intakt Forum

zurück zur Übersicht

Therapeutin beeinflusst Tochter massiv gegen uns

(Eltern fragte am 08.04.2015 um 10:16:35)

Unsere Tochter (15 J.) leidet seit ca. 1,5 Jahren unter Anorexie in Verbindung mit Angstzustaenden und befindet sich seit einem Jahr in stationärer Behandlung.

Sie hat dort anfaenglich Fortschritte gemacht, konnte ihr Gewicht steigern und fing an, wieder Brot mit Butter zu essen. Der Kontakt zu den Eltern war in dieser Zeit sehr häufig und entspannt.

Dann kuendigte ihre Psychotherapeutin an, intensiver mit ihr zu arbeiten. Seitdem ging es leider nur mehr bergab. Unsere Tochter musste kuenstlich ernaehrt werden, verschloss sich den Eltern gegenueber immer mehr.

Als Eltern hatten wir jede Gelegenheit genutzt, um mit unserer Tochter im Gespräch zu bleiben. In vielen Familientherapiestunden besprachen wir, wie wir unsere Tochter unterstuetzen und begleiten koennen. Wir haben begonnen, die beschlossenen Massnahmen zu Hause umzusetzen. So richtig haben wir diese Massnahmen zwar nie verstanden (denn aus unserer Sicht ging es unserer Tochter zu Hause nie schlecht). Dennoch setzten wir diese vielen, kleinen Aenderungen kontinuierlich um.

Leider wurde uns nicht die Moeglichkeit gegeben, den Weg weiter zu gehen. Unsere Tochter zog sich nach den Intensivgesprächen mit ihrer Psychotherapeutin voellig von uns Eltern zurueck (und auch von den Geschwistern, von den Grosseltern und von der gesamten Familie). Niemand konnte (oder wollte) uns sagen, was los ist.

Leider muss ich heute feststellen, dass die Aerzte und Psychotherapeuten zur Verschaerfung der Situation beitrugen anstatt an einer Verbesserung des Tochter-Eltern Verhaeltnis zu arbeiten. Sie steckten die Eltern in eine Schublade (Mutter überfürsorglich, Eltern koennen nicht loslassen usw.). Unsere Tochter wurde massiv gegen uns beeinflusst und es wurden Massnahmen hinter unserem Ruecken gesetzt, die eindeutig darauf zielten, die Tochter von den Eltern zu trennen. Richtigerweise muss es heißen von der Familie zu trennen.

Unsere Tochter spricht heute davon, wie schlecht es ihr zu Hause geht. Schlechtes Gesprächsklima, staendig zu viel Kontrolle etc. Sie macht uebertriebene Abgaben zur Dauer und Intensitaet ihrer Essstoerung. Sie gibt auch an, dass sie die Selbstverletzungen und die Bulemie zu Hause entwickelte. Da das nicht den Tatsachen entspricht, muss ich annehmen, dass ihre \"Wahrheiten\" in den Gesprächen mit der Psychotherapeutin entstanden sind.

Die Psychotherapeutin hat dann unsere Tochter an die Hand genommen und zum Jugendamt gefuehrt, um eine Uebersiedlung von der stationaeren Einrichtung in eine sozialpädagogische Wohnung zu erreichen. Wir Eltern wurden erst im Nachhinein davon informiert. Im Gegenteil, uns wurde von der leitenden Ärztin und von der Familientherapeutin wiederholt gesagt, dass die stationaere Einrichtung eine Übersiedlung nach Hause anstrebe.

Das Übrige haben die Ämter dann unter sich ausgemacht...
Uns Eltern wurde mit der Entziehung der Obsorge gedroht, falls wir einer WG Lösung nicht \"freiwillig\" zustimmen. Anscheinend reicht es aus, wenn eine Psychotherapeutin zum Jugendamt geht und erklärt, dass die betroffene Jugendliche zu Hause Schwierigkeiten mit dem Essen hat. Unglaublich aber leider wahr: die Meinung der Eltern zaehlt ueberhaupt nicht. Wenn sich das Raederwerk erst einmal dreht ...

WIR suchen Eltern, die aenhliche, schwierige Situationen erleben bzw. erlebten. Wir denken, dass wir uns gegenseitig staerken und beraten koennen. Um Kontakt mit uns herzustellen, besuchen Sie bitte www.beratung-schertler.com. Dort wird man Ihnen helfen, Kontakt mit uns herzustellen.

(INTAKT antwortet am 14.04.2015 um 17:11:49)

Man merkt, dass die momentane Situation sehr belastend für Sie ist und Sie als Familie sehr viel durchmachen. Es ist ein guter erster Schritt, dass Sie sich ihre Probleme und Ängste von der Seele schreiben und den Austausch mit anderen betroffenen Eltern und Familien suchen. Denn ganz häufig beobachtet man, dass andere Familien im Verlauf der Behandlung einer Essstörung mit den gleichen oder ähnlichen Problemen konfrontiert sind und auch ihre eigenen Strategien entwickelt haben.
Es ist ganz normal, dass es auf dem langen Weg der Behandlung einer Essstörung immer wieder Rückschläge gibt und dass manche Therapieansätze nicht sofort ihre erwünschte Wirkung zeigen oder man ihren Nutzen erkennt. Es ist aber wichtig, sich immer wieder ins Gedächtnis zu rufen, dass alle Therapeuten und Ärzte genauso wie Sie Ihrer Tochter helfen wollen gesund zu werden. Es wird Ihrer Tochter sicherlich am meisten helfen, wenn alle Beteiligten versuchen, an einem Strang zu ziehen, damit keine Loyalitätskonflikte entstehen, die die Symptome einer Essstörung noch verschlimmern können.
Vielleicht hilft es Ihnen auch, in zeitlichen Etappen zu denken, denn keine Entscheidungen werden für immer getroffen.
Bei der Behandlung aller psychischen Probleme ist es wichtig, das gesamte soziale Umfeld miteinzubeziehen, das ist nicht ungewöhnlich und darf nicht als Vorwurf verstanden werden.
Es ist vor allem aber sehr wichtig, dass Sie dabei auch an sich selbst denken! Nehmen Sie sich alle Hilfe, die Sie brauchen, um ihren Alltag zu meistern und Ihre Tochter in ihrer Genesung zu unterstützen, aber vor allem um sich selber zu stärken!


weitere Fragestellung hinzuf�gen

Anmerkung: Aus Gründen der Sicherheit und um den Missbrauch des "intakt-Forums" zu verhindern, kann nur der- bzw. diejenige die Fragestellung erweitern, der/die auch die ursprüngliche Frage gestellt hat. Jedes Anliegen muss also mit einer neuen Fragestellung begonnen werden. Um die persönliche Fragestellung zu konkretisieren ist der zugewiesene Authentifizierungscode notwendig. Diesen erhalten Sie bei der erstmaligen Fragestellung. Jede Eintragung in das Forum bleibt anonym.