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Ich fühle mich dick...

(Anonym fragte am 30.07.2015 um 21:39:25)

Hallo
Seit fünf Jahren scheine ich (diagnostiziert) an einer Magersucht zu leiden. Ich selbst kann mir das nicht eingestehen, kann diesen Zustand nicht als Krankheit in mir ansehen. Ich plage mich mit der Angst herum, zuzunehmen, dick zu werden. Ich fühle mich absolut nicht schlank. Ich wäre froh, seit langen wieder mal jemanden sagen zu hören, dass ich dünn sei. Dann denke ich wieder: 35 Jahre, 55/56 kg bei 1m69 - das ist nicht dünn! Kleidergröße 34 ist zu groß, 32 wäre schön. Jeans in Größe W27 - absolut furchtbar. Das ist zumindest normal, schon sehr an der Grenze nach oben.
Dennoch weiß ich, dass meine Ernährung sehr einseitig ist. Sie besteht aus:
Magermilch zum Kaffee
Magermilch die mit Wasser verdünnt mit Cornflakes gegessen wird
0%iges Joghurt mit Haferflocken
soletti
Äpfel
Nektarinen und Weintrauben (nur mit schlechtem Gewissen, weil zu viele kcal)
Gemüse in Form von Rohkost
Manchmal essfertige maroni
Alles weitere steht für mich auf der Liste der verbotenen Dinge. Gebäck. \"Passiert\" manchmal. Selten ein paar Tortellini ohne allem oder 1-2 EL reis. Manchmal Tomatensauce, für die ich mich hasse.
Aber all diese Dinge eben selten. Meine Ernährung besteht zu 95% aus oben genanntem.
Ich denke zu hoffen, dass Sie mir bestätigen werden, dass angesichts meines Gewichts keine Magersucht besteht - schlechte Einstellung zum Essen allerhöchstens. Andererseits fürchte ich möglicherweise, dass Sie eben das Antworten werden...
Ein Teufelskreis

(INTAKT antwortet am 03.08.2015 um 10:01:39)

Schön, dass Sie den Mut gefunden haben uns zu schreiben. Ihre Hoffnung auf Bestätigung können wir Ihnen allerdings leider nicht erfüllen. Teil des Krankheitsbildes einer Essstörung ist es, dass die Betroffenen die Krankheit nicht als solche erkennen. Die Körperwahrnehmung verändert sich in einem Maß, dass man nicht mehr abschätzen kann, ob man noch ein gesundes Gewicht hat oder nicht. Sie bewegen sich wohl noch im Normalgewichtsbereich, aber Ihre Beschreibung von dem, was sie am Tag zu sich nehmen, lässt ahnen, dass Sie nicht einmal den benötigten Grundumsatz zuführen und Ihr Körper mit Nährstoffen unterversorgt ist. Regelmäßige medizinische Check-ups und vor allem auch eine psychologische Betreuung sind notwendig, um einen Weg aus der Essstörung zu finden und wieder ein gutes Verhältnis zum eigenen Körper zu entwickeln. Mit kleinen Schritten beginnend und mit Geduld, Nachsicht und Achtsamkeit für sich selbst, ist es möglich aus diesem Teufelskreis, den Sie beschreiben, wieder herauszukommen. Am Ende des langen Weges stehen Liebe zu sich selbst und Genuss am Essen. Wäre es nicht auch schöner und wertvoller, Komplimente zu Ihrer Persönlichkeit zu bekommen anstatt zu Ihrem Gewicht?

Falls Sie gerade nicht in Betreuung sind, können Sie gerne zu einem Erstgespräch bei uns vorbeikommen und den ersten Schritt in Richtung Gesundung setzen. In jedem Fall wünschen wir Ihnen, dass Sie einen Weg aus der Spirale, in der sich alles nur um Essen und Gewicht dreht, herausfinden.

(Erweiterung der Fragestellung am 03.08.2015 um 20:27:21)

Meine Hoffnung auf Bestätigung... In erster Linie ist es wohl wirklich, die Hoffnung auf einen Menschen der sagt, ich bin dick, damit ich endlich einen Grund habe, drastisch abzunehmen. Ich muss es tun. Etwas in mir sagt mir, dass ich nächste Woche nur dann auf Urlaub fahren kann, wenn das Gewicht im akzeptablen Bereich, sprich untergewichtigen Bereich, ist. So dick wie ich jetzt bin, kann ich nicht wegfahren.
Ich verstehe nicht, warum ich mit den Nahrungsmitteln, die ich zu mir nehme, nicht abnehme.
Ich hatte vor einiger zeit, mein Zeitgefühl Habe ich verloren, es wird wohl schon zwei Jahre her sein, 44 kg. Mein Bauch war schlank, die hüftknochen, rippen, Schlüsselbeine wunderschön sichtbar. Ich vermisse das so sehr.
Ich bin schon seit geraumer zeit in psychologischer Betreuung. Meine Therapeutin ist ein wundervoller Mensch. Sie hört mir zu, ist einfach da für mich, mit allem kann ich mich an Sie wenden. Nur jetzt ist sie in Urlaub. Und das wirft mich aus der Bahn.

(INTAKT antwortet am 13.08.2015 um 10:47:06)

Erst mal entschuldigen wir uns für die späte Antwort, die Sie vermutlich erst nach Ihrem Urlaub erreicht.
Ihr Körper schreit vermutlich schon laut STOP, weshalb er den Stoffwechsel massiv heruntergefahren hat. Es ist gut und wichtig, dass Sie eine psychologische Betreuung haben, bei der Sie sich auch wohl fühlen. Es ist selbstverständlich eine herausfordernde Veränderung, dennoch sind Urlaub eine wichtige Pause, in der man die Möglichkeit hat sich bewusst zu werden, was man sich schon alles erarbeitet hat und welche Veränderungsprozesse angestoßen wurden. Unbedingt notwendig wäre auch eine medizinische Betreuung, um zu sehen, wie es Ihrem Körper geht und was er braucht, um gut funktionieren zu können. 44kg sind bei einer Körpergröße von 169 cm viel zu wenig und vor allem kein erstrebenswertes Ziel!
Wir hoffen, dass Sie Ihren Urlaub dennoch genießen und den räumlichen Abstand nutzen konnten, um sich selber wieder mehr zu akzeptieren und liebevoller mit sich umzugehen. Falls Sie noch Fragen oder Anmerkungen haben, können Sie sich jederzeit wieder bei uns melden.

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