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Essstörungsspirale

(Anonym fragte am 05.05.2017 um 13:04:34)

Liebes Intakt-Team!
Ich bin seit einigen Jahren bereits in psychologischer Behandlung wegen einer Anorexie. Lange dachte ich, dass der Ursprung für diese Essstörung - die ich als solche nie akzeptieren konnte, waren mein Essverhalten, mein Gewicht, BMI etc für mich doch nie besorgniserregend - im Verlust einer mir sehr nahestehenden Person zu suchen war. Meine Therapeutin, die mir wirklich eine sehr große Hilfe ist, in all den Jahren eine wahre Vertraute geworden ist und die mich, dank unserer Gespräche immer noch am laufen hält, hat immer schon beteuert zu glauben, \'da wär noch was\'. Vor einiger Zeit erzählte ich von meiner Vergangenheit, von unschönen Erlebnissen, die ich wohl in mir begraben und mit Erfolg verdrängt hatte. Meine Therapeutin nennt das \"Missbrauch, Misshandlung\" sogar von Vergewaltigung war die Rede. Seither bin ich nur noch in Gedanken, erinnere mich an Phrasen, an Situationen, an Gesichtsausdrücke. All das zerstört mich total. Jeden Morgen, wenn aufstehen muss (weil meine Kinder und ein Job mich dazu verpflichten), fühle ich mich gerädert, kränklich, mitten in einem schwarzen Loch. Ich weiß nicht, ob ich mit meiner Therapeutin noch weiter darüber sprechen soll, ob es für sie zu belastend werden könnte. Die Peinlichkeit ist für mich extrem, ich schäme mich sehr, gebe mir die Schuld an allem, weiß nicht, wie ich da raus kommen soll. Seit dieser erstmaligen Beichte sind knapp 2 Wochen vergangen, in den ersten Tagen danach plagten mich Schwindel und absoluter Unwille zu Aktivität. Ich verlor in der ersten Woche danach immerhin 5 kg - zumindest das lief für mich gut! Zur Zeit fühle ich mich bei 1m69 mit 55,1 kg einfach nur fett und hoffe so sehr, weiterhin abzunehmen. Am liebsten hätte ich mehr Termine zum Reden, aber wie viel Fremd-Belastung ist erträglich? und wie viele Details zu erzählen bringe ich noch über mich?

(INTAKT antwortet am 09.05.2017 um 13:52:42)

Wie mutig – aber auch wie verantwortungsbewusst - von Ihnen, dass Sie in dieser für Sie schwierigen Phase die Kraft aufbringen und sich an uns wenden, um Unterstützung zu holen. Für uns klingt es, als wären Sie zur Zeit in einen schwierigen therapeutischen Prozess eingetaucht. Oft braucht es da eine Rückbestätigung von Außen, damit die Gefühle, die einem möglicherweise gerade im Weg stehen, wieder in geordnetere Bahnen gebracht werden können. Vor allem, wenn Sie von verständlichen, aber sicherlich völlig ungerechtfertigten Schuld- und Scham-Gefühlen belastet sind. So wie Sie es uns geschildert haben, sind Sie sehr gut therapeutisch aufgehoben und wir unterstützen Sie sehr darin, mit Ihrer Therapeutin weiter im Gespräch zu bleiben. Auch über die schwierigen Themen, über die man sich eben nicht sofort drüber traut, und auch über Ihre verzwickten Gefühle ihr gegenüber, nämlich ob Sie sie mit gewissen Bereichen Ihrer Gefühle und Ihres Lebens möglicherweise belasten. Wir können Ihnen nur versichern, Ihre Therapeutin ist dafür bestens gewappnet! (Sollte sie sich wirklich überfordert fühlen, nimmt sie sowieso Supervision in Anspruch!!) Sprechen Sie aber auch Ihre Bedenken dazu offen aus. Und geben Sie sich auch die für Sie erforderliche Zeit dafür, es ist eben ein Prozess und manches geht nicht von heute auf morgen, genauso, wie nicht von Beginn an, alle Themen am Tisch liegen. Und auch wann und mit welchen „Details“ Sie nach außen gehen, entscheiden nur Sie. Geben Sie sich Zeit und möglicherweise gelingt es Ihnen, das schon als heilsame Selbstfürsorge zu schätzen!
Sprechen Sie auch mit Ihrer Therapeutin Ihren Wunsch, nach häufigeren Terminen an. Möglicherweise ist Sie gerne bereit dem nachzukommen.

Da Sie, aufgrund Ihrer Schilderungen, bei uns allerdings schon den Verdacht nach einer erhöhten psychischen Belastung erwecken, möchten wir Sie darüber informieren, dass wir bei uns im Therapiezentrum auch eine Betreuung durch eine Psychiaterin anbieten, die wir allen unseren PatientInnen zukommen lassen. Und wir würden Ihnen raten, Ihre aktuelle Befindlichkeit auch psychiatrisch abklären zu lassen. Möglicherweise können Sie auch durch eine zusätzliche medikamentöse Behandlung auf Ihrem Heilungsweg unterstützt werden.

Falls Sie an einem Termin bei unserer Psychiaterin interessiert sind, dann können Sie telefonisch einen Termin vereinbaren unter 01 22 88 770-0.

Zusätzlich möchten wir Sie auch auf weitere psychiatrische Betreuungsangebote in Wien aufmerksam machen:

- Kriseninterventionszentrum, www.kriseninterventionszentrum.at

- Psychosozialer Notdienst Wien, www.psd-wien.at

- eine_n der PsychiaterInnen in Ihrer Nähe, www.docfinder.at/arztsuche/psychiater/wien

Wir hoffen Ihnen mit damit die notwendige Unterstützung für Ihren nächsten Schritt gegeben zu haben.

Ihr intakt-Team

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