Unser Angebot

Behandlungsablauf bei Kindern und Jugendlichen

Das Auftreten von Essstörungen bei Kindern ist immer früher und immer häufiger festzustellen.

Die seelischen und körperlichen Belastungen durch die Erkrankung und gleichzeitig auch die gesellschaftliche soziale Ächtung von übergewichtigen Menschen führen zu einem enormen Leidensdruck, vor allem bei adipösen Kindern. Die Tatsache, dass die PatientInnen von heute die sogenannte „zweite Generation” sind, d.h. dass häufig deren Mütter ebenfalls an einer Essstörung erkrankt waren bzw. sind, stellt eine neue Herausforderung in der Behandlung dar und verdient besondere Beachtung. Das Umfeld, insbesondere die Familie und die Gruppe der Gleichaltrigen tragen wesentlich zur Entstehung und Aufrechterhaltung von Essstörungen von Kindern und Jugendlichen bei.

Eine aktive Teilnahme der Familienangehörigen bzw. Erziehungsberechtigten an der Behandlung der betroffenen Kinder und Jugendlichen sehen wir als wichtige Voraussetzung und Notwendigkeit. Dieser Umstand allein kann häufig zu einer Entlastung des betroffenen Kindes führen, stärkt die Motivation und führt schlussendlich zu höheren Erfolgsquoten bei der Behandlung und weniger Therapieabbrüchen.

Nach der kostenlosen Information und dem Erst- und Aufnahmegespräch (siehe Behandlungsablauf bei Erwachsenen) gliedert sich die Behandlung in:

  • Diagnosephase
  • Clearingphase
  • Behandlungsphase
  • Verfestigungs- und Abschlussphase

Diagnosephase

Die Kinder bzw. Jugendlichen werden mit mindestens einem Elternteil zu einem Erst- und Aufnahmegespräch eingeladen. In weiteren Terminen erfolgt eine ausführliche kinderpsychologische Diagnostik sowie eine kinderärztliche bzw. allgemeinmedizinische Diagnostik und psychiatrische Diagnostik.

In einer Befundbesprechung werden die Ergebnisse dieser Untersuchungen zusammengefasst und dienen als Grundlage für den Behandlungsplan. Es erfolgt nunmehr die Aufnahme der PatientInnen in das Behandlungsprogramm von intakt oder die Zuweisung an andere entsprechende störungsspezifische Einrichtungen.

Clearingphase

Nach einer dreimonatigen Behandlungsphase (Clearing) erfolgt eine ausführliche Fallbesprechung durch das Betreuungsteam (Fachärztin für Kinder- und Jugendheilkunde bzw. AllgemeinmedizinerIn, FachärztIn für Psychiatrie, PsychotherapeutIn) und Überprüfung, ob die PatientIn die Kriterien für eine ambulante Behandlung in der Einrichtung erfüllt.

Weiters kann in dieser Clearing-Phase eine psychiatrische (Differential)-Diagnostik erstellt werden. Nach dieser Fallbesprechung wird der Behandlungsplan nochmals überdacht und allenfalls adaptiert. Bei Bedarf erfolgt die Überweisung der PatientIn an eine andere störungsspezifische Einrichtung oder Institution.

Behandlungsphase

Sind die Kriterien für eine ambulante Behandlung bei intakt erfüllt, sieht die Behandlung regelmäßige kinderfachärztliche und bei Bedarf psychiatrische Kontrollen vor. Die psychotherapeutische Behandlung besteht im ersten Behandlungsjahr aus Familientherapie und Einzeltherapie des Kindes/Jugendlichen. Bei Bedarf kann diese psychotherapeutische Behandlungsform um ein Jahr verlängert werden.

Verfestigungs- und Abschlussphase

Im Anschluss daran erfolgt für ein weiteres Jahr – d.h. im 2. bzw. 3 Behandlungsjahr – Gruppentherapie für das Kind/Jugendlichen mit begleitenden Elterngesprächen. Im Einzelfall zusätzlich Einzel- oder Familientherapiesitzungen.

In den Gruppentherapien soll den Kindern und Jugendlichen die Erfahrung sozialer Einbettung und das Lernen voneinander ermöglicht werden.

Diagnostische Abklärung

Kinderpsychologische Diagnostik

Die Diagnostik führt eine Psychologin durch und schlißt mit einem schriftlichen Befund ab. Aus diesem Befund sind das Störungsbild und eventuelle Zusatzdiagnosen ersichtlich. Weiters nimmt die Psychologin Stellung zur Therapiefähigkeit und allfälligen weiteren schwierigen Lebenssituationen des betroffenen Kindes.

