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Frustessen

(Anonym fragte am 26.11.2015 um 13:39:04)

Ich war lange magersüchtig und hatte auch längere Krankenhausaufenthalte - innerhalb der letzten 2 Monate hab ich so viel zugenommen dass ich vom schweren Untergewicht jetzt im Normalgewicht bin. Ich weiß nicht wie viel ich genau wiege, weil ich Angst habe mich auf die Waage zu stellen. Aber ich weiß dass mir mein ganzes Gewand nicht mehr passt und sogar das Gewand dass ich vor meiner Magersucht trug zu klein ist. Das ist ein schreckliches Gefühl zu wissen, dass man so viel zugenommen hat. Ich fühle mich so extrem unwohl in meinem Körper dass ich gar nicht mehr aus dem Haus gehen möchte - nur mehr für das nötigste wie Schule. Ich will mich auch mit niemanden meiner Freunde mehr treffen weil ich mich so fett fühle und angst davor habe wie sie reagieren.
Aber das ist noch nicht alles. Es macht mich noch fertiger dass ich es einfach nicht schaffe, normal zu essen.
Immer wenn ich STreit mit meiner Mutter habe oder sie keine Zeit für mich hat oder mir nicht einmal zuhört wächst mein Drang ganz viel essen in mich hineinzustopfen so enorm und dann fresse ich wirklich den ganzen tag - das ist auch der grund dass ich in letzer zeit so viel zugenommen habe weil ich immer wieder diese schrecklichen essanfälle am Wochenende oder oft auch schon ein paar tage vorher zusätzlich noch hatte. Ich esse da wirklich extrem viel (meistens so 6 weckerl, rießen Portionen von reis, nudeln etc. und viel schokolade und sonstige süße Sachen. Aber ich will das nicht mehr, vor allem will ich mich wieder mit meinen Freunden treffen ohne Angst zu haben was sie über mich denken. Deshalb will ich wieder abnehmen, weil ich mich in meinem körper überhaupt nicht wohl fühle und mit meinem vielen Gewicht überhaupt nicht klar komme.
deshalb esse ich schon seit ein paar tagen überhaupt nichts mehr, weil ich genau weiß wenn ich nur wenig esse, dann halte ich das noch weniger durch. Ich habe so große angst dass ich dieses Wochenende wieder so schlimme essanfälle habe und ich das gewicht was ich jetzt abgenommen habe durch nichts essen (ich weiß nicht wie viel es ist) nun alles und noch mehr wieder zunehme, weil ich am Wochenende wieder alleine bin und ich so große angst habe dass ich meinen kummer und meine Einsamkeit wieder durch essen auszublenden, so wie ich es in letzter zeit immer gemacht habe. Aber das würde bedeuten dass ich wieder von vorne anfangen muss mit dem abnehmen und ich halte das bald nicht mehr aus.
Ich weiß nicht was ich dagegen machen kann, nicht mehr aus Zorn, Ärger oder Einsamkeit essen zu müssen. und wie ich es schaffe wieder abzunehmen damit ich mich wieder wohler fühle (aber wahrscheinlich ist das das falsche Forum für eine Frage bezüglich des Abnehmens!?)

Sicher empfehlen Sie mir dass ich eine Therapie machen sollte - ich war auch lange in Therapie, nur haben mir meine Eltern vor 2 Monaten verboten dass ich weiter in Therapie gehe, weil sie meinten dass es nur teuer ist und sowieso nichts bringt. Ab diesem Zeitpunkt ist das Frustessen immer schlimmer geworden. Eine Freundin hat mir empfohlen, dass ich unbedingt eine Therapie brauche, aber in meinem jetzigen Zustand, wenn ich wieder normal gewichtig bin, werden meine Eltern noch weniger dem zustimmen.

Bitte geben Sie mir tipps wie ich auch ohne Psychologin mit meiner Situation klar kommen kann!!!

(INTAKT antwortet am 27.11.2015 um 15:47:20)

Schön, dass Sie den Mut gefunden haben, sich an uns zu wenden.
Die Situation, die Sie beschreiben klingt sehr Kräfte raubend und fordernd – sowohl für Sie psychisch, als auch für Ihren Körper. Sie schreiben, dass Sie lange magersüchtig waren und erst seit zwei Monaten normalgewichtig sind. Das heißt, dass Ihr Körper über lange Zeit mit nur sehr wenig Nahrung auskommen musste. In dieser Zeit haben ihm wichtige Nährstoffe gefehlt. Nach einer Magersucht sind Essanfälle gar nicht ungewöhnlich. Denn, seitdem Sie begonnen haben wieder mehr zu essen, versucht ihr Körper sich nun all das zu holen, was ihm so lange verwehr geblieben ist, nämlich ausreichend Nahrung. Aus Angst bald wieder hungern zu müssen, verlangt er nach mehr. Die Essensmenge muss sich erst wieder auf einem gesunden Level einpendeln, was viel Zeit und Geduld braucht. Und Sie müssen erst wieder lernen, was gesunde Mengen sind. Wichtig ist auch, dass Sie lernen, regelmäßige Essenszeiten einzuhalten, damit der Körper wieder vertrauen lernt, dass er genug bekommt. Sie schreiben auch, dass Sie in Frustmomenten oder in Momenten der Einsamkeit zum Essen greifen und verstärkt Essanfälle haben. Dafür braucht es auch weiterhin Therapie. Wir empfehlen Ihnen dringend, sich an die Essberatungshotline unter der Tel 0800-20 11 20 zu wenden und nach kostenloser oder günstiger Unterstützung zu fragen. Es ist nur sehr schwer möglich ohne professionelle Hilfe aus diesem ungesunden Kreislauf auszubrechen. Dafür braucht man Unterstützung, Begleitung, Trost und Rat. Unter Umständen wäre es auch für ihre Eltern hilfreich sich beraten zu lassen, damit sie Verständnis für Ihre Situation erlangen und Ihnen so auch eine Stütze werden können.
Wir stehen Ihnen und auch Ihren Eltern gern für weitere Informationen zur Verfügung und wünschen Ihnen vorerst alles Gute!

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