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Ist das normal?

(Anja fragte am 28.08.2015 um 17:02:03)

Ich war längere Zeit magersüchtig und bulimisch und scheinbar recht untergewichtig. Auch wenn ich das selbst nicht sah und bis jetzt nicht einsehe.Ich war oft in Behandlung, stationär und in einer betreuten Wohngruppe.
Dort habe ich plötzlich sehr viel zugenommen (trotz eines nicht normalen Essverhaltens, aber viele Essanfälle mit erschwertem erbrechen). von 40 kg habe ich auf 75 zugenommen und mich einfach schrecklich gefühlt. Vor einem Jahr habe ich dann innerhalb von 2 Monaten 13 kg abgenommen und halte dieses Gewicht. Aber ich bin so unzufrieden mit mir. Ich bin so breit und sehe schrecklich aus. Ich finde alles an mir einfach unmöglich, nichts passt zusammen. Meine Ernährung besteht aus 2 Tassen Kaffee mit Milch, einem Schokoriegel, 2 Joghurt und Obst/Gemüse. Viel zu viel scheinbar denn ich nehme einfach nicht ab und schaffe es nicht weniger zu essen (bin zu schwach dafür). Ich nehme täglich Abführmittel, habe Fressanfälle und erbreche danach (allerdings nicht mehr so oft wie früher sondern nur mehr 1 bis 2 mal die Woche).Ich denke sehr viel über mein gewicht und das Essen nach. Dann denke ich mir wieder eigentlich ist doch alles normal oder? Welche Frau hadert nicht mit ihrem Körper? Ich habe ja auch normales Gewicht laut BMI. Ich hab mich mit weniger Gewicht so viel wohler gefühlt. Bekam auch viel mehr positiven Zuspruch, jetzt werde ich übersehen.
Auch habe ich dass Gefühl dass es mir mit weniger Gewicht körperlich besser ging. Seit ich wieder mehr Gewicht habe passiert es häufig dass ich das Bewusstsein verliere. Der Körper ist so behäbig.Ich versuche zu ignorieren dass er da ist.
Ich bin verzweifelt dass ich nicht hübsch bin, vergleiche mich ständig mit anderen. Dann frage ich mich wieder bin ich noch krank oder doch normal wie alle anderen? Ich will nicht normal sein, ich will krank sein, etwas besonderes sein. Jetzt bin ich viel zu normal, man sieht mir nicht mehr an dass ich wenig esse.
Ich habe keine Ahnung ob der Text jetzt verständlich ist, bin so verwirrt.

(INTAKT antwortet am 01.09.2015 um 15:31:12)



Liebe Anja!
Vielen Dank, dass Sie sich mit so viel Mut an uns wenden.
Was ist normal? Ihr Wunsch, nicht der Norm zu entsprechen um Beachtung zu finden, ist sehr groß. Allerdings mit dem Preis, dass Ihr Körper durcheinander gerät und durch die Wechsel zwischen zu viel Nahrung und Nahrungsentzug völlig aus dem Gleichgewicht geworfen wird. Es wäre für Ihr Wohlbefinden wichtig, dass Sie Ihren Körper regelmäßig genug Nahrung zuführen, so dass er auch keine Essattacken braucht, um genug Energie zu bekommen. Wie Sie sagen, haben Sie laut BMI ein normales Gewicht, allerdings stimmt das mit Ihrem eigenen Wohlbefinden nicht überein. Sie möchten besonders sein, und darum soll ihr Körper besonders dünn sein. Ihr Wunsch besonders zu sein, lässt sich leider über längere Zeit nicht über Ihr Gewicht steuern, da es Sie nicht glücklicher macht, im Gegenteil immer mehr Verzweiflung aufkommt. Ihr Körper zeigt Ihnen mit allen Signalen, dass er das nicht gut findet. Er braucht eine andere Achtsamkeit von Ihnen, in dem Sie ihm regelmäßig und ausreichend Nahrung geben.

Ihr ganzer Tagesablauf ist von den Gedanken über das Essen gesteuert. Das ist leider auch ein Symptom der Essstörungen. Dadurch können Sie sich nicht mehr so auf Ihre Umwelt, und Menschen die Ihnen wichtig sind, einlassen. Wäre das nicht eine schöne Idee, auch wieder den Blick für besondere Menschen und Dinge zu bekommen, ohne in den Vergleich zu gehen, und dann auch wieder als besonderer Mensch von anderen wahrgenommen zu werden? Wir wünschen Ihnen, dass Sie sich besser akzeptieren, und liebevoll mit sich umzugehen lernen. Also die Wahrnehmung wieder auf die eigenen Kostbarkeiten, die jedem einzelnen Menschen eigen sind, lenken.
Essstörungen kommen und gehen leider nicht einfach so, sie brauchen eine geduldige Aufarbeitung mit Unterstützung durch geschulte Fachkräfte. Durch Ihr Schreiben haben Sie schon einen sehr wichtigen Schritt gemacht, da Sie sich mitteilen, und nicht mit Ihren Sorgen alleine bleiben wollen. Gerne laden wir Sie ein, sich bei „intakt“ diese Unterstützung zu holen.
Viel Kraft und Erfolg auf Ihren weiteren Weg.

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