Kinderärztliche bzw. allgemeinmedizinische Diagnostik

Die Kinderärztin erhebt den aktuellen körperlichen Zustand, das Körpergewicht am Beginn und am Ende der Behandlung und leitet allfällig notwendige weitere medizinische Untersuchungen ein. Bei Bedarf erfolgt eine Zuweisung zu anderen spezialisierten Fachärztinnen zur weiterer Abklärung.

Das jeweilige Essverhalten wird am Beginn der Behandlung genau analysiert. Entsprechende Änderungsschritte zur Normalisierung des Essverhaltens werden angeleitet und gemeinsam erarbeitet. Die PatientInnen und deren Eltern bzw. Erziehungsberechtigten werden bezüglich der essstörungsspezifischen körperlichen Folgeerscheinungen und Komplikationen aufgeklärt. Nach Anamnese und Untersuchung wird darüber entschieden, ob die gesundheitlichen Voraussetzungen für eine ambulante Behandlung gegeben sind.

Psychiatrische Diagnostik

Die ausführliche psychiatrische Diagnostik erfolgt zur genauen Klassifikation der Essstörungsdiagnose und zur Abklärung eventuell zusätzlich vorhandener psychiatrischer Krankheitsbilder. Bei dieser Untersuchung wird die aktuelle Situation zur Beurteilung von Schwere, Häufigkeit und Entstehungsursache des Störungsbildes, sowie des Bewusstseinszustandes und der kognitiven Möglichkeiten, sowie der sozialen Umstände der PatientInnen.

Auf Grund der erhobenen Befunde erfolgt die Beurteilung, ob eine ambulante Behandlung für die Patientinnen möglich und sinnvoll ist. In weiterer Folge, wird eine eventuelle zusätzliche medikamentöse Behandlung der Patientinnen besprochen.

Therapiepläne

Kinderfachärztliche bzw. allgemeinmedizinische Betreuung

Die Konsultation der begleitenden Kinderärztin ist mindestens einmal im Quartal verpflichtend vorgesehen. Bei kritischem Gesundheitszustand bzw. grenzwertigem Gewicht sind häufigere ärztliche Kontrollen notwendig.

Psychiatrische Betreuung

Bei regelmäßiger psychiatrischer Medikation bzw. schwierigen, komplexen Krankheitsbilder sind mindestens einmal im Quartal, in krisenhaften Situationen häufigere Kontrollen notwendig.

Internistische Behandlung

Bei Vorliegen spezieller zusätzlicher Krankheitsbilder, sowie bei kritischen internistischen Situationen, ist eine zusätzliche internistische Behandlung obligat.

Psychotherapeutische Begleitung des Kindes/Jugendlichen

Aus unserer langjährigen Erfahrung steht am Anfang der Behandlung das Erkennen und die Bearbeitung der Umstände, die zu Entstehung und Aufrechterhaltung der aktuellen Symptomatik beigetragen haben. In diesem Prozess werden die Eltern bzw. Erziehungsberechtigten einbezogen um sowohl die Behandlungsschritte abzusichern als auch das gesamte System zu entlasten.

Der Behandlungsschwerpunkt richtet sich nach der Konstellation des Störungsbildes und auch nach dem Alter des Kindes bzw. Jugendlichen. Bei Kindern- und Jugendlichen bis zum abgeschlossenen 16. Lebensjahr sieht das Behandlungskonzept im ersten und zweiten Behandlungsjahr eine obligate Familientherapie vor, in der Verfestigungs- und Abschlussphase werden die Eltern durch Elterngesprache eingebunden. Für die älteren Jugendlichen wird entsprechend der jeweiligen Situation und Bedürfnisse ein spezieller Therapieplan vereinbart (Einzel-, Gruppe-, Familientherapie...)

Bei der Einzeltherapie des Kindes/Jugendlichen steht eine tragfähige therapeutische Beziehung im Zentrum, die ein ressourcenorientiertes Arbeiten zur Stabilisierung und Stützung und Stärkung des Kindes/Jugendlichen möglich macht.

Das Ziel der Gruppentherapie ist das Fördern der Beziehungsfähigkeit, das Erleben des soziales Eingebundensein, die Entwicklung des Zugehörigkeitsgefühls und das Ermöglichen des sozialen Lernens durch Gleichaltrige.

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