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Ein ewiges Rad

(Anonym fragte am 12.03.2015 um 21:52:04)

Hallo,
Seit ich etwa 15/16 Jahre alt bin, leider ich an einer Essstörung. Mittlerweile bin ich 21 Jahre alt. Ich beschäftige mich hauptsächlich mit dem Thema Essen/Kalorien/Abnehmen und kann auch nicht mehr aufhören damit. Jeden Tag versuche ich meine Mahlzeiten zu planen und zu berechnen wie viele Kalorien das ca. sind etc. etc. ...
Leider habe ich in diesem Prozess zwei verschiedene Phasen: die Hungerphase und die Fressphase. In der Hungerphase schaffe ich es immer auf 48 Kilo herunter (Ich bin 1.60 m groß) und in der Fressphase fress ich mir ca. 5 Kilo wieder drauf, finde mich dann zu dick und die Hungerphase beginnt wieder. In der Fressphase bin ich immer extrem unglücklich, darum fresse ich wahrscheinlich dann auch hemmungslos viel und kann mich nicht bremsen. Sobald ich angefangen habe zu essen, kann ich mich nicht mehr halten und verschlinge große Mengen. In der Hungerphase kann ich problemlos auf alles verzichten, liebe das Hungergefühl und vor allem das Gefühl Erfolge auf der Waage zu sehen. Ich fühle mich in dieser Phase leicht und unbesiegbar.
Grundsätzlich bin ich eher ein trauriger und vor allem unsicherer Mensch. Ich lerne schwer neue Leute kennen und vorallem das andere Geschlecht findet mich anscheinend nicht wirklich interessant. Ich hatte schon einige kurze Beziehungen bzw. habe mich regelmäßig mit einem Mann getroffen, aber daraus wurde nie etwas und ich blieb ungeliebt, traurig und unendlich verletzt zurück. Meine Mutter meint, dass es nicht normal ist, sich in meinem Alter nur mit Essen und meinem Gewicht zu beschäftigen aber ich kann es nicht abstellen.
Momentan versuche ich wieder abzunehmen, da ich mir aus Kummer, Frust und Unsicherheit wieder zusätzliche Kilos draufgefuttert habe. Mittlerweile passt mir nur noch eine einzige Hose - das Resultat: Ich fühle mich hässlich, fett und zu nichts zu gebrauchen.
Wenn ich einen Fressanfall habe (was diese Woche leider jeden Tag der Fall war) esse ich alles in mich rein. Hauptsächlich Brot, Kekse, Schokolade, Knabbereien usw. Währenddessen und danach fühle ich mich furchtbar - ich fühle mich machtlos, dumm und unbrauchbar sowie fett und hässlich. Ich weiß dann, dass ich wieder einen Schritt in die falsche Richtung gemacht habe. Weiters denke ich, dass wohl alle in meinem Umfeld meine Gewichtszunahme bemerken müssen und sich Gedanken dazu machen oder sich eben denken, dass ich zugenommen habe. Sobald ich losgefressen habe, fühle ich mich wie schon gesagt hässlich und fett und habe keine Lust mich zu stylen - also schick herzurichten, zu schminken etc. Zusätzlich sage ich oft Verabredungen ab, weil ich mich so schäbig fühle und so \"fettgefressen\" nicht unter Leute treten will.
Ich weiß nicht woher meine Unsicherheit stammt, jedoch fühle ich mich einfach wie ein hässliches Entlein, das nichts auf die Reihe bekommt. Ich will endlich die Kontrolle über mich erlangen und nicht von diesen ekelhaften Fressanfällen getrieben sein. Ich fühle mich so schrecklich, kann aber nicht entkommen.
Jeder Tag gipfelt mittlerweile in einer Fressorgie, am darauffolgenden Tag versuche ich das zu kompensieren indem ich nichts essen will und am Abend fresse ich wieder alles, was mir unterkommt. Normales Essverhalten (zB 3 geregelte Mahlzeiten am Tag) hatte ich schon sehr lange nicht mehr. Am Tag nach so einer Fresserei fühle ich mich schlecht - körperlich fühle ich mich aufgebläht und fett, habe Kopfweh und bin antriebslos. Seelisch fühle ich mich wieder unbrauchbar und ich weiß, dass ich gescheitert bin. Ich weiß mir nicht mehr zu helfen, ich kann so nicht mehr weitermachen!

(INTAKT antwortet am 16.03.2015 um 13:13:46)

Gut, dass Sie sich Ihre Verzweiflung so ehrlich von der Seele gechrieben haben!Sie stecken wirklich in einer traurigen Falle, denn Ihr Körper kann sich bei all dem Hin und Her gar nicht mehr auskennen. Allerdings sehen Sie auch keine andere Möglichkeit, mit Ihrer Traurigkeit und Ihrem Frust umzugehen. JEDOCH Sie haben uns geschrieben und vor allem beschreiben Sie sich als hässliches Entlein, in dem - wie wir alle wissen - ein schöner Schwan steckt!!! Und um all die Ressourcen in sich zu finden, die Sie brauchen, damit der kranke Essenskreislauf unterbrochen werden kann, brauchen Sie therapeutische Unterstützung. So können Sie sich neu entdecken und vor allem liebhaben lernen! Seien Sie weiter mutig und es ist vor allem eigenverantwortungsvoll - auch grad in Ihrem Alter - kompetente Hilfe in Anspruch zu nehmen! Alles Gute dafür!!!

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