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Essstörung - Untergewicht meiner Tochter

(Sonja Kupka-Wolf fragte am 17.04.2017 um 12:31:34)

Es geht um meine Tochter, Benita (15 Jahre), die inzwischen nur mehr 35 kg hat, bei Größe 166cm, und in den letzten Monaten sehr abgenommen hat. Zuerst dachte ich, es hat vor allem mit schulischem Stress und der familiären Situation zu tun – sie redet mit ihrem Vater seit 1 Jahr nichts mehr. Zu Weihnachten waren wir dann bei einer Therapeutin, die Benita zuerst gut angenommen hat, aber nach 3 Terminen, meinte Benita, sie fühlt sich zu sehr unter Druck gesetzt, weshalb wir dann nicht mehr hingingen. Benita hat zusätzlich panische Angst vor Ärzten, weshalb sie sich gegen diesen Weg lange wehrte. Ich wollte jedoch auch abklären, ob es eventuell körperliche Ursachen für ihren Gewichtsverlust gibt. Endlich hat sie sich von einem befreundeten Labormediziner auch Blut abnehmen lassen und außer Vitamin D Mangel wurde nichts Auffälliges festgestellt. Jetzt war ich bei unserem Kinderarzt mit ihr – ich dachte zu dem hat sie Vertrauen, da wir ihn auch privat kennen. Dieser Besuch hat ihr aber eigentlich mehr Angst gemacht und auch mich überfordert die Situation zunehmend. Ich mache ihr immer mehr Druck, mehr zu essen und Druck erzeugt Widerstand.
Einer neuen Gesprächs-Therapie ist sie nicht aufgeschlossen und meint, sie bekommt das selbst in Griff. Das Problem ist sicher tiefer liegend und die Essstörung ist für mich nur symptomatisch. (Sie isst bewusst viel Gemüse und Obst, fast kein Fleisch, keine süßen Sachen und trinkt nur Wasser. Sie erbricht aber nicht.) Sie fühlt sich nicht wertgeschätzt, nicht genügend geliebt und hat wenig Selbstbewusstsein, obwohl sie in der Schule sehr gute Noten hat und auch sonst sehr lebenstüchtig wirkt.
Ich denke, weitere Gesprächstherapie würde ihr gut tun, kann sie aber dazu nicht zwingen. Was kann ich tun? Soll ich etwas tun oder darauf vertrauen, dass sie es selbst schafft?
Ich bin mit dieser Situation selbst überfordert, ich kann einfach nicht nur zusehen und nichts tun. Was sind Ihre Empfehlungen? Was kann ich als nächsten Schritt tun.
Vielen Dank für Ihre Unterstützung.
Sonja Kupka-Wolf

(INTAKT antwortet am 19.04.2017 um 15:17:39)

Liebe Frau Kupka-Wolf,

wir verstehen gut, dass Sie nicht nur zusehen können und Ihrer Tochter helfen wollen!
Sie wissen schon sehr viel und sind gut informiert. Sie haben auch erste wichtige Schritte eingeleitet wie die ärztliche Kontrolle und den Versuch einer Psychotherapie (Gesprächstherapie). Natürlich wäre es gut und wünschenswert, wenn Ihre Tochter eine Psychotherapie (möglichst bei einem/einer mit Essstörungen erfahrenen TherapeutIn) machen würde. Wahrscheinlich war die erste Therapeutin einfach nicht die richtige Person für Ihre Tochter. Damit eine Psychotherapie gelingt, ist die Beziehung zwischen TherapeutIn und KlientIn - und damit auch die Person der/des Therapeuten - besonders wichtig.
Sie sind in einer sehr schwierigen und belastenden Situation. Was können wir Ihnen empfehlen? Einerseits ist es wichtig, auf die Selbstbestimmung und Autonomie Ihrer Tochter zu achten. Das sind sehr oft wichtige Themen für Menschen mit Essstörungen. Ihr Vertrauen entgegen zu bringen, ist daher besonders wichtig. Andererseits sind Sie als Mutter aber auch gefordert, die Verantwortung für die Gesundheit Ihrer Tochter zu beachten. Oft haben gerade jugendliche Mädchen mit Magersucht oder Bulimie leider keine Krankheitseinsicht und verstehen auch nicht wie gefährlich ein zu geringes Körpergewicht sein kann. Natürlich glauben alle, dass sie das Gewicht wieder in den Griff bekommen, doch die Gefahr noch mehr abzunehmen ist dabei viel größer. Ihre Tochter befindet sich bei den von Ihnen angegeben Werten (166cm, 35kg) bereits in einem kritischen Untergewichtsbereich!
Wir möchten Ihnen daher empfehlen, zu einem Beratungs- oder Erstgespräch zu uns zu kommen, damit wir genau auf Ihre spezifische Situation eingehen können und mit Ihnen eventuell wichtige Schritte überlegen bzw. einleiten können. Auch haben wir einen Eltern- und Angehörigenabend einmal im Monat, bei dem es um den Austausch und Entlastung der Angehörigen geht. Essstörungen insbesondere Magersucht sind auch für die Angehörigen äußerst belastende Krankheiten.

Wir hoffen mit unserer Antwort zumindest ein bisschen helfen zu können und wünschen Ihnen und Ihrer Tochter alles Gute,
Ihr intakt Team

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