intakt Forum

zurück zur Übersicht

Orthorexia?

(Helena fragte am 21.06.2015 um 23:39:37)

Hallo! Ich leide seit 3 Jahren an massiver Bulimie und jetzt habe ich es von selbst geschafft, ein halbes Jahr keinen Rückfall zu haben. Ich bemühe mich einigermaßen regelmäßig zu essen und keine Essattacke zuzulassen, um nicht wieder zu erbrechen, was schon schwer genung ist. Ich bin komplett überfordert. Ich weiß nicht mehr was eine normale Essensmenge ist. Ich will mich gesund ernähren, während der Bulimie habe ich nur billige, ungesunde Lebensmittel eingekauft, da ich sowieso alles wieder erbrach. Jetzt esse ich nur gesund, teure, biologische und hochwertige Lebensmittel. Ich bin dauernd auf der Suche nach den \"perfekten\" Lebensmitteln. Ist das ein gesundes Zeichen, dass ich mich von der Bulimie \"befreit\" habe, oder ist das auch eine Art Essstörung? Zu meiner extrem gesunden Ernährung (fast ausschließlich Gemüse, Bulgur, Natur/Soyajoghurt und fettarmer Cottagecheese, Mandeln und light Mozzarella steht mein Alkoholkonsum jedoch im starken Kontrast, da ich mich fast jeden Abend betrinke wegen meinen Depressionen und Phobien. Orthorexia und Alkoholismus ist doch nicht möglich oder? Bin ich nur von der Bulimie in die nächste Scheiße gerutscht ohne es zu merken weil ich zu blöd für alles bin?? warum kann ich nicht einfach den alkohol sein lassen?

(INTAKT antwortet am 24.06.2015 um 09:56:09)

Hallo liebe Helena,
aus Ihrem Brief spricht sehr viel Verzweiflung und es wird deutlich, wie unsicher Sie im Hinblick auf Ihr Essverhalten sind. Zu allererst ist es sehr gut, dass Sie es geschafft haben seit über einem halben Jahr nicht mehr zu erbrechen. Darauf können Sie sehr stolz sein!
Wir erleben es häufig, dass ein Weg aus einer Bulimie sehr langwierig ist und ein normales Essverhalten nicht von heute auf morgen möglich ist. Sie sind damit nicht alleine! Eine Überbeschäftigung mit gesundem Essen ist dabei auch keine Seltenheit und wird oft schon zum Bereich der Essstörungen dazugenommen, also ist Ihre Sorge da berechtigt.Das Wichtigste ist, dass diese Überbeschäftigung mit gesundem Essen, wie bei Ihnen, nicht zur Belastung werden darf. Damit tun Sie sich selbst nicht Gutes und geraten erneut in eine Art Teufelskreis.
Ihr Alkoholkonsum scheint nun an die Stelle der Bulimie getreten zu sein und ist eine Art der Bewältigung für Sie geworden. Es scheint so, als muss Ihr Essverhalten und Ihr Alkoholkonsum für etwas herhalten in Ihrem Leben. Bitte bestrafen Sie sich nicht dafür und werten sich selbst deswegen nicht ab. Denn diese Art von Schuldzuweisungen und Selbstgeißelung sind die aufrechterhaltenden Faktoren Ihrer Bewältigungsversuche. Gehen Sie liebevoll mit sich um und kümmern Sie sich gut um sich selbst, denn es ist nun an der Zeit, dass Sie gesündere und stabilere Strategien entwickeln, um dem Stress des Alltags gewachsen zu sein.
Gehen Sie einen nächsten Schritt und nehmen Sie dafür auch professionelle Hilfe in Anspruch! Wir wünschen Ihnen dafür viel Kraft und Durchhaltevermögen.



weitere Fragestellung hinzuf�gen

Anmerkung: Aus Gründen der Sicherheit und um den Missbrauch des "intakt-Forums" zu verhindern, kann nur der- bzw. diejenige die Fragestellung erweitern, der/die auch die ursprüngliche Frage gestellt hat. Jedes Anliegen muss also mit einer neuen Fragestellung begonnen werden. Um die persönliche Fragestellung zu konkretisieren ist der zugewiesene Authentifizierungscode notwendig. Diesen erhalten Sie bei der erstmaligen Fragestellung. Jede Eintragung in das Forum bleibt anonym.