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Binge Eating Disorder, oder was ist das???

(Hexilein72 fragte am 16.03.2009 um 10:30:21)

Liebes Intakt-Team,
ich bin sehr froh, diese Seite gefunden zu haben, bin nämlich schon seit Längerem auf der Suche nach der Lösung meines Problems, das ich schon seit ca. 4 Jahren habe...
Wo soll ich anfangen? Ich bin 36 Jahre alt, 1,59 m groß und wiege zur Zeit 49 kg. Ich habe ein falsches Selbstbild, ein gestörtes Verhältnis zu meinem Körper, ein Problem mit dem Thema "Essen", das immer mehr aus den Rahmen gerät und ich weiß nicht, was zu tun...
Richtig dick war ich nie, obwohl als kleines Mädchen, mit 8-12 Jahren eher pummelig. In der Pubertät wog ich um die 52 kg und fand mich normal. Später, mit 20-22 nahm ich etwas ab und hatte um die 48-50 kg. Ich habe mich aber nie großartig mit meinem Gewicht oder meiner Figur beschäftigt. Mit 25 fing ich an, Sport in gesunden Maßen, also 2 bis 4-mal die Woche zu treiben (früher war Sport nie ein Thema für mich, eher im Gegenteil, ich hasste jegliche körperliche Betätigung), es hat aber nichts an meiner Figur verändert. Später bekam ich 2 Kinder, auch während der 2 Schwangerschaften nahm ich nicht übermäßig zu und nach den Geburten hatte ich innerhalb von ein paar Monaten mein altes Gewicht von 48-50 Kilo wieder.
Das Problem begann vor ca. 4 Jahren, als ich beschloss, richtig schlank zu werden und mit einer Radikaldiät begann. Ich magerte innerhalb von ca. 2 Monaten auf 45 Kilo runter und es gefiel mir sehr gut. Das Problem war nur, dass ich dieses Gewicht mit normalem Essen nicht halten konnte. Ich nahm also wieder zu. Dann mit einer nächsten Diät wieder ab, dann wieder zu, dann habe ich auch ein paar Mal gefastet (7-9 Tage überhaupt nichts gegessen und auch nur Wasser und Tee getrunken, ungesüsst natürlich). Mittlerweile war und bin ich nur noch mit meinem Gewicht und meiner Figur beschäftigt, zahlreiche Diäten (Ätkins, FDH usw.) sind schon hinter mir. Meine sportliche Betätigung nahm mit der Zeit auch sehr stark zu, ich wollte ja abnehmen oder wenigstens mein Gewicht halten und Fettkörper reduzieren. Momentan gehe ich fast täglich laufen (10-12 km pro Einheit) und nebenbei mache ich auch noch 3 bis 5-mal die Woche Gymnastik, Kräftigungsübungen zum Muskelaufbau. Und esse sehr, sehr wenig, damit mein Gewicht die 49-50er Grenze ja nicht überschreitet,a ber besser ist, wenn ich noch weniger wiege. Am wohlsten fühle ich mich mit 45-46 kg, da bin ich richtig stolz auf mich, so "schön" dünn zu sein. Alles, mein ganzes Leben dreht sich um dieses eine Thema.
Achja, noch etwas: normal essen, mich zum Essen hinsetzen kann ich nicht mehr, ich esse meistens nur so nebenbei, keine richtigen Mahlzeiten. Ich bekoche täglich meine Familie, aber ich setzte mich nie mit ihnen zu essen hin, weil ich meistens schon beim Kochen mit dem Kosten satt werde. Und überhaupt, ich denke, ich kann mir nicht leisten, dass ich eine normale Malzeit zu mir nehme, dann würde ich nämlich dick werden...
Kalorienreiche Speisen sind grundsätzlich tabu und nur gesundes ist erlaubt, bis irgendwann der Punkt kommt, wo der Gusto auf "Ungesundes" derart groß wird, dass ich doch nicht mehr widerstehen kann und dann überesse ich mich meistens. Und dann kommt ein enorm schlechtes Gewissen, Schuld- und Schamgefühle kommen auf, dass ich die Kontrolle schon wieder verloren habe, und dann fängt meistens wieder eine Diät-Phase an, in der ich fast nichts esse.
Natürlich hat dieses Essensverhalten und das Auslaugen meines Körpers Spuren an mir hinterlassen: ich leide an Bluthochdruck (170-180/110), an einem stark erhöhtem Cholesterin, hatte in letzter Zeit zwei Autoimmunerkrankungen (Iritis und Hüftgelenksentzündung), habe starken Haarausfall (ich vermuite, wg. der Mangelernährung). Ich denke, dass das metabolische System völlig durchgedreht ist, ich habe es zerstört.
Sonst ist ziemlich alles in Ordnung in meinem Leben: bin glücklich verheiratet seit 11 Jahren (meinem Mann gefallen übrigens auch nur dünne Frauen, aber ich denke nicht, dass ich wg. ihm dünn sein will, denn mir selbst gefalle ich auch nur dünn), habe 2 gesunde Kinder, finanziellen Wohlstand, und bis vor kurzem hatte ich auch eine gute Arbeitsstelle, die jetzt gestrichen worden ist, aber das ist auch nicht der Auslöser für diese Gewichtsmisere.
Ich weiß, dass mein Verhalten nicht normal ich, dass ich essgestört bin, nur der Ausweg, der fehlt mir, ich finde keinen. Mein Gehirn scheint es nicht akzeptieren zu wollen, dass ich auch mit 50 oder von mir aus mit 55 Kilo nicht dick bin. Ich sehe nur die Speckröllchen an meinem Bauch...
Vielen Dank für Ihre Antwort (und auch für das Zuhören) :-)
Hexilein72

(INTAKT antwortet am 16.03.2009 um 10:58:10)

Ihr ausführliches Schreiben zeigt, wie sehr Ihr Essverhalten und Ihre Beschäftigung damit aus den Fugen geraten ist. Es handelt sich eindeutig um eine Essstörungserkrankung, die sowohl eine medizinische als auch psychotherapeutische Behandlung braucht. Ihr Körper bringt über diese Erkrankung etwas zu Ausdruck, was auf andere Weise noch nicht ausgedrückt werden kann. Bitte nehmen Sie sich, Ihre Erkrankung und Ihren Körper ernst und holen Sie sich professionelle Unterstützung.
Alles Gute!

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