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esse-lügen-nicht essen

(Anonym fragte am 29.12.2009 um 14:56:45)

Seit ich aus dem Krankenhaus bin fällt mir das Essen sehr schwer. Ich versuche überall was wegzulassen, verstecke Essen oder ess gar nicht. Manchmal erbreche ich auch.
Meine Eltern sind deshalb ziemlich enttäuscht und verärgert. Sie meinen sie können mir nicht mehr zuschauen wie ich mich ruiniere und dass ich mich zwingen solll mehr zu essen wenn ich doch weiß ich bin zu dünn. Im prinzip haben sie ja recht, aber es ist so schwer, ich find mich so fett und hab bei jedem Essen Angst wieder etwas falsch zu machen.
Ich weiß ja auch dass sie sich sorgen machen und dass ich ohne ihre Kontrolle nicht soviel essen würde. aber ich will auch nicht dauernd kontrolliert werden. Ich weiß nur nicht wie ich es schaffe wieder mehr wie im Krankenhaus zu essen. Momentan wollen sie mich nicht mal in meine WG lassen weil sie denken ich pack es nicht alleine. was ist wenn sie recht haben?
wie kqann ich mich denn motivieren mehr zu esse? Wie gestalte ich unser zusammenleben so dass es für alle passt, denn nur für die Eltern zu essen, um sie glücklich zu machen nützt mir ja auch nichts.

(INTAKT antwortet am 29.12.2009 um 19:20:31)

Da haben Sie vollkommen recht: nur zu essen, um damit Ihre Eltern glücklich zu machen, nützt Ihnen wirklich nicht! So wie Sie es schildern, ist es die schwierige Situation nach einem stationären Aufenthalt. Im Krankenhaus waren Sie sozusagen in einem geschützten Bereich und zu Hause müssen Sie sich wieder auf die eigene Verantwortung fürs Gesundwerden neu einstellen. Das ist mit Ängsten verbunden, mit neuem Ausprobieren, was hilft und was kontraproduktiv ist. So geht es Ihnen, aber auch Ihren Eltern. Wenn Ihre Eltern enttäuscht und verärgert sind, so ist das ihre Ausdrucksform von Sorge, Angst und einer gewissen Ohnmacht. Ihre Antwort darauf scheint zu sein, daß sie sich und sie täuschen und dem Essen nicht wirklich eine Chance geben. Doch letztlich können Sie nur gesund werden, wenn Sie genug essen, um Ihr Gewicht zu halten bzw. Schritt für Schritt auch zuzunehmen, um wieder zu einem \"gesunden\" Gewicht zu kommen. Das mag vielleicht momentan noch nicht Ihrem Vorstellungsvermögen entsprechen und ist auch ein Weg, für den man viel Geduld braucht. Doch Sie haben während Ihres Krankenhausaufenthaltes sicher viele Erkenntnisse gewonnen, die es jetzt gilt, im Alltag umzusetzen. Das Nichtessen ist eine Lebensbewältigungsstrategie und es ist wichtig, jetzt andere Ressourcen zu entwickeln und einzusetzen, um mit schwierigen Situationen umzugehen. Das Nichtessen ist ein sehr autoaggressiver Akt. Sie sind sehr ehrlich, wenn Sie der Sorge Ihrer Eltern recht geben, daß Sie allein nicht genug essen würden, umso erklärlicher ist es dann, daß Ihre Eltern einem WG Wohnen noch nicht zustimmen können. Es braucht also Agreements zwischen Ihnen, die Sie bereit sind einzuhalten. Ihre Angst ist sehr verständlich, weil Sie sich jetzt auf völlig neuem Terrain bewegen und wahrscheinlich lieber nichts essen als etwas \"falsches\". Doch das ist keine Lösung. Wichtig wäre es auf jeden Fall, Sie würden eine ambulante Therapie weiterhin in Anspruch nehmen, um die \"verzerrten\" Selbstbilder (ich finde mich so fett...)und die Ängste in die Schranken zu weisen. Zusätzlich hilfreich ist die Unterstützung einer Ernährungsberaterin, um eine neue Sicherheit fürs Essen zu bekommen. Unsere Ernährungsberaterin Brigitte Bachmann mit ihrer Erfahrung im traditionell chinesischen Wissen kann da gute Empfehlungen geben, die speziell Ihre persönliche Grundkonstitution miteinbeziehen.
Es geht um IHR Gesundwerden und nur Sie allein können Jasagen zu diesem Gesundwerden, nur sie allein können die Verantwortung für dieses Gesundwerden übernehmen. Jedoch dürfen Sie sich alle Unterstützung holen, die Sie für diesen Prozess der \"Rekonvalescenz\" brauchen, von Eltern und Familie, von FreundInnen, von ExpertInnen. Nicht ums \"gegen sich richten\" gehts, sondern ums geduldig, nachsichtig und liebevoll mit sich sein. Ihr Körper hat sicher schon viel ausgehalten bis jetzt, gönnen Sie ihm und sich, wieder in Ihre Kraft zu kommen und dazu braucht es ein regelmässiges Essen.
Sollten Sie noch weitere Fragen haben, schreiben sie wieder! Alles, alles Gute, auch fürs Neue Jahr, möge Ihnen diese Zeitqualität hilfreich in Ihrem Veränderungsprozeß sein!

