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soziales Verhalten/Ess-Störung

(Rosa fragte am 12.01.2016 um 09:57:27)

Liebes Team,unsere erwachsene Tochter leidet seit mehr als einem Jahr an Bulimie. Vor Weihnachten hat sie sich ein Zungenpiercing machen lassen, irgendwie als Auftakt/Ansporn
nicht mehr zu kotzen. Hat bis vor wenigen Tagen geklappt. Ich war stolz und es war eine riesen Erleichterung die Kotzgeräusche
nicht mehr einige Male am Tag mitanhören zu müssen. Das Timing hat gut gepasst, da leider durch diese Krankheit und die Jahre der Abfluss in der Toilette den Geist aufgegeben hat und wir knapp vor Weihnachten hier im Haus eine Riesenbescherung hatten, die Abflussrohre mussten erneuert werden. Unsere Tochter hat auch mehr am Familiengeschehen teilgenommen, sonst war sie nur in ihrem Zimmer und hatte sehr wenig bis gar nicht Kontakt zur Außenwelt, außer durch ihr Handy, das sie so gut wie nie aus der Hand lässt. Seit gut einer Woche geht es ihr leider nicht mehr so gut. Sie hat eine Freundin, die sehr präsent ist, leider habe ich den Eindruck dass sie dies stresst, aber sie kann nicht loslassen oder Grenzen setzen. Diese Freundin nächtigt dann bei ihr, nahm vor einer Woche auch noch Freunde mit und mitten in der Nacht hat mein Gatte diese Freundin mit einem Burschen in einer eindeutigen Situation in unserem Wohnzimmer auf unserer Couch erwischt. Er hat die beiden nicht rausgeworfen, sondern nur gesagt, dass das nicht geht und sie sollen ins Zimmer unserer Tochter gehen. Am nächsten Morgen kam diese Freundin zu uns und hat sich entschuldigt. Kam leider nicht ehrlich rüber, ich halte diese Person leider für sehr oberflächlich. Ich habe ihr am Morgen erklärt, wenn ich sie erwischt hätte, dann würde sie nicht mehr hier in meinem Haus stehen, sondern ich hätte sie mitten in der Nacht rausgeschmissen. Ich habe dann mit unserer Tochter über diesen Vorfall gesprochen und das wir so ein Verhalten nicht akzeptieren. Wenn Besuch zu unserer Tochter kommt wird grundsätzlich nicht gegrüßt und es wird sich einfach bedient. Unsere Tochter toleriert dieses Verhalten, obwohl wir ihr erklärt haben, dass hier das Problem besteht, dass sie ausgenutzt wird, das dies respektlos ist. Jetzt ist die Situation so, dass unsere Tochter ihren Besuch sozusagen heimlich ins Haus lässt, dies geschieht folgendermaßen, der Besuch läutet nicht an, sondern schickt an unsere Tochter ein SMS, dass sie vor der Tür stehen und das geschieht zu einer Zeit, wo sich unsere Tochter sicher sein kann, dass wir schon schlafen und das nicht mehr mitbekommen, außer Haus gehen funktioniert auch so, irgendwann zeitig in der Früh, wo von uns noch keiner wach ist bzw. mein Mann das Haus schon lange verlassen hat. Alles absolut leise, früher wurde Lärm gemacht ohne Rücksicht, dass wir zeitig aufstehen müssen und einer geregelten Arbeit nachgehen und dementsprechend auch ausgeschlafen sein sollten. Gestern Nacht war das leider wieder so, heimlich. Ich bin dem aber nachgegangen, zu meiner Tochter, habe angeklopft und bin dann in ihr Zimmer und habe mich ihrem Besuch vorgestellt und dass bei uns jeder anläuten kann und ins Haus kommen kann und sich nicht wie ein Einbrecher ins Haus schleichen muss. In der Nacht hatten wir dann noch ein sehr emotionales Gespräch mit unserer Tochter, indem wir ihr auch unsere Situation erklärt haben. Es kommt nämlich leider noch dazu, dass wir in einem kleinen Ort am Ortsrande leben und in letzter Zeit sehr viele Einbrüche waren und wir aus diesem Grund auch hellhöriger sind, wenn Autos stehen bleiben und wir nichts weiter hören. Wir haben ihr auch erklärt, wenn wir nicht wissen dass sie Besuch hat und wir begegnen jemandem Fremden in der Nacht in unserem Haus, dass das nicht gut ist. Ich hatte nicht den Eindruck, dass sie uns verstanden hat. Sie fühlt sich nur kontrolliert, dass sie nichts machen darf. Sie kommt und geht wann sie will, sagt nichts, kommt manches Mal einige Tage nicht nach Hause, es sagt niemand etwas aus Rücksicht auf ihre Erkrankung. Irgendetwas mithelfen zuhause, geschieht nicht auch wenn man sie bittet, ja gleich, dann, sofort sind ihre Aussagen. Wenn man sie darauf anspricht sagt sie - habe ich vergessen - und es geschieht wieder nichts.
Sie ist Studentin, macht zur Zeit nichts, nebenbei hat sie erwähnt, dass sie das kommende Semester pausieren will, auf ihre Therapie schauen will, sich einen Job suchen will und eine Wohnung. Diese Wünsche hat sie formuliert nur setzt sie nichts um, das ist in der Vergangenheit leider immer wieder so gewesen, das sind keine Ziele sondern Wünsche. Irgendwie habe ich den Eindruck, dass sie uns absolut in der Hand hat, unsere Tochter ist intelligent, aber es fehlt ihr leider an Willen oder Durchsetzungsvermögen oder ich weiß nicht wie ich das sagen soll. Leider haben wir den Eindruck, dass sie darauf wartet, dass jemand anderer alles für sie richtet oder es sich irgendwie ergibt, bis jetzt war es so. Ich bin mir über ihr Verhalten leider nicht im Klaren, dass sie ausziehen will, das weiß ich und das ist für uns überhaupt kein Problem, nur muss sie es in die Hand nehmen und ihren Beitrag leisten, dass wir sie unterstützen das ist für uns selbstverständlich, aber die Initiative muss von ihr ausgehen und das haben wir ihr auch gesagt. Leider habe ich den Eindruck, dass sie es auf etwas anlegt durch ihr provokantes Verhalten, sozusagen solange bis es uns reicht oder wir diese Situation nicht mehr aushalten und wir ihr eine Wohnung suchen und alles bis zum letzten Cent bezahlen, nur das übersteigt unsere finanziellen Möglichkeiten. Wir drehen uns leider nur im Kreis.

