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Wie kann ich helfen ?

(Anonym fragte am 13.03.2010 um 14:39:40)

Ich bin 15 jahre alt und meine Schwester ist 25 Jahre alt und leidet seit 9 Jahren unter schweren Essstörungen. Meine gesamte Familie ist verzweifelt. Sie ist mit 15 Jahren magersüchtig geworden. Sie hat immer gesagt, wenn ich dass geschafft habe fange ich an normal zu essen. Sie hat schon länger keinen Freund gehabt und dann hat sie wieder gesagt, wenn ich einen habe fange ich an, nun hat sie ihren Mister Perfect gefunden und sie tut es immer noch nicht. Sie hat sogar eine eigene Wohnung bekommen. Ihre tägliche Mahlzeit ist morgens eine Fitnessstange mit 5 Schreiben Käse und dann noch ein ein Activia Joghurt. Dann presst sie sich noch jeden morgen ein Glas Orangensaft aus. AUßerdem ist sie noch Schokolade und Kuchen , also anstatt was gesundes nur Süßigkeiten. Trinken tut sie noch eine Pflasche Apfelschorle und ganz viel Cola. Es ist schlimm das zu wissen. Wenn man sie auf das Thema anspricht oder sie fragt ob sie jetzt vielleicht was essen will, rastet sie vollkommen aus. Sie schreit meine Mutter an und blockt dann. Sie singt und ignoriert sie und meldet sich nicht. Sie ist dann stocksauer. Wenn man sie anrufen will drückt sie einen sofoert weg. Heute gab es wieder eine Ausseinandersetzung und ich bin dann auch mal augerastet. Ich habe ihr gesagt, dass sie einen Ego- Tripp macht . Meine Mutter ist auch am ende. Mama hat mir dann auch nachher gesagt, dass man das nicht machen soll, aber ich bin am Ende. Ich kann einfach mnicht länger mit ansehen, wie sie \"kaputt\" geht. Sie lässt sich von niemanden halfen und will auch nicht auf das Thema angesprochen werden. Selbst ihre Freundinnen können ihr nicht helfen. Bitte helfen sie schnell!!!

(INTAKT antwortet am 15.03.2010 um 13:27:51)

Gut, daß Sie Ihrer Verzweiflung Ausdruck verleihen und uns schreiben! Sie sind als Schwester an einem Punkt angekommen, wo Sie einfach nicht mehr zuschauen können und Hilfe von außen in Anspruch nehmen. Sie haben in Ihrer Emotion sehr authent reagiert und das kann auch manchmal gut sein, um zu zeigen, daß Grenzen erreicht sind.
Ihre Schwester kann wahrscheinlich den Ego-Trip nicht wirklich akzeptieren, da sie an einer schweren Krankheit leidet, aber scheinbar keine medizinische oder therapeutische Hilfe in Anspruch nimmt. Trotzdem ist es wichtig, eigene Besorgnisse zu äußern und vor allem Grenzen zu setzen. Dieses Krankheitsbild lädt oft Familien ein, Betroffene mit Glaceehandschuhen anzufassen, allen verbalen und nonverbalen Botschaften zu entsprechen und dabei eigene Bedürfnisse hintanzustellen. Das ist für alle Beteiligte nicht dienlich, weder für die Betroffene noch für die Familienmitglieder, weil dadurch die Krankheit so einen großen Stellenwert bekommt und die Bedürfnisse der einzelnen keinen Platz mehr haben. Das bringt Distanz statt Nähe und Wut und Ärger statt Verständnis.
Aber wenn Situationen eskalieren, können auch neue Schritte gesetzt werden, das zeigt Ihr Brief. Und wenn es Ihrer Schwester nicht möglich ist, ehrlich zu Ihrer Krankheit zu schauen, ist ein wichtiger Schritt, daß sich Angehörige Unterstützung holen. Vielleicht in erster Linie Ihre Mutter, um neue Sichtweisen im Umgang mit den Launen Ihrer Schwester mit einer anderen Klarheit für Grenzen zu bekommen. Dafür bieten wir persönliche Eltern- und Angehörigen Gespräche an, und einmal im Monat am 2.Mittwoch gibt es bei uns den intakt Eltern&Angehörigen Abend, wo u.a. auch die Möglichkeit des Erfahrungsaustausches mit Gleichgesinnten besteht.
Sie haben wirklich recht mit Ihrer großen Sorge, es ist so wichtig an dieser Sorge dranzubleiben, denn Ihre Schwester braucht professionelle Hilfe, um gesund werden zu können und für sie kann es entlastend sein, daß auch Sie als Familie bereit sind, Unterstützung in Anspruch zu nehmen. Denn das große Problem von Betroffenen ist, daß sie das Gefühl haben, wegen ihrer Krankheit allein verantwortlich für das Wohlergehen der Familie zu sein, das erklärt den Widerstand. Daher ist der \"Schulterschluß\" der Familie wichtig, daß jeder einzelne bereit ist, Veränderungsmöglichkeiten beizusteuern, die es dann der Betroffenen leichter machen, wirklich Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Ich hoffe, unser Brief ermöglicht Ihnen und Ihrer Familie neue Einsichten! Schreiben Sie uns wieder, wenn Sie mehr Information brauchen. Alles, alles Gute!!!!

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