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was tun?

(Anonym fragte am 05.10.2009 um 13:54:52)

ich habe eine frage. ich habe seit vielen jahren probleme mit essstörungen. anorexie, zwischendrin auch bulimie. seit einigen jahren bin ich jetzt weitgehend ohne symptome, aber ein problem habe ich trotzdem noch mit dem essen, es spielt sich mehr im kopf ab. was mich aber immer wieder total belastet, ist, wenn ich andere sehr dünne bzw. vermutlich essgestörte menschen sehe. oder auch bilder. das geht mir dann einfach nicht mehr aus dem kopf. und ich fühle mich wieder unendlich zu dick und muss immer daran denken, dass ich abnehmen und viel viel dünner werden muss. ich meide solche situationen, so gut es geht. aber das ist schwierig und es passiert immer wieder. im moment bin ich wieder besonders sensibel. ich weiss nicht, was ich da tun kann. nach so vielen jahren löst es immer noch so viel aus und ich leide sehr darunter, da ich dann wieder tage brauche, manchmal auch länger, um diese gefühle und gedanken zu den bildern im kopf einigermaßen aus dem kopf zu kriegen. es kommt mir vor, als würde das immer wieder die schlafende anorexie in mir wecken. ich weiss nicht, was ich da tun könnte. mir geht es nicht gut damit. bruchteile von sekunden zerstören die arbeit von jahren. was kann ich tun? haben sie einen rat?

(INTAKT antwortet am 06.10.2009 um 13:55:37)

Hallo! Aus Ihrer Mitteilung geht hervor, dass Sie sich schon seit längerem mit Ihren Problemen mit Essstörung kritisch auseinander setzen und Sie Ihre Gedanken und Vorstellungen auch immer wieder reflektieren. Es ist gut nachvollziehbar, wie belastend es ist, wenn Sie andere Menschen wahrnehmen, die Sie an Ihre Essstörung erinnern und dadurch in Ihnen „alte“ Gefühle aufkommen. Ich lese aus Ihren Zeilen heraus, dass Sie sich unsicher fühlen und große Angst vor einem Rückfall haben. Sie drücken es für sich sehr treffend aus, wenn Sie von der schlafenden Anorexie schreiben, wie Sie Ihnen das Gefühl gibt, ihr jederzeit wieder ausgeliefert sein zu können. Sie beschreiben für sich gut Ihre große Sorge, dass in nur Bruchteilen von Sekunden die jahrelange Arbeit zerstört sein kann und Sie das sehr belastet. Andererseits ist es sehr menschlich, dass man immer wieder Phasen hat, wo man sich weniger belastbar bzw. „dünnhäutiger“ fühlt. Einen bedeutsamen Schritt haben Sie schon für Ihre Stärkung gemacht, indem sie Ihre Besorgnis und Angst niedergeschrieben und mitgeteilt haben. Es ist sehr wichtig, auch in der Nachsorge die Gefühle und Gedanken -die sich im Kopf abspielen- auszusprechen, welche einen beschäftigen und im Alltag belasten. Vielleicht haben Sie in Ihrer Umgebung die Möglichkeit, eine Selbsthilfegruppe zu besuchen, dabei werden Sie Gelegenheit bekommen, sich mit anderen auszutauschen und Beängstigendes in Worte zu fassen. Sie werden dadurch auch lernen wie andere mit Ähnlichem umgehen und Entlastung für sich finden. Auch eine therapeutische Unterstützung kann für Sie stärkend und aufbauend wirken. Durch das zum Ausdruck Bringen was Sie bewegt und Sie beängstigt nehmen Sie diesen Gedanken und Gefühlen den Schrecken und die Macht. Auch kann ich Sie herzlich einladen beim Chat mitzumachen, wo wir jeden Montag von 17h-19h für Sie da sind und Sie Ihre Sorgen und Gedanken anonym mitteilen können. Informationen über therapeutische Unterstützung, Selbsthilfegruppen in Ihrer Umgebung und dem Chat können Sie auf dieser Homepage unter Links und Home/Aktuelles finden. Falls Sie nähere Kontaktadressen wollen, melden Sie sich bitte mit Angabe der Region, wo Sie wohnen. Ich wünsche Ihnen alles Gute weiterhin für Ihre nächsten Schritte!

(Erweiterung der Fragestellung am 10.10.2009 um 16:57:03)

danke für die antwort. ich bin momentan wieder in therapie, allerdings geht es da jetzt mehr um aufarbeitung der vergangenheit und ursachen, die essstörung ist nur noch selten ein randthema, mehr im zusammenhang mit anderen sachen .. es ist nur einfach belastend, weil mir da so viel kraft verlorengeht, die ich anderswo besser verwenden könnte und auch bräuchte. ich hab nicht direkt angst vor einem tatsächlichen rückfall, ich bin nur so blockiert und in den gedanken fixiert dadurch und raubt mir kraft. gerade wenn ich sowieso schon eher dünnhäutig bin, wie sie es nennen. ich versuche ja für mich und meine stabilität zu sorgen, aber in diesem punkt bin ich einfach so sensibel, da hilft nicht viel,wenns mal passiert ist, außer erst gar nicht in eine solche situation zu kommen.gedanken umlenken, für positive eindrücke sorgen, körpergefühl, versuche ich ja. es ist nur einfach recht schwer und anstrengend und drückt mich runter...
vielen dank für die links,ich hab nur recht viel angst vor gruppen, auch wenn dort lauter selbst-betroffene sind... ich weiss nicht. wie funktioniert das genau mit dem chat? vllt versuche ich es mal damit.

(INTAKT antwortet am 14.10.2009 um 09:36:58)

Hallo noch einmal! Viele Menschen haben eine Scheu vor Gruppen, weil sie Sorge haben, daß sie sich nicht trauen, sich den anderen in ihren Sorgen zuzumuten. Doch kann es hilfreich sein, sich auch in den anderen Lebensgeschichten zu erkennen, andere Beispiele von Lebensbeweältigungsstrategien zu erfahren und auch selbst einfach nur gehört zu werden. Eine Gruppe ist oft auch ein guter Spiegel für eigene Befindlichkeiten und fördert ein soziales Miteinander in einem geschützten Rahmen. Aber auch ohne Gruppe, es ist wichtig, mit anderen zu sein, etwas zu unternehmen, rauszugehen aus den \"eigenen vier Wänden\". Und dabei mutig zu sein und vor allem liebevoll mit sich selber. Immer wieder bestätigen, wie es grad ist, sich trotzdem wohlgesinnt sein und nachspüren, was man am ehesten jetzt braucht. Sich wirklich immer wieder eingestehen, was man am liebsten hätte und es sich Schritt für Schritt erlauben. Aber seien Sie geduldig mit sich und nachsichtig, wie mit Ihrer besten Freundin!!!Alles alles Liebe!

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