfälle ohne oder mit Grund, teilweise Angst vor der Arbeit. Es ist schwer für mich meine Situation realistisch einzuschätzen. Reicht meine ambulante Therapie ? Bin ich nur ein Spinner, der es einfach nicht gebacken bekommt? Einige leute sagen für das was ich erlebt habe ist das garnicht so schlecht.Naja Ich habe Angst das alles so wie früher wird. Ich erlebe neue Emotionen. die ich seit 20 Jahren nicht mehr kannte. Weinen,lachen glücklich und traurig sein. Ich habe mich neu verliebt und trotzdem bestimmt meine Krankheit mich glaube ich immer mehr!!??!!

Ich erbitte eine Einschätzung der Situation, da ich selbst dazu nicht in der Lage bin sie selbst konstruktiv einzuschätzen.
Vielen Dank
Eddy

(INTAKT antwortet am 21.06.2010 um 20:31:21)

Lieber Eddy, danke für Ihren ausführlichen Brief! Im Moment befinden Sie sich in einer Lebensphase, in der alles im Umbruch ist. Nach dem stationären Aufenthalt, der Ihnen wahrscheinlich Halt und Struktur gegeben hat, waren Sie konfrontiert mit so vielen - wohl auch sehr schmerzlichen - Veränderungen, daß es nicht verwunderlich ist, daß Sie in alte, entsprechend vertraute Verhaltensmuster gefallen sind. Trauerprozesse brauchen ihre Zeit und jeder Neubeginn birgt auch Angst vor dem Unbekannten, so ist also sehr wichtig, daß Sie in wöchentlicher Therapie sind und dadurch regelmässige Unterstützung in diesem Veränderungsprozeß haben, der auf so vielen Ebenen gleichzeitig stattfindet. Da braucht es Geduld mit sich und das Vertrauen zu sich, daß letzlich neue Strategien anstelle der Essstörung greifen dürfen.
Da Sie schreiben, daß Ihnen der \"Therapeutische Tisch\" fehlt, möchte ich darauf aufmerksam machen, daß es bei intakt im 14-tägigen Rhythmus die Möglichkeit der Verhaltensmedizinischen Gruppe gibt, die von unserer Internistin Dr.Theresia Tiller geleitet wird. Ziel dieser Gruppe ist es, im Austausch mit anderen mehr für sich in Erfahrung zu bringen, was das Essverhalten überhaupt, die Funktion der Symptome, das Einüben neuer Denk- und Verhaltensansätze, das Erlernen eines ausgewogenen Essverhaltens etc. anbelangt. Man kann jederzeit in die laufende Gruppe einsteigen, es ist verpflichtend, daß man in Einzeltherapie ist.
So wie einige Leute sagen, daß Sie es gar nicht so schlecht machen, so dürfen Sie sich anerkennen, was Ihnen auch gelingt und Verständnis für sich aufbringen, daß es eben sehr viel auf einmal ist, mit dem Sie zurechtkommen müssen und mit der Zeit wird es Ihnen gelingen, für sich eine andere Achtsamkeit zu entwickeln - eigentlich sind Sie da ja schon mitten drin, mit all den neuen Emotionen, die Sie zulassen - sodaß es Ihnen möglich sein wird, zu einem regelmässigen Essen zurückzufinden. Alles Gute für diesen Gesundungsprozess und schreiben Sie wieder, wenn Sie noch Fragen haben!

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