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Zweifel an der Suche / Sucht

(Anonym fragte am 25.07.2008 um 12:17:36)

Hallo,
ich habe vergangenen Montag einen Artikel über Ess-Störungen gelesen und der Link Ihrer Homepage war am Ende angeführt.
Seit längerem ist mir bewusst, dass ich mir Hilfe suchen sollte. Ich habe viel über Ess-Störungen gelesen, habe auch meine Abschlussprüfung darüber geschrieben. Alles ohne Probleme - zu dieser Zeit hatte ich ein gewöhnliches Essverhalten (normalgewichtig, hab gegessen was mir schmeckte ohne schlechten Gewissen). Ich glaube es hat vor ca. zwei Jahren begonnen, dass ich aufhörte regelmäßig und in normal-großen Mengen zu essen. Den Grund dafür (oder die Gründe?) denke ich zu kennen – jetzt im Nachhinein. Öfters habe ich auf verschiedenen Seiten nachgelesen, an wen man sich wenden könnte. Trotzdem weiß ich nicht, wie ich den ersten Schritt setzen soll: Einerseits denke ich mir ich habe keine Ess-Störung, da ich zur Zeit "normal" esse, ich nehme zwar nicht an Gewicht zu (46,5 kg/167cm), aber auch nicht mehr ab. Außerdem, hm wie soll ich sagen, ich denke es gibt Menschen die schlimmeres erlebt haben und auch ihr Leben meistern, ohne jemand anderen damit zu belästigen. Für wie wichtig soll man sich selbst nehmen?
Andererseits ist mir bewusst, dass es nicht ganz richtig ist, immer wieder an Essen beschaffen/zubereiten - Essen/Nicht-Essen zu denken. Egal wo man sich befindet, alles dreht sich ums Essen. Kommt man zu jemanden auf Besuch, wird man sofort gefragt, ob man etwas zu essen will... Auf die Frage wie es gehe, kann man nur mit einer Lüge antworten (dass erwarten doch die Leute).
Aber ich schweife ab. Es ist mir klar, dass es nicht um Nahrungsaufnahme geht. Irgendwo im Hinterkopf kreisen Gedanken, die ich nicht zuordnen, ablegen kann. Aber jemanden davon erzählen... Ich weiß nicht, ob ich das kann. Ich habe die Befürchtung, dass Menschen den Kopf über mich schütteln, wie „weich“ und „selbstmitleidig“ ich doch sei... und doch schaffe ich es nicht davon los zukommen, dann informiere ich mich wieder im Internet, bis ich denke, ach was, alles halb so schlimm...
Ich habe keine wirklichen Fragen gestellt und kann daher auch keine Antwort erwarten. Jedoch wäre es nett von Ihnen, einen Tipp zu bekommen, wie man es schafft, den ersten Schritt zu tun, ohne dabei ein mieses Gefühl zu haben.
Vielen Dank!

(INTAKT antwortet am 27.07.2008 um 09:06:29)

Danke für Ihre Offenheit und Ihr Vertrauen!Sie beschreiben eine für Essstörungserkrankungen ganz typische Dynamik: die ständige - gedankliche und/oder reale - Beschäftigung mit dem Essen bzw. Nichtessen. Und Sie haben an sich eine Veränderung Ihres Essverhaltens beobachten können. Bitte nehmen Sie diese Dynamiken und Veränderungen - und damit sich selbst - ernst. Essstörungserkrankungen sind unbehandelt fortschreitende Erkrankungen.
Zu Ihrer Befürchtung, dass die Menschen, mit denen Sie über Ihre Problematik sprechen, sie als "weich und selbstmitleidig" halten, möchte ich noch folgendes bemerken: Entscheidend für den Beginn einer Behandlung/Therapie ist das Vorliegen einer Essstörungserkrankung bzw. Essstörungsproblematik und der Wunsch der betroffenen Person nach Gesundung und Veränderung. Die Lebensgeschichten der Betroffenen sind so unterschiedlich und einmalig, wie Menschen eben einmalig sind. Ich wünsche Ihnen Kraft und Mut für den zweiten Schritt auf Ihrem Weg in die Gesundung - den ersten haben Sie mit dieser Anfrage ja schon geschafft!

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