(INTAKT antwortet am 04.01.2010 um 16:57:26)

Gut, daß Sie Ihre Angst vor dem Versagen artikulieren, sie ist sehr verständlich. Doch es geht um den Veränderungswunsch, die Suche nach Möglichkeiten, eingetrampelte Pfade zu verlassen und neue Strategien zum Gesundwerden zu entwickeln. Dafür brauchen Sie Unterstützung!
Was die Ernährungsberatung anbelangt, so kann ich Ihnen nur 2 links zum Weitersuchen ansagen: www.tcm-ernaehrung.at und www.dace.at
Im Raum Linz können wir Ihnen folgende Therapeutinnen empfehlen, die mit Essstörungen Erfahrung haben und die, sollten sie selbst keine freien Plätze haben, mehr Wissen um Möglichkeiten in Ihrer Nähe haben.

Brigitte Rittmannsberger 0650 700 40 38
Heidi Blaschek 0676 40 46 160
Alexandra Logemann 0664 45 22 888
Rita Haase 0676 94 56 076
Dr.Margarethe Merny 0676 52 11 501 (sie siedelt allerdings bald nach Wien, hat aber viel Wissen)

Alles Gute für Ihr Dranbleiben bis Sie gut wo landen können und seien Sie geduldig und nachsichtig mit sich!

(Erweiterung der Fragestellung am 03.01.2010 um 14:13:05)

Ich bin leider nicht aus wien. wo gibts den im Raum Linz so ein angebot (ernährungsberatung etc.).
Momentan hab ich das Gefühl je mehr ich kontrolliert werde umso mehr kontrolliere ich das Essen. Ich hatte auch schon wieder einige bulimische Anfälle. Ich versuche mich zwar abzulenken und vom Essen wegzugehen aber es ist schwer.Ausserdem ist ständig essen im Haus.

Ich bin mir auch nicht sicher ob ich es alleine, in der WG, schaffe genügend zu essen andererseits bin ich mit 28 überreif alleine zu leben.
momentan suche ich arbeit (nebenjob) und hoffe durch diese Arbeit und das alleine Leben antrieb zu bekommen.
Lange bei meinen Eltern will ich auch nicht bleiben weil ich erstens schuldgefühle ihnen gegenüber habe, mich zweitens ständig kontrollieren lassen und sie sind ja auch einer der Gründe warum ich krank wurde.
dann ist da die angst wieder mal zu versagen... nach 3 therapieaufenthalten

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