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Binge Eating Disorder? Übergewicht und Frustration

(Corinne fragte am 10.08.2015 um 16:27:26)

Liebes intakt-Team,

ich habe den Verdacht, dass ich schon seit mind. 3 Jahren unter einer Essstörung leide. Sie hat sich einfach an mich angeschlichen und war dann plötzlich da.
Ich habe derzeit in mehr oder wenige regelmäßigen Abständen immer wieder Fressanfälle (meist etwas Süßes, wie zB Kekse, Kuchen oder Schokolade). Der Grund dafür ist, dass ich heimlich immer diese Lebensmittel kaufe, wenn ich eine nicht-aufhaltsame Lust auf sie habe. Zu Hause esse ich dann alles schnell und auch wieder heimlich, damit meine Eltern nichts von dem zusätzlichem Essen merken. Ich weiß, dass das keinesfalls zu einem normalen Essverhalten dazugehören sollte. Deswegen habe ich auch schon oft versucht, diese Supermarktbesuche zu vermeiden, damit ich nicht einmal an das Essen komme, doch meist bin ich mental nicht stark genug und gehe dem Verlangen trotzdem nach. Auch habe ich bemerkt, dass ich beim Frühstücken am Wochenende oft zu viel esse und auch bei den Portionsgrößen zu weit ausschlage. Sonst ernähre ich mich jedoch gesund und ausgewogen. Es sind eben die Fressanfälle, die das Böse ausmachen.
Wegen den überflüssigen Kalorien, die ich durch die Fressanfälle, in mich aufnehme, stieg mein Gewicht zunehmend und auch lagerte sich immer mehr Fett in meinem Körper ab. 2013 war ich noch um die 75-78kg. Jetzt wiege ich bei einer Größe von 173cm 85kg. Mein Gewicht steigt und ich habe keine Ahnung ob ich es schaffen werde, es unter Kontrolle zu halten. Mir ist auch bewusst, dass ich mich etwas zu wenig bewege.
Mein Wunsch wäre es, wenn ich 10-15 kg abnehmen könnte, damit ich mich nach dem BMI Standards wieder in einem Bereich vom Normalgewicht befinde. Ich weiß aber auch, dass ich zuerst meine Fressanfälle aus der Welt schaffen muss, damit es klappt (und auch dann, wird es kein einfaches Verfahren sein, aber ich werde auf jeden Fall geduldig sein und versuchen auf eine gesunde und schonende Art abzunehmen). Ich fühle mich einfach derzeit nicht Wohl in meiner eigenen Haut und mir gefällt es nicht wie ich aussehe. Ich bemerke auch wie andere Menschen sofort Vorurteile gegen mich haben, weil sie sehen, dass ich fett bin. Auch Freunde und Bekannte sind so, sie sagen mir es zwar nicht direkt ins Gesicht, aber ich weiß was sie sich denken. Ich will abnehmen, damit ich wieder gesund und fit bin, besonders in meinen Jugendjahren, solange ich noch viel Energie habe. Ein weiterer Grund für diesen Wunsch ist auch das Kleidungseinkaufen. Es gibt so viel, dass mir gefällt, doch ich weiß im Vorhinein schon, dass es mir nicht passen wird oder, dass das Kleidungsstück nicht gut an mir aussehen wird. Das frustriert mich und ich sehne mich auf die Zeit zurück, wo ich mir noch nicht so viele Gedanken darüber machen musste.
Ich habe mich bisher noch nie an jemand anderen gewendet, um dieses Problem anzusprechen, doch ich denke es ist an der Zeit mich langsam zu öffnen und nach Hilfe zu suchen.


LG Corinne (17 J.)

(INTAKT antwortet am 11.08.2015 um 15:40:17)

Liebe Corinne,
danke, dass Sie sich an uns wenden und nach Hilfe und möglichen Lösungen suchen. Sie schreiben, dass Sie sich „ausgewogen und gesund“ ernähren, aber kann es sein, dass Sie sich dabei sogenanntes „Ungesundes“ wie z. B. Süßigkeiten vollständig versagen? Wenn man sehr diszipliniert isst und sich immer nur „Gesundes“ erlaubt, kann es durchaus zu Situationen kommen, in denen man sich alles, was man sich sonst verbietet, in größeren Mengen - also auch über Appetit und Genuss hinausgehend – zuführt. Dass dies langfristig zu einer Gewichtszunahme führt, ist klar und das haben Sie ja auch selbst so beobachtet. Leider ist es nicht so einfach, „zuerst die Fressanfälle aus der Welt zu schaffen“. Hinter einer Essstörung verbergen sich oft psychische Probleme, die zum Beispiel den Selbstwert einer Person betreffen können. Sie schreiben auch, dass Sie sich nicht wohlfühlen und sich nicht gefallen. Der Weg ist nicht, zuerst das Wunschgewicht zu erreichen (egal mit welcher Diät – und Diäten erfordern immer ein restriktives Essverhalten, das niemanden glücklich macht oder einem gut tut), und dann lösen sich alle anderen Probleme von selbst. Im Gegenteil, der Weg ist, sich selbst anzunehmen, im Rahmen einer Psychotherapie über sich selbst mehr zu erfahren, zu reflektieren, Gedanken über sich selbst zu modifizieren, und dann den Weg zu einem gesunden Essverhalten wieder zu finden und so wieder ein niedrigeres Gewicht zu erreichen, wenn das nötig ist. Die von Ihnen angesprochene Bewegung ist natürlich auch wichtig, um sich im eigenen Körper wohl zu fühlen. Es muss nicht exzessiver Sport sein, aber vielleicht können Sie in Ihren Alltag auch mehr Bewegung einplanen, mehr zu Fuß gehen, Wege mit dem Rad erledigen, sich zum Spazierengehen anstatt zum Essen verabreden.
So wie sich die Essstörung oft „anschleicht“ – Sie haben das sehr gut beschreiben – bleibt sie dann auch einfach da. Essstörungen verschwinden nicht von alleine – suchen Sie sich Hilfe und erlauben Sie sich, diese auch anzunehmen Wir von intakt unterstützen Sie natürlich gerne auf Ihrem Weg, wir bieten sowohl psychotherapeutische als auch ärztliche Hilfe an. Alles Gute für Ihre weiteren Schritte!

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