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Schulaufsatz | 02/11/11

Individualität vs. Gruppenzwang

Ein Aufsatz, der dem Leitungsteam sehr gut gefallen hat. Die Autorin hat ihn für die Veröffentlichung auf der Website freigegeben.

„Sei so wie du bist, aber wenn du anders bist als wir, gehörst du nicht dazu!“ Das ist die häufigste Einstellung unserer heutigen Gesellschaft und auch die Medien unterstützen dieses Weltbild. Doch wie sollen wir dieses zwiespältige Problem nur lösen?

Vor allem Jugendliche leiden stark unter Gruppenzwang. Dabei wird ihnen doch oft von den Eltern gesagt, sie sollen so sein, wie sie sind. Insbesondere in der Pubertät stellt also die Kombination aus Selbstfindung und Anpassung ein schwerwiegendes Problem dar. Und jeder hat seine eigene Art, dieses zu lösen.
Damit stellt sich die Frage, warum wir überhaupt davor gestellt werden. Durch den Druck der Gesellschaft bekommen wir das Verlangen, dazuzugehören. Die meisten wollen so sein wie die anderen. Wenn aber wir alle das wollen, wer sind wir dann noch, außer eine ziellose Gruppe, die mit dem Strom mit fließt? „Nur tote Fische schwimmen mit dem Strom“, ist eine sehr weise Aussage meiner Mutter. Sie zum Beispiel legt sehr viel Wert auf meine selbstständige Entwicklung. Mir wird immer gesagt, ich soll anziehen, was ich will und mich so benehmen, wie ich mich wohlfühle (natürlich innerhalb der Gesetze). Bei meinen Mitschülern stößt das jedoch auf eine empfindliche Ader. Sie sehen es nicht gerne, wenn jemand aus der Reihe tanzt oder anders als sie selbst ist. Sie haben es lieber, wenn jeder „normal“ ist. Doch was ist „normal“? Sind es die Marken, die die ganzen Prominenten in den Klatschzeitungen tragen? Oder das überhebliche Benehmen der Fernsehstars? Viele äußere Einflüsse treiben uns dazu, unsere Persönlichkeit ändern zu wollen, um besser zu sein. Nur mehr wenige hören auf ihr kleines, inneres „Ich“. Ich bin ich. Wir sollten jeden von uns so lieben und akzeptieren, wie er ist und ihn nicht dafür verurteilen. Denn wie soll man herausfinden, welcher Weg für einen der Richtige ist, wenn man weiß, dass die anderen diese Wahl sowieso nur kritisieren werden?
Letzten Dienstag bin ich mit stark gelockten Haaren in die Schule gekommen. Bereits nach zwei Minuten in der Schule habe ich die taxierenden Blicke auf mir gespürt. Wie am Flughafen, wenn sie einen von Kopf bis Fuß durch scannen. Eine weitere Minute später waren ihre wispernden Stimmen schon zu hören. Geläster. Mobbing. Viele haben mir sogar ins Gesicht gesagt, wie „deppat“ das aussehe. Wie soll sich ein junger Mensch also unter solchen Bedingungen entfalten, frage ich mich?
Eine mögliche Lösung für das Problem wären vielleicht intensive Gespräche zwischen Eltern und Kind. Doch leider sind nicht alle Eltern willig, das zu tun. Ich habe einen sehr guten Freund, dessen Eltern nicht voll hinter seiner individuellen Entwicklung stehen. Das ist gut erkennbar an seinem Verhalten, das oft sehr negativ ist, und an der Gleichgültigkeit, mit der er an Dinge oft herangeht. Genau wie seine Eltern es mit seiner Erziehung tun. Eine weitere Lösung wäre ein Besuch bei einem Therapeuten. Die Leute, die eine schwache oder sehr verletzliche Seele haben, könnten dort lernen, wie sie ihre Individualität durchsetzen können, ohne sich von anderen beeinflussen zu lassen.
Bei einigen Personen treten schwere Schäden durch diese Unterdrückung oder Veränderung der Individualität auf. Depressionen, Bulimie oder Selbstverletzung sind die möglichen Reaktionen auf die eigene Art, „zu sein“.
Ich weiß, wie es ist nicht dazuzugehören. Auch ich habe große Probleme, damit fertig zu werden. Ich lege mehr Wert auf die Meinung anderer als auf meine eigene. Das erzeugt Trauer und Wut. Ich habe einen Weg für mich gefunden, bei dem nur ich kontrollieren kann, was ich tue. Bulimie. Der erste Schritt zur Lösung, ist die Erkenntnis des Problems. Ich weiß, dass ich diese Sucht besiegen kann, solange die wichtigsten Leute hinter mir stehen. Ausgehend von meinen Erfahrungen möchte ich mich, wenn ich erwachsen bin, mit der individuellen Entwicklung Jugendlicher beschäftigen und sie dabei unterstützen, sich zu trauen, zu sein wer sie sind. Denn wir sind wir und wir sind wichtig.

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