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Essanfälle

(Anonym fragte am 02.06.2015 um 19:39:19)

Hallo,

ich habe schon mal hier meine Nachricht hinterlassen und es hat mich die Antwort, auch wenn nur kurzzeitig zur Vernunft gebracht. Ich habe mittlerweile meine Ess- Brechphase, so nenne ich das selbst, denn ich möchte es noch immer nicht wahrhaben, dass es sich hierbei um Bulimie handelt, da ich nicht untergewichtig bin. Ich dachte auch eigentlich dass ich meine Essattacken und danach den wunsch, bzw. das Bedürfnis mich übergeben zu müssen in den Griff bekommen habe, leider ist demnach nicht so. Außerdem fühle ich mich immer wieder unausgeglichen und nicht gut. Mittlerweile sprechen mich schon einige Leute an, dass mir das gut steht und das ich seit einiger Zeit sicher 10 kg abgenommen habe, ich leugne es dann meistens und gebe meinem Kleidungsstil die Schuld für das optische Aussehen. Ich selbst sehe mich an manchen Tagen auch \"normal\" und bin zufrieden mit meinem Körper, da muss ich jedoch einen guten Tag haben. Mittlerweile habe ich auch wieder begonnen zu laufen und habe bereits an 2 Wettkämpfen teilgenommen, dachte so bekomme ich das in den Griff, doch vergebens. Heute ging es mir wieder so mies, das ich auf der Toilette saß, weinte und zwischendurch erbrach ich das vorher Gegessene. Viele sprechen mich auch schon an wodurch ich abgenommen habe und das ich mich verändert habe, ich hatte dann letzte Woche ein intensives gespräch mit einer Klassenkollegin, der ich das im Gefecht anvertraute, doch ich denke sie kann damit nicht umgehen. Ich möchte einfach den Schritt wagen und \"clean\" zu werden, doch andererseits bin ich mir manchmal gar nicht sicher ob ich wirklich von dem Ganzen raus will, es hört sich dumm an, aber manchmal habe ich das Gefühl das dieses Verhalten das einzige ist was mich halten kann, das einizige wo ich mir vielleicht selbst etwas beweisen kann. Ich habe echt zahlreiche Diäten versucht und auch mit Sport, doch zum abnehmen verhalf mir nichts effektiv. Auf die ca 10 Kg die ich abgenommen habe, bin ich trotz allem stolz und wenn ich aufhöre habe ich auch wieder Angst vorm zunehmen, da ich meine Fressattacken einfach nicht in den Griff bekomme, von denen merkt aber niemand etwas. Am 18. Juni habe ich einen Termin in einer Selbsthilfe gruppe, ich hoffe ich werde diesmal den Termin wahrnehmen, ich habe Angst, dass ich es wieder nicht schaffe.

(INTAKT antwortet am 08.06.2015 um 13:10:34)

Zu erst einmal möchten wir Ihnen sagen, wie mutig wir es finden, dass Sie sich noch einmal auf diesen Weg an uns wenden. Wir freuen uns, dass wir Ihnen zumindest kurzzeitig helfen konnten und es Ihnen zwischenzeitlich besser ging. Leider ist es gerade bei der Bulimie oft so, dass Betroffene vom Gewicht her unauffällig sind, deshalb wird es oft auch von der Außenwelt nicht als bedrohlich wahrgenommen. In unserer Gesellschaft wird eine Gewichtsabnahme leider meist positiv bewertet, weil ein schlanker Körper mit Gesundheit und Fitness assoziiert wird. Leider sind diese gut gemeinten „Komplimente“ ein völlig falsches Signal und wenn die Außenwelt wissen würde, unter welchen Umständen Sie diese Kilos verloren haben, würden sie diese „Komplimente“ sicher nicht machen. Sie schreiben von Ihrem Versuch, diese Spirale aus Essen / Brechen / Frust / Sport wieder selbst in den Griff zu bekommen und wie frustrierend es für Sie ist, es „wieder nicht“ geschafft zu haben. Bitte verlieren Sie nicht den Mut, wenn Sie an Ihrem Wunsch nach einem gesunden Essverhalten dranbleiben, wird es Ihnen auch gelingen wieder einen lustvollen Umgang mit dem Essen und auch mit sich selbst zu gewinnen. Aber bitte denken Sie darüber nach, ob es nicht sinnvoll wäre, professionelle Hilfe dafür in Anspruch zu nehmen. Denn hinter dem „Essen“ stehen oft viele andere Wünsche, Sorgen und Kränkungen, die Betroffene nicht so leicht selbst erkennen können. Diese scheinbare Kontrolle, die wir über das Essen haben, muss oft herhalten für etwas, was wir im Leben nicht gut kontrollieren können / konnten. Wir verstehen, dass es bestimmt Angst machen muss, diese „Kontrolle“ wieder herzugeben. Wir hoffen aber, dass Sie sich selbst dieses Geschenk machen und einen weiteren Schritt in Richtung Gesundung gehen, denn den ersten haben Sie bereits erfolgreich gemacht und uns geschrieben. Und wie sagt man so schön? Der erste Schritt ist immer der schwierigste. Wir wünschen Ihnen alles Gute!

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