(Erweiterung der Fragestellung am 12.01.2016 um 13:51:47)

Übrigens, vielen Dank für`s Zuhören, ich habe mir meinen Frust von der Seele geschrieben. Wir lieben unsere Tochter und sind in großer Sorge um ihr Wohlergehen und dass sie irgendwann einmal ein selbstbestimmtes Leben führen kann und vor allem ein glücklicher, zufriedener Mensch sein kann.

(INTAKT antwortet am 13.01.2016 um 13:53:35)

Oft ist es wirklich hilfreich, sich einmal alles von der Seele zu schreiben! Aus Ihrem Brief geht hervor, dass Ihre Tochter in Therapie ist. Was Sie belastet ist momentan, dass Ihre Tochter - eventuell aufgrund eines schwierigen Freundeskreises- Ihre Grenzen nicht akzeptiert.Aber es ist Ihr gutes Recht, dass SIE in IHREM Haus die Grenzen setzen, die Ihnen wichtig sind, klar und deutlich! Grenzen sind überhaupt wichtig für jeden und das Thema Grenzen ist bei Essstörungen oft ein zentrales. Was Ihnen zuviel ist, müssen Sie artikulieren und mit Ihrer Tochter ausdiskutieren! Verlieren Sie nicht das Vertrauen in Ihre Tochter und stehen Sie hinter ihr, aber Sie tun ihr nichts Gutes, wenn Sie glauben, Verhaltensweisen akzeptieren zu müssen, die Ihnen gegen den Strich gehen. So braucht es immer wieder klare Diskussionen unter vier bzw sechs Augen! Alles Gute! Sie können auch gerne einmal zu unseren Elternabenden kommen!

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