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Probleme zu Hause - fressattacken

(Anonym fragte am 23.02.2017 um 19:45:00)

Liebes intakt-Team!

Ich hoffe sehr, dass Sie mir helfen können. Zuerst ein bisschen meine Vorgeschichte, damit Sie mein Problem besser verstehen können. Ich bin jetzt 20 Jahre alt - mit 16 Jahren bin ich ziemlich stark an Magersucht erkrankt und war zwei mal in stationärer Behandlung in zwei verschiedenen Krankenhäusern (insgesamt 2 Jahre).
Dann als ich wieder zu Hause war, haben die essattacken angefangen. Am Anfang war es nicht so oft und auch noch nicht so extrem viel, jedoch in dann sind sie immer mehr geworden und innerhalb von einem drei viertel Jahr habe ich mehr als das doppelte, von meinem geringsten Gewicht bei der Magersucht zugenommen. Dann war ich leider auch leicht übergewichtig, was für mich extrem schrecklich war, da ich auch vorher Magersucht schon immer schlank war. Leider habe ich es zu Hause nie geschafft, auch nicht mit psychologischer Betreuung, dass ich diese fressanfälle in den Griff bekomme. Dann war ich vier Monate in London und habe dort ein Auslandssemester absolviert. Dort ist es mir dann auch mit dem Essen viel besser gegangen und ich hatte endlich nicht mehr so viele essanfälle und war so extrem stolz dass ich das geschafft habe. Auch meine Freude am Leben ist wieder viel größer geworden, hatte mehr Selbstbewusstsein und war viel glücklicher, da ich dadurch auch an Gewicht verloren habe. ich hatte endlich wieder Normalgewicht (noch lange kein Untergewicht) und alles machte mit viel mehr Spaß und ich war viel unternehmensfreudiger. Davor bin ich nur mehr in die Schule gegangen und habe sonst fast gar nichts mehr unternommen, weil es mir so peinlich war, dass ich so fett geworden bin. Dann bin ich im Jänner diesen Jahres wieder nach Hause gekommen - am Anfang ging es noch, da meine Freude noch so groß war, endlich zu Hause zu sein und so. Doch dann kam dazu dass mich mein Papa einmal am Abend zum Essen zwang, obwohl ich keinen Hunger hatte und meine Schwester hat mich beschimpft und so. Und dankbar ich immer mehr mit meiner Schwester und meinen Eltern gestreuter. Vor allem meine Schwester hat mich so extrem beschimpft. Das alles macht mich so fertig, sodass ich dann schon wieder angefangen habe alles in mich hinein zu stopfen und auch wenn es ziemlich unglaubwürdig klingt, aber meine essattacken sind wieder so extrem geworden - ich stopfe die ganze Zeit wenn ich im Auto sitze nur essen in mich hinein, zu Hause und immer wenn ich alleine bin und es keiner sieht. Jetzt habe ich in den letzten zwei Wochen wo es extrem schlimm war und ich durchgehend nur gefressen habe 9 kg zugenommen. Und es geht mir schrecklich. Ich hasse es jeden Tag nach Hause zu kommen. Ich will nicht zu Hause sein!!! Es geht mir wieder so viel schlechter - ich stopfe immer mehr essen in mich hinein um mich besser zu fühlen, was aber dann auch nichts bringt sondern mich nur noch fetter macht. Ich weiß einfach nicht mehr weiter. Keiner kümmert sich um mich oder interessiert sich dafür, wie es mir geht. Ich kann einfach nicht mehr. Ich habe schon darüber nachgedacht ob ich wieder zu einer Psychologin gehen soll, jedoch traue ich mich meine Eltern gar nicht darauf anzusprechen, den die waren vor meinem Aufenthalt in London schon überhaupt nicht begeistert dass ich bei einer Psychologin bin.üner ausziehen habe ich auch schon nachgedacht, da ich in London auch in einem Studentenwohnheim gelebt habe und es mir da ziemlich gut gegangen bin. So würde ich auch den Streiterin aus dem Weg gehen und ich hätte keinen Schmerz wenn sich keiner für. Mich interessiert und um mich kümmert - leider bin ich aber noch Studentin und mit dem Geld was ich aus einer geringfügigen Beschäftigung neben dem Studium verdiene geht sich das alles auch nicht aus. Haben Sie einen Rat was ich machen kann??? Vielen Dank !!!

(INTAKT antwortet am 27.02.2017 um 13:36:16)

Gut, dass Sie in ihrem Brief so ausführlich schildern wie Ihr Weg zu uns geführt hat. Denn das ist jetzt auch der erste Schritt, den Sie aus diesem Teufelskreis getan haben! Sie haben uns geschrieben, dass sie schon eine längere Erkrankungsgeschichte mit dem Thema Essen haben, aber scheinbar erst kürzlich in eine neue Phase gerutscht sind. Die Essanfälle sind natürlich für Sie eine große Belastung. Und so wie Sie es schildern, ist auch Ihre Familie stark durch Ihre Erkrankung belastet und kann Sie nicht optimal unterstützen. Vermutlich sind Ihre Eltern und Ihre Schwester auch sehr um Sie besorgt und reagieren dadurch vermutlich auch aus Angst oft in einer negativen Art auf Sie. Das mag paradox klingen, aber sich sorgende Angehörige sind oft auch von der Situation überfordert und können ihre Sorgen leider nicht immer liebevoll ausdrücken.
Aber Sie scheinen ja eine wunderbare Zeit in London gehabt zu haben! Es klingt so als wären sie dort richtig aufgeblüht und haben ihre Zeit an dem neuen Ort voll genossen! Vielleicht wäre es gut an diese Erfahrung anzuknüpfen und Sie haben es ja schon selbst erwähnt, den Auszug aus zu Hause in Angriff zu nehmen. Es könnte für Sie der richtige Zeitpunkt sein, sich einen Platz in einem StudentInnenwohnheim zu suchen. Der Wechsel des Wohnorts, aber auch ein weiterer Schritt in Ihre Selbstständigkeit, könnte Ihnen genug Raum geben, um an Ihre lebensfrohe Zeit in London anzuknüpfen. Aber auch dass Sie sich dann um Ihre Symptomatik der Essanfälle kümmern und einen weiteren Schritt zu einem gesunden und selbstbewussten Leben machen können.
Es gibt für Sie als Studentin mehrere Möglichkeiten sich Unterstützung zu holen und therapeutische Begleitung auf ihrem Weg zu erhalten. Sie können sich an die Essstörungs Hotline wenden, von Montag bis Donnerstag, von 12 – 17 Uhr werden sie dort von Psychotherapeutinnen und Psychologinnen beraten, Telefonnummer: 0800 20 11 20. Oder sie wenden sich an die Psychologische Studierendenberatung, die an sechs Standorten, für Studierende kostenfreie Beratung und Therapie anbietet, www.studentenberatung.at, sie können sich telefonisch für ein Erstgespräch anmelden.
Und Sie können sich natürlich jederzeit wieder an uns wenden, vielleicht auch ein persönliches, kostenloses Beratungstelefonat mit einer unserer Therapeutinnen führen. Näheres dazu erfahren Sie auf unserer Homepage.
Wir unterstützen sie gerne weiterhin und wünschen Ihnen alles Gute!
Ihr Intakt-Team

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