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Psychisches Problem oder Essstörung?

(Verena fragte am 17.03.2008 um 10:26:42)

Liebes Team!

Ich bin froh, diese Seite entdeckt zu haben und hier einmal einen Teil meiner Geschichte loswerden und mir die Meinung eines Außenstehenden anhören zu können.

Ich bin im Moment 24 Jahre alt, 1,74m groß und wiege zwischen 61 und 65kg.

Bis Mitte 2005 hatte ich ein einigermaßen normales Verhältnis zu mir und meinem Gewicht und auch zum Essen. Ich hab nicht viel darüber nachgedacht, mich vielleicht mal über 1, 2 kg mehr geärgert, aber mir nicht viel gedacht. Ich hab damals so 58kg gewogen.

Dann war ich für 6 Monate im Ausland und habe dort viel und gut gegessen. Gedacht hab ich mir nicht viel... aber meine Klamotten haben nicht mehr sehr gut gepasst. Als ich dann zurückgekommen bin, hab ich noch ein wenig mehr zugenommen, war dann so ca. auf 63kg. Das war so viel wie davor noch nie und meine Proportionen hatten sich auch verändert. Also passte mir nichts mehr und ich beschloss, etwas zu ändern. Ich habe dann ein Programm zum Abnehmen mitgemacht, das eigentlich sehr ausgewogen ist, Sport einbezieht usw. Das Abnehmen hat echt gut geklappt - dann hab ich aber festgestellt, dass es noch viel besser klappt, wenn ich nichts Kohlenhydrathaltiges mehr esse und nichts fettes; ich habe im Prinzip also nur Fleisch und Gemüse sowie Quark und Joghurt gegessen. Damit habe ich bis auf 52kg abgenommen und war dann sehr zufrieden. Aber dann (das war ca. Mitte 2006) haben auch die "Heißhungeranfälle" angefangen. Den ganzen Tag hab ich durchgehalten, und abends dann sehr große Mengen an Essen verzehrt. Das waren aber v.a. sehr niedrigkalorische Nahrungsmittel (z.B. Joghurt mit 0% Fett, 31kcal, davon aber 500g!). Zu dieser Zeit habe ich alleine gewohnt und nur für mich kochen müssen.

Anfang 2007 bin ich mit meinem Freund zusammengezogen. Der wollte natürlcih was Richtiges essen und dann habe ich angefangen, richtig zu kochen. Das macht mir auch Spaß! Allerdings waren seit diesem Zeitpunkt auch wieder Süßigkeiten im Haus, die ich wieder (in keinen Mengen) gegessen habe. Durch die richtigen Mahlzeiten habe ich wieder zugenommen (was auch normal war; 52kg sind ja Untergewicht!). Aber das Zunehmen hat nicht aufgehört. Und seitdem dachte ich: Wieso soll immer ich verzichten, wenn es was Gutes gibt. Seitdem esse ich wieder Süßigkeiten, Torte usw. Das macht sich auf der Waage bemerkbar! Irgendwann denkt man sich dann dass eh alles egal ist und dann esse ich hemmungslos. Ich habe das Gefühl, mein Körper braucht das Essen... Ich esse viel zu schnell und jetzt halt nicht mehr das Joghurt mit 31kcal, sondern halt normal. Ich esse normal am Tisch mit zu Abend, dann gehe ich in die Küche zum Abräumen und dort geht es richtig los: noch ein Becher Joghurt mit Sesam, dann ein Apfel, dann ein Stück Schokolade, dann ein Stück Käse... bis ich irgendwann richtige Bachschmerzen habe! Dann ärgere ich mich und denke, ab morgen wird alles besser. Und am nächsten Tag dann das Gleiche!

ich merke z.B. nicht, ob ich satt oder hungrig bin, esse halt einmal zum Frühstück, dann Mittagessen, dann Abendessen und dann wie oebn beschrieben. Hunger habe ich eigentlich nie; oder, wie fühlt sich das an?

Ich denke den ganzen Tag an nichts anderes als daran, wie ich diese Situation ändern kann...

Noch etwas, das vielleicht wichtig ist: Ich bin 2007 zu meinem Freund nach Wien gezogen (aus Deutschland) und habe hier kaum Bekannte (seine Familie und seine Freunde halt). Ich arbeite, dann komme ich heim und bereite das Essen vor. Kochen ist mein Hobby, genießen kann ich das Zubereitete nicht wirklich. Das ist irgendwie nur "Füllstoff" und ein Schlechtes Gewissen habe ich auch beim Essen. Am Wochenende unternehmen wir zu Zweit etwas, oder sitzen daheim... Oder ich fahre zu meinen Eltern, die auf dem Land wohnen. Dort gibt es mehr zu tun (haben ein Haus mit Garten). In Wien haben wir nicht einmal einen Balkon; und ich kenne keinen, mit dem ich etwas unternehmen könnte, das mich vom ewigen Ernährungsthema ablenkt.

Ich hoffe sehr, dass mir jemand von euch seine Meinung sagen kann: Habe ich eine Essstörung? Oder ein psychisches Problem? Habt ihr Ideen, wie ich es lösen könnte?

Danke für die Hilfe!
Verena

(INTAKT antwortet am 17.03.2008 um 13:27:55)

Liebe Verena, aus Ihrem Brief heraus ist zu erkennen, daß Ihr Essen in einer Art entgleist ist, die für Sie beunruhigend ist. Es scheint, als dient das Essen für Sie auch zum Spannungsabbau, und hat dadurch jedenfalls einen belastenden Aspekt. Wenn es regelmässig zu solchen Essattacken kommt, spricht man von einer Essstörung. Die vernetzte Unterstützung von ÄrztInnen und TherapeutInnen wäre für Sie insofern eine Unterstützung, als einerseits die körperlichen Auswirkungen bezüglich eines zwar regelmässigen, aber vielleicht nicht auf Ihre körperlichen Bedürfnisse ausgerichtetes Essverhaltens behandelt wird. Andererseits ist es wichtig, auf der psychischen Ebene mit jemanden Kompetenten, Aussenstehenden zu hinterfragen, welche Ressourcen und Strategien hilfreich wären und zu entwickeln sind, um mit belastenden Situationen "gesünder" und vielleicht auch kreativer umgehen zu lernen. Eventuell wäre da auch eine Gruppe eine Möglichkeit, da Sie dadurch auch soziale Kontakte knüpfen könnten.
Da Sie den Impuls hatten, schon recht viel von sich zu erzählen, möchte ich Sie wirklich ermutigen, professionelle Unterstützung in Anspruch zu nehmen. Alles Gute für Ihren weiteren Weg...und Hilfe anzunehmen heißt eigenverantwortlich zu handeln, damit haben Sie schon begonnen!

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