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BED

(susanne fragte am 14.08.2008 um 22:20:33)

wahrscheinlich leide ich an einer schwachen form (oder befinde mich am anfang) einer binge eating disorder - so nennt man glaube ich essanfälle ohne erbrechen.

ich wiege ca. 48-51 kg bei 160, und bin mit meinem gewicht grundsätzlich auch sehr zufrieden. die meiste zeit meines erwachsenen lebens (bin jetzt 27) wog ich ca. 2 kg mehr und wollte immer gerne eben diese 2 kg abnehmen.

vor 2 jahren hatte ich eine grippe und nahm auf 48 kg ab. ich fühlte mich wohl damit und hielt das gewicht auch ein paar monate. dann bekam ich plötzlich jeden abend appetit auf süsses und nahm innerhalb von 6 monaten fast 10 kg zu. ich hatte in dieser zeit jedoch keine essanfälle, ich aß einfach nur viel, erlebte aber nie einen kontrollverlust. ich erklärte mir diese gewichtszunahme mit meiner verhütungsmethode: ich hatte ein hormonpflaster, das eindeutig viel zu hoch dosiert war (mir war auch jedes monat immer schlecht, wenn ein neues pflaster aufgeklebt werden mußte, hatte riesige stimmungsschwankungen usw.)

nachdem ich das pflaster nicht mehr verwendet habe nahm ich wieder ab, ich wog dann ca. 53 kg, war aber nicht zufrieden. darum fing ich dann an, abends nichts mehr zu essen und nahm so wieder bis 48 kg ab. ich war total glücklich, dann fingen aber langsam die essanfälle an.

und jetzt zu meiner frage: ich hatte anfangs ausschließlich und habe auch jetzt meistens die essanfälle nur in gesellschaft mit anderen menschen. ich lese immer, dass man dabei alleine ist und sich schämt dafür, bei mir ist das genau umgekehrt: meistens passiert es auf einer party, wenn wo ein tolles buffee ist, beim heurigen, usw. oft trinke ich ein, zwei gläser wein, bin in guter stimmung (aber nicht betrunken, ein alkohoproblem habe ich nicht), dann esse ich mich so richtig durch alles durch, genieße auch alles. ich esse dabei aber wirklich viel, zb zuerst ein richtiges essen, dann eine schüssel chips, dann noch eine torte usw. wenn ich dann heimkomme, esse ich meistens noch was (aber nur wenn ich bei meinem freund bin, denn er hat, im gegensatz zu mir, immer viel zum essen daheim. in meiner eigenen wohnung habe ich nie viel daheim.)

ich liebe eben dieses gefühl, mich dann mal so richtig mit allem vollstopfen zu können und trotzdem nicht dick zu sein. unter der woche, wenn ich abends nichts vor habe, esse ich so gut wie nie etwas. das ist für mich aber keine strafe, ich fühle mich sehr wohl damit und freue mich auch immer auf diese abende, in ruhe und allein daheim.

ich weiß, dass ist sicher ein grund für die essanfälle. ich habe auch schon daran gedacht, jeden abend wenigstens was kleines zu essen, aber dass fällt mir unglaublich schwer. auch habe ich dann angst, wieder zuzunehmen.

mein freund meint, ich steigere mich da in was rein, was gar nicht existiert. aber ich habe einfach angst, dass es noch schlimmer werden könnte. ich habe dann einfach keine kontrolle mehr über mich, und das möchte ich nicht. die grenze zu ziehen ist schwer, vorallem weil die meisten menschen schon ein etwas seltsames essverhalten haben und das aber normal finden. ich habe auch mit meiner schwester geredet, sie meinte auch, ich habe keine essstörung.

ich fühle aber, dass ich essanfälle habe, bei denen ich viel zu viel esse und auch keine kontrolle mehr habe. ich hatte jetzt auch schon manchmal einen anfall alleine, meistens nach einem wochenende, an dem ich auf einer party war. dann habe ich den ganzen nächsten tag ständig lust, mich mit ungesundem zeug vollzustopfen. ich will etwas tun, bevor es schlimmer wird!

glaubt ihr, ich schaffe dass noch alleine, mit einem selbsthilfebuch, oder brauche ich schon proffessionelle hilfe?

danke!
susanne

(INTAKT antwortet am 15.08.2008 um 14:08:19)

Liebe Susanne, danke für Ihren langen, ehrlichen und ihre Essgewohnheiten recht genau beschreibenden Brief. Das heißt, Sie nehmen sich sehr ernst in Ihrer Unsicherheit, ob Sie Unterstützung brauchen oder nicht.
Aber daß Sie sich an uns wenden, zeigt, daß etwas an Ihren Essensgewohnheiten aus dem Gleichgewicht geraten ist und Sie beunruhigt.
Erfahrungsgemäß ist es in so einem Fall gut, sich möglichst früh Unterstützung zu holen. Und das ist kein Zeichen von Schwäche, sondern eine Möglichkeit, gut für sich zu sorgen.
Viele glauben, daß sie es allein schaffen müssen. Leichter ist es aber, wenn man jemanden findet, der/die ein Stück Weg mit einem geht, der/die mit Kompetenz und gutem Abstand von Familie und Freunden unterstützt, andere Strategien zu entwickeln, um mit vielleicht belastenden Lebenssituationen umzugehen. Letztlich ist das auch ein Persönlichkeitsentwicklungsprozeß, der es Ihnen ermöglicht, Ressourcen wiederzuentdecken und ja zu sagen zu sich und Ihren Bedürfnissen und Wünschen.
Selbsthilfebücher können ein guter Beginn sein, aus der Rückmeldung bei Erstgesprächen hören wir aber oft, daß es nicht ausreicht und das Gespräch und die Beziehung mit dem/der TherapeutIn fehlen.
Diese Antwort möge Ihnen helfen, den für Sie stimmigen nächsten Schritt zu machen.
Alles Gute!

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