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Ich kann nicht mehr...

(Anonym fragte am 21.12.2009 um 19:32:39)

Essen, nicht essen, Diät, keine Diät. In manchen Ländern ist man froh üperhaupt etwas zu essen zu haben und ich spucke es ins Klo. Ich bin es einfach nicht wert auf dieser Erde zu leben. Ich komm einfach nicht damit zurecht und das ständige Kämpfen, das Verleugnen eines Problems kommt einfach alles jetzt zurück. Und ich kann nicht mehr, und vor allem ich will nicht mehr! Meine Eltern, meine Freunde einfach alle rund um mich haben jemanden verdient, der auf dieser Welt zurecht kommt und gerne auf ihr lebt. Ich weiß nicht was ich will aber icb weiß genau, dass ich DAS was ich gerade mache, denke und tue nicht will.Ich will einfach nicht mehr!!!!! Und ich hab nach Jahren des Kämpfen und Versagens mit dieser unnötigen, kräftezerrenden, auslaugenden und beschissenen Essstörung einfach nichts mehr übrig in mir, dass mir auch nur im Entferntesten Hoffnung gibt. Ich schäme mich, ich hasse mich, ich verurteile mich. Nicht die Magersucht, nicht die Bulimie weil genau sie einfach nicht mehr nur Krankheiten sind von denen man hört, sondern zu meinem Fleisch und Blut gewordene Kräfte. Die über mein Leben entscheiden und es bestimmen. Und wenn es etwas gibt, dass ich noch mehr hasse als mich und mein Essverhalten, dann ein Ich, dass nicht mal selbst entscheidet.
Ich weiß nicht ob ich es überhaupt noch versuchen will. Vielleicht ist es besser ich gebe auf. Gibt es immer Hoffnung. Wieviele Esskranke kommen aus dem Teufelskreis des Essens wieder raus und können ein glückliches Leben führen? Wieso so viel Kraft hineinstecken, wieso Familie und Freunde damit belasten, wenn ich sie am Ende doch wieder alle enttäusche?

(INTAKT antwortet am 23.12.2009 um 19:21:18)

Es tut mir sehr leid, daß ich gerade Ihren verzweifelten Brief durch den vorweihnachtlichen Stress erst jetzt beantworten kann.
Es ist aus Ihrem Brief nicht herauszulesen, ob Sie psychotherapeutische Hilfe in Anspruch nehmen. Doch sie haben uns mit großer Ehrlichkeit Ihre so belastete Lebenssituation beschrieben und das ist ein wichtiger erster Schritt. Sie scheinen gerade an einem wirklichen Tiefpunkt in Ihrem Leben angelangt zu sein und von dort kann es oft möglich, neue Impulse zu setzen.
Sie haben uns auch am kürzesten Tag im Jahr geschrieben, wo die Nacht am längsten ist, doch Weihnachten steht vor der Tür und ich wünsche Ihnen von Herzen, daß das Licht der vielen, vielen Kerzen Ihnen den Weg zurück zu Ihrer Lebenskraft weist.
Dafür braucht es aber professionelle Hilfe. Zu Beginn könnte ein stationärer Aufenthalt - bei den Barmherzigen Schwestern z.B.- hilfreich sein, danach ist es wichtig, sowohl medizinisch -auch mit psychiatrischer Unterstützung - als auch psychotherapeutische Betreuung in Anspruch zu nehmen. Ihre Familie und Freunde werden Sie sicher dabei unterstützen, doch nur Sie können diesen Weg gehen und brauchen Vertrauen in diesen Prozess. Denn Sie sind MEHR als dieses Ich, das nicht einmal selbst entscheidet! Es gilt, Ihre Ressourcen zu mobilisieren, um diesen destruktiven Kräften in Ihnen entgegenzuwirken. Dafür braucht man Geduld, Achtsamkeit mit sich und das Verständnis, daß man bisher zwar keine besseren Bewältigungsstrategien für sich gefunden hat, aber immer wieder die Möglichkeit hat, sich klar für einen Gesundungsprozess zu entscheiden.
Möge Ihnen jetzt die Qualität von Weihnachten und Neujahr unterstützend sein, neu für sich sorgen zu lernen und Verantwortung für Ihre körperliche und seelische Gesundheit zu übernehmen. Alles allles Gute!

(INTAKT antwortet am 24.12.2009 um 09:37:53)

Gut, daß Sie noch einmal geschrieben haben und wieder so ehrlich und anschaulich Ihre Situation geschildert haben.
Wir erleben es immer wieder, daß gerade Väter ähnlich reagieren wie Ihrer. In ihrer Ohnmacht und nicht Umgehenkönnen mit Situationen rund ums Essen sagen sie dann Dinge, die sie oft nicht so meinen, aber eben sehr verletzend ankommen. Es ist ihnen eben überhaupt nicht bewußt, daß dieses Essverhalten Ausdruck einer ernstzunehmenden Krankheit ist. Und auch wenn Ihre Mutter sich entschieden hat, schon ewig mit sich und Ihrem Körper so umzugehen, wie sie es tut, so haben Sie doch ein Recht, anders zu handeln. Denn Sie haben den Ernst der Lage erkannt, wissen, daß Sie dringend Unterstützung brauchen. Ihre Sorge, wie Sie es den Eltern am besten erklären können, ist sehr verständlich, wenn sie in all der Zeit sich nicht mit ihrer Verzweiflung zumuten konnten, sondern die glückliche Tochter mehr zeigten als die kranke, um alle zu schonen.
Umso wichtiger ist es, mutig zu sein und ein klärendes Gespräch zu führen. Und da kann Ihnen vielleicht die Weihnachtszeit helfen, wo ein paar Tage Auszeit Möglichkeit zu einer ehrlichen Aussprache geben. Wenn Ihre Eltern wissen, wie verzweifelt Sie sind und wenn ihnen bewußt wird, daß Sie an einer wirklichen Krankheit leiden, dann werden sie Sie auch unterstützen. Es ist kein Überreagieren, wenn Sie um Hilfe bitten, Sie sind ernstlich erkrankt und brauchen Hilfe. Da findet sich dann immer ein Weg, wie es Ihnen ermöglicht werden kann.
Erfahrungsgemäß ist es oft viel leichter, als man es sich vorher ausgemalt hat. Nehmen Sie sich ernst, werden das Ihre Eltern auch tun und Sie werden vielleicht alle erleichtert sein, daß das Versteckenspielen ein Ende hat.
Alles alles Gute und schreiben Sie solange Sie es brauchen, die Forumseite und das Chatten wird auch über die Feiertage betreut.

(Erweiterung der Fragestellung am 23.12.2009 um 21:55:29)

Ich bin nicht in psychotherapeutischer Behandlung. Das liegt daran, dass sich meine Essstörung vor etwa 5 Jahren begonnen hat zu entwickeln. Ich war damals 13 und sehr dünn und meine Eltern, bzw meine Mutter schickte mich zur Therapie. Doch ich war leider nur etwa 3 mal dort, weil mein Vater von Therapie nichts hält, er nicht versteht warum man nicht einfach normal essen kann es nur Streit gab. vor allem zwischen meinen eltern. Danach weigerte ich mich hinzugehen. In den letzten Jahren hat sich meine Essstörung nur leider ins Gegenteil entwickelt. Ich esse zu viel. Mein Vater, der den ganzen Tag in der Arbeit ist merkt davon nichts. Er sieht einfach, dass ich nicht mehr dünn bin und das reicht ihm. Meine Mutter hingegen kämpft selbst mit ihrer Figur und das schon seit sie so alt ist wie ich.Sie fühlt sich einfach ständig und immer zu dick. Sie erbricht zwar nicht oder macht sonst irgendwas in Art Essstörung, aber sie sagt jeder fühlt sich zu dick und sie hat ihr ganzes Leben unzufrieden mit sich selbst verbracht. Deshalb sieht sie mein Problem mit dem Essen als normal und sagt mir nur ständig ich soll nicht so viel essen. Ich will aber nicht mein Leben lang gegen mich und meinen Körper ankämpfen!!!Doch da ich im Allgemeinen versteckt und heimlich esse und versteckt und heimlich erbreche, bemerkt man äußerlich ja eigentlich nichts. Bis auf meine Stimmungsschwankungen und meine Gelegentlichen Ausbrüche in denen ich mich selbst verletzten will.
Doch da ich immer schon ein sehr selbstbestimmter und dominanter Mensch war und bin denken sich meine Eltern dabei nicht viel. Außerdem spiele ich schon seit Beginn der Störung das glückliche Kind. Sollte ich ihnen jetzt sagen, dass es mir nicht gut geht und dass ich in Psychotherapeutische Behandlung will, werden sie sagen ich würde überreagieren und ich soll nicht so ein Drama daraus machen. Es gibt sehr wenige Dinge in meinem Leben, über die ich so viel nachdenke, wie über dieses eine Gespräch mit meinen Eltern in denen ich ihnen sagen muss, dass ich es nicht mehr alleine schaffe. Ich trau mich einfach nicht von ihnen so viel Geld für eine Therapie zu verlangen...weil ich äußerlich doch ganz normal wirke. Und in den letzten Jahren keinerlei Anzeichen gegeben habe. Alles für mich behalten um ja nicht zur Last zu fallen...Ich brings einfach nicht über mich sie nach so viel Geld zu fragen....ich weiß nicht wie ich beginnen soll, was ich sagen soll, wie, wo,...??????HILFE

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