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Nach 5 Jahren Magersucht noch immer Essstörung mit 18

(Anonym fragte am 04.05.2009 um 19:44:03)

Meine älteste Tochter erkrankte mit 12 Jahren nach dem Tod meines Mannes, den ich zu Hause 3 Jahre nebst den kleinen Kindern pflegte, an Magersucht. Nach einem dreiwöchtigen Krankenhausaufenthalt mit 13 war ich als Mutter so naiv und glaubte, sie sei geheilt. Es ging ihr auch sehr gut und obwohl vom Krankenhaus weiter eine Psychotherapie empfohlen, dachte ich, dass dies meine Tochter nicht mehr brauche. Ein Jahr nach dem Tod meines Mannes starb plötzlich meine Mutter, also die über alles geliebte Oma. Meine Tochter schlitterte wieder ziemlich hinein in die Magersucht. Nach gutem Zureden willigte sie in eine Psychotherapie ein, die ihr auch gut tat. Diese letzten Jahre ist meine Tochter zwar nicht mehr akut magersüchtig, hat aber eine große Essstörung entwickelt. Optisch eine Modellfigur, denkt niemand, dass sie noch solch eine Riesenproblem hat. Ihr Essverhalten: ein Essen nachmittags, Salat ist sicher immer dabei, Gemüse, Cremesuppen, Brot oder Weckerl, Aufstriche.
Sie kann schon seit Jahren kein Frühstück, kein Essen am Vormittag zu sich nehmen. Wie gesagt, ein Essen so ca. um 14.30 Uhr, manchmal auch erst um 16.30 Uhr, je nachdem, wenn sie nach Hause kommt. Das einzige, das sie kann, ist zu Mittag einen Cafe-Latte trinken. Auch abends käme nie ein spontanes Essen gehen in Frage.
Meine Frage: Nun ist sie 18, beginnt im Oktober zu studieren, wohnt in eine WG mit der Cousine. Können sie mir sagen, ist es aus ihrer Erfahrung sinnvoller, sie unter der Bedingung einer Psychotherapie in die Selbständigkeit zu entlassen, oder sie mit etwas Druck (was sicher nicht so einfach ist, sie aber später mir sicher dankbar dafür wäre) dazu zu bringen, in eine Klinik für Essstörungen zu gehen, um wieder ein normales Essverhalten zu lernen, was zu Hause offenbar nicht mehr möglich ist. Ich muss dazu sagen, dass ich mit meinen drei Kindern, 14, 15 un 18 alleine lebe und wir seit dem Tod meines Mannes sehr zusammengewachsen sind und ein gutes Familienklima haben. Trotzdem hat sich dieses komische Essverhalten meiner Tochter scheinbar schon so verselbständigt, dass wir da nichts mehr bewirken können. Sie ist fröhlich, sie hat Kontakte,geht fort und liebt ihre Schwester über alles. Eine sehr lange Darstellung, ich weiß, wollte, dass sie sich ein kleines Bild machen können. Ich will mit halt als Mutter später nicht den Vorwurf machen müssen, zu wenig getan zu haben. Ich weiß, dass Menschen mit Essstörungen nicht um Hilfe bitten, sondern man ihnen sanft Hilfe zukommen lassen soll. Mit lieben Grüßen.

(INTAKT antwortet am 05.05.2009 um 14:53:45)

Liebe besorgte Mutter, Ihr Brief zeigt, welch schwierige Jahre Sie als Alleinerzieherin durchlebten und wahrscheinlich auch durchlitten haben. Und so wie Sie schreiben, ist Ihnen ganz viel gelungen an wichtigem familiären Zusammenhalt. Auch, daß Ihre Tochter letzlich bereit zur Therapie war, zeigt Ihr gutes Vertrauen miteinander. Ihre Sorge bezüglich des Essverhaltens Ihrer Tochter ist verständlich. Ein Aufenthalt in einer Klinik kann hilfreich sein, weil man in einem geschützten Rahmen mit sich und seinem Essverhalten auseinandersetzen kann; meist ist eine Fortsetzung einer Psychotherapie trotzdem notwendig, bis das Essen kein Thema mehr ist. Eine andere Form der Unterstützung könnte auch eine Gruppe sein, die in psychoedukativer Richtung arbeitet, wie sie z.B. bei uns von Dr.Tiller geleitet wird. Sie haben recht, daß es wichtig ist, noch weitere Schritte im Gesundungsprozeß Ihrer Tochter im Auge zu behalten.
Wir wünschen Ihnen alles Liebe und wünschen Ihnen, daß Sie auch für sich selber so gut sorgen und so aufmerksam sich selbst gegenüber sind, wie bei Ihrer Tochter. Denn erfahrungsgemäß vergessen gerade Mütter auf sich selbst und für die Gesundung der Töchter ist es besonders wichtig, daß Mütter auch gut für sich sorgen und gut auf ihre Grenzen achten